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Politik

Debatte zum Coronaimpfen von Kindern: Ständige Impfkommission wehrt sich

Freitag, 16. Juli 2021

/Mahsun, stock.adobe.com

Berlin – In der Debatte um Coronaimpfungen für Kinder und Jugendliche setzt sich die Ständige Impf­kommission (STIKO) zunehmend gegen Druck aus der Politik zur Wehr.

„Die aktuellen Aussagen von Herrn Söder und anderen Politikern zur STIKO und zu deren Arbeit sind auch unter Berücksichtigung der Wahlkampfzeit ungewöhnlich und müssen korrigiert werden“, teilte das unabhängige Gremium um den Virologen Thomas Mertens heute mit.

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Ziel der Stiko sei das Erarbeiten der bestmöglichen Impfempfehlung für einzelne Menschen und für die Gemeinschaft. „Dies erfolgt unabhängig von Meinungen und Wünschen von Politikern und der pharma­zeutischen Industrie.“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte in einem BR-Interview bekräftigt, dass es mit einer generellen Coronaimpfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren schneller gehen müsse. Dabei sprach er von der STIKO als einer ehrenamtlichen Organisation, wohingegen die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) die „Profis“ seien.

Die EMA hatte im Mai den COVID-19-Impfstoff von Biontech/Pfizer für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zugelassen. Für Deutschland empfiehlt die STIKO die Impfung bisher jedoch nur Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Vorerkrankungen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Als Gründe nennt die STIKO noch fehlende Daten zur Sicherheit des Impfstoffs.

Das Gremium betonte nun, „keinesfalls“ weniger professionell zu sein als die EMA, aber andere Aufgaben zu haben als diese. Die EMA prüfe die Zulassungsunterlagen und erteilte die Zulassung. „Hingegen ist es der Auftrag der STIKO, Empfehlungen zu erarbeiten, wie ein zugelassener COVID-19-Impfstoff am sinnvollsten in der Bevölkerung zur Anwendung kommt.“

Die STIKO werde von Mitarbeitern des Robert Koch-Instituts (RKI) „maßgeblich unterstützt“ und arbeite dem gesetzlichen Auftrag entsprechend „transparent nach streng wissenschaftlichen Kriterien“.

Was mit den Impfempfehlungen der STIKO erreicht werden soll, ist im Infektionsschutzgesetz festgelegt. Die Mitglieder werden demnach vom Bundesgesundheitsministerium „im Benehmen mit den obersten Landesgesundheitsbehörden“ berufen.

Söder sagte in dem Interview weiter, dass der Astrazeneca-Impfstoff nun ein „Ladenhüter“ sei, weil es ein Hin und Her mit unterschiedlichen STIKO -Empfehlungen gegeben habe. Auch diesem Punkt kontert das Gremium: Die mit der Zeit vorgenommenen Aktualisierungen seien „Ausdruck der sorgfältigen Analyse sich stetig verändernder und neu hinzukommender wissenschaftlicher Erkenntnisse, die angesichts der Dynamik der Forschung zu COVID-19 in rascher Folge veröffentlicht werden“. © dpa/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #759489
MITDENKER
am Dienstag, 20. Juli 2021, 11:14

Ist schon aberwitzig...

...wie gerne Politiker "früher" auf die STIKO verwiesen haben. Denn dort sei der Hort der Wissenschaftlichkeit wider das "Geschwurbel". Und jetzt? Nunmehr sei die STIKO - sicherliche kein Hort von Impfgegnern - keine Profi-Organisation mehr sondern ein Verein ehrenamtlicher Labertüten.
Also überlassen wir doch einfach die Impfpolitik gleich den Politikern, die - je nach Stimmungslage im Wahlvolk - ihre Empfehlungen oder gar Verordnungen auf den Weg bringen. Gründliches wissenschaftliches Für-und-Wieder sowie vorsichtiges Agieren hat doch ausgedient.
Avatar #667904
meerwind7
am Montag, 19. Juli 2021, 14:12

Zulassung ungleich Empfehlung

Schnaps und Zigaretten sind bei uns auch auch zugelassen, werden aber nicht behördlich empfohlen.
Um eine Impfempfehlung für Jugendliche zu erreichen, hätten die für die Bildung zuständigen Bundesländer ja auch selbst ein paar Studien beuftragen können, die die Impfreaktionen bei Schulkindern näher untersuchen und vor allem auch Tests mit unterschiedlicher Dosis und mit unterschiedlichen Abständen zwischen Impfungen vornehmen lassen. Dass ein Jugendlicher mit 30 kg und altersbedingt aktivem Immunsystem nicht dieselbe Impfstoffmenge benötigt bzw. verträgt wie ein älterer Mann mit 150 kg, sollte eigentlich auf der Hand liegen. Die Hersteller verdienen natürlich mehr, wenn alle zweimal die höchstmögliche Dosis in kurzem Abstand verabreicht bekommen.
Avatar #667904
meerwind7
am Montag, 19. Juli 2021, 14:06

Zulassung ungleich EMpfehlung

Avatar #775189
Leser
am Sonntag, 18. Juli 2021, 18:10

Populismus oder Wissenschaft?

Geimpfte, die reisen, können 1. sich infizieren und 2. das Virus weitergeben.
Ich sehe daran aktuell nichts Gutes...
Avatar #878719
HaGrae
am Samstag, 17. Juli 2021, 06:38

@Arco

Wer hat da nun Recht?
In der emotional aufgeheizten Situation ist es nicht so einfach mit den Antworten. Ist es wirklich so, dass Jugendliche keine Treiber von Covid19 sind? Dann wären etliche Restriktionen purer Aktionismus und schlicht überflüssig. Woher kommen dann die erneuten Anstiege der Inzidenz in den Nachba- und Urlaubsländern? Wollen und könnenwir wirklich den jungen Menschen bis zum SanktNimmerleinsTag Masken und Abstand predigen?
Die USA und viele weitere Länder impfen mRNA ab 12 Jahren, ohne dass es zu schweren Nebenwirkungen kommt. Und eins darf auch nicht vergessen werden, Eltern möchten als Geimpfte reisen. Mit den ungeimpften Jugendlichen wird es in einigen Urlaubsländern schwierig.
Avatar #707660
PatrickR
am Freitag, 16. Juli 2021, 20:53

Dieser Söder und der Lauterbach

Es ist unglaublich wie populistisch und mit Halbwahrheiten hier Stimmung gegen die STIKO gemacht wird. "Keine professionelle Institution wie die EMA" hat Söder gesagt, solche Aussagen gegen eigene Institutionen kamen zuletzt von Trump! Lauterbach hat gesagt "in Großbritanien sind schon viele Kinder in Kliniken" auch er musste sich inzwischen korrigieren, die Fakten sind dass dies nicht der Fall ist "Daten zeigen, dass die Zahl der Corona-Infektionen in Großbritannien zwar tatsächlich steigt - die der infizierten Kinder und Jugendlichen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, aber gering bleibt. Dies gilt sowohl für England als auch Schottland und andere Teile des Vereinigten Königreichs. " Quelle: ARD Faktenfinder - Zahl der Kinder in Kliniken weiter gering- Stand: 29.06.2021 14:35 Uhr.

Es ist einfach nur unglaublich wie hier Panik geschürt wird!
Avatar #550935
Arco
am Freitag, 16. Juli 2021, 18:38

Ist Söder Arzt, Virologe oder Politiker ?

Söders Forderung, "dass es mit einer generellen Coronaimpfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren schneller gehen müsse", ist an politischer Arroganz nicht zu überbieten. Aber Söder fällt grundsätzlich mehr mit Aktionismus als mit überlegten Handlungen auf.

Wer Druck auf Kinder bzw. Jugendliche aufbaut, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen, vergeht sich an der Gesundheit und Würde dieser Menschen.
Es ist angesichts der Tatsache, dass Kinder und Jugendliche statistisch seltenst schwer erkranken, medizinisch unhaltbar, eine Impfempfehlung für diese Altersgruppen auszusprechen. Das wissen die Mediziner, das wissen die Virologen in der STIKO, das wissen intelligente Menschen.
Darüberhinaus verfügen junge Menschen über ein breites, hoch wirksames Immunsystem, das schnelle Reaktionszeiten gegen alle verbreitete Grippeviren (auch Coronaviren!) zeigt. Deshalb überstehen sie Atemwegsinfekte wesentlich besser als ältere Menschen.
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