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Medizin

Studie: Übergewicht kann Diabetesrisiko in ärmeren Ländern schon bei niedrigerem BMI erhöhen

Montag, 23. August 2021

/picture alliance, Miro May

Boston – Diabeteserkrankungen und hier in erster Linie der Typ-2-Diabetes sind kein Privileg der reicheren Länder. Nach einer weltweiten Studie im Lancet (2021; DOI: 10.1016/S0140-6736(21)00844-8) leben 4 von 5 Diabetikern in Ländern mit niedrigem oder mittleren Einkommen (LMIC), wie die früheren Entwicklungsländer heute bezeichnet werden. Das Diabetesrisiko steigt dort häufig bereits ab einem niedrigen Body-Mass-Index (BMI) und im jüngeren Alter an.

In LMIC leiden mehr Menschen unter den Folgen einer Fehl- und Überernährung als unter Hunger. Übergewicht und Adipositas und ihre wichtigste Folgekrankheit, der Typ-2-Diabetes, haben in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. Ein Team um Jennifer Manne-Goehler vom Massachusetts General Hospital in Boston, dem auch Forscher aus mehreren deutschen Zentren angehören, kommt zu dem Ergebnis, dass in den LMIC mittlerweile 27,2 % der Bevölkerung übergewichtig und 21,0 % adipös sind. Die Diabetesprävalenz beträgt 9,3 %.

Die Zahlen beruhen auf der Auswertung der Daten zu 685.616 Personen, die in 77 LMIC an der STEPS-Umfrage („Stepwise Approach to Surveillance“) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilgenommen hatten. Die Forscher haben den BMI in den einzelnen Ländern mit den Diagnosen am Typ-2-Diabetes in Beziehung gesetzt.

Dabei stellte sich heraus, dass in einigen Ländern bereits bei einem BMI im Bereich des Normalgewichts (BMI 18,5 bis 24,9 kg/m2 ) das Diabetesrisiko steigt. Dies war vor allem in Ost- und Südostasien der Fall, wo die Menschen in der Vergangenheit in der Regel schlank waren. Durch die Übernahme eines „west­lichen“ Ernährungsstils ist es jedoch zu einer Zunahme des BMI gekommen.

Nach den Analysen der Forschergruppe steigt das Diabetesrisiko bereits ab einem BMI von 23,8 kg/m2 an und damit unter der Schwelle von 25 kg/m2, ab dem die WHO zu einem Diabetesscreening rät. In einigen Ländern des Nahen Ostens, Nordafrikas, Lateinamerikas und der Karibik scheint die Bevölkerung weniger anfällig zu sein, aufgrund von Übergewicht an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. Manne-Goehler ermittelt einen Grenzwert von 28,3 kg/m2, der damit im Bereich des Übergewichts liegt.

Auffällig ist auch, dass das Diabetesrisiko mit dem Anstieg des BMI unterschiedlich stark ansteigt. Männer und Frauen aus Subsahara-Afrika scheinen hier besonders gefährdet. Bei ihnen verdoppelt sich das Diabetesrisiko beim Übergang vom Übergewicht zur Fettleibigkeit. In anderen Ländern steigt das Risiko weniger stark. Den Grund für die Unterschiede konnte die Querschnittstudie nicht ermitteln.

Auch die Altersgrenze von 40 Jahren für ein erstes Screening, die in den reicheren Ländern gilt, müsste nach den Ergebnissen der Forscher revidiert werden: Insgesamt steigt in den LMIC das Diabetesrisiko ab dem Alter von 35 bis 44 Jahren an. Bei Männern in Subsahara-Afrika war dies bereits in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen der Fall. Um Diabeteserkrankungen rechtzeitig zu erkennen, müsste in diesen Ländern bereits deutlich früher als von der WHO empfohlen mit dem Screening begonnen werden, schreibt Manne-Goehler. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #967107
Köfer
am Dienstag, 24. August 2021, 12:12

Ursache der Insulinresistenz

Wird die Insulinresistenz tatsächlich von einem Überkonsum bei den Kohlehydraten verursacht? Der Autor der Seite http://www.dr-schnitzer.de/diabetes-studie-einfuehrung.html bestreitet diese Hypothese, möglicherweise zu Recht: https://kurier.at/wissen/neue-studie-rotes-fleisch-als-ausloeser-fuer-diabetes-typ-ii/134.135.339
Abschließend sei festgestellt, dass in der Medizin hinsichtlich der Hypothese keine Gewissheit herrscht, wonach der exzessive Konsum an Kohlehydraten die Ursache für die Insulinresistenz sei. Aus der Wikipedia: „Die genauen Mechanismen, welche zur Insulinresistenz führen, sind deshalb in intensiver Erforschung“
Hinsichtlich überschüssigem Fettgewebe existiert die Ansicht, dass dieses darauf beruhe, weil dieses als Deponie für die aus dem eiweißlastigen Eiweißkonsum resultierenden sauren Stoffwechselendprodukte benötigt werde. Solches Fettgewebe sei deswegen diätresistent, weil bei dessen Einschmelzung die sauren Stoffwechselendprodukte den Körper zu vergiften drohen.
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