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Politik

Merkel: Aids-Pandemie darf wegen Corona nicht in Hintergrund rücken

Montag, 19. Juli 2021

/Arto, stock.adobe.com

Genf – Die rasante Entwicklung der Coronavirusimpfstoffe muss auch die Bekämpfung der anderen welt­weiten Pandemie, der HIV-Pandemie, beflügeln. Mit diesem Aufruf begann gestern die viertägige Tagung der Internationalen Aids-Gesellschaft (IAS) aus Genf.

„In der Coronaviruspandemie erleben wir, wie dank internationaler Zusammenarbeit in Rekordzeit meh­re­re wirksame Impfstoffe entwickelt wurden“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel. „Aids darf durch die Coronaviruspandemie nicht in den Hintergrund rücken.“

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Sie begrüßte HIV-Forschern aus aller Welt. Die Tagung war eigentlich in Berlin geplant und fand wegen Corona nun online statt. Der Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen moderiert die Veranstaltung.

Vor 40 Jahren wurde die Immunschwächekrankheit Aids erstmals in einem US-Wissenschaftsjournal be­schrieben. Rund 36 Millionen Menschen starben weltweit daran. Besonders aufrüttelnd war in der Auf­takt­veranstaltung die Aids-Aktivistin Yvette Raphael aus Südafrika. Sie monierte die schleppende Vertei­lung der Coronaimpfstoffe in ärmeren Ländern. „Sie können sich nicht als entwickelte Welt betrachten, solange Ihre Menschlichkeit nicht entwickelt ist“, sagte sie.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) akzeptierte die Kritik zwar. Er frage sich etwa, ob nicht ge­gen die in Afrika mehrfach ausgebrochene Ebolakrankheit früher Impfstoff auf den Markt gewesen wäre, wenn sie in der westlichen Welt gewütet hätte. Er betonte aber, dass bald genügend Coronaimpfstoff vor­handen sei: „Noch ein paar Monate, und wir werden zum ersten Mal in der Weltgeschichte sehen, dass es eine weltweite Antwort gegeben hat, die alle Menschen der Welt erreicht.“

Wie bei HIV/Aids habe auch die Coronaviruspandemie der Welt die ungleiche Verteilung von Reichtum sowohl innerhalb von Ländern als auch international drastisch vor Augen geführt, sagte die Chefwissen­schaftlerin der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO), Soumya Swaminathan.

Wie Betroffene in allen Gesellschaftsschichten und in aller Welt gleich gut und schnell erreicht werden, müsse künftig bei jeder Krankheit von Anfang an berücksichtigt werden.

Der US-Immunologe und Präsidentenberater Anthony Fauci erinnerte daran, dass die schnelle Entwick­lung der Coronaimpfstoffe der Vorarbeit auf dem Gebiet von HIV und Aids zu verdanken sei. Der Bonner Virologe und Aids-Forscher Hendrik Streeck sagte: „Wir haben die Mittel, jetzt ist der Zeitpunkt, Aids zu beenden.“ © dpa/aerzteblatt.de

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