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Vermischtes

Nach ARD-Doku über Hautkontakt-Doping: Athleten sind geschockt

Montag, 19. Juli 2021

/picture alliance, dpa | Friso Gentsch

Berlin – Angst vor einem Erdbeben und dem Ende des professionellen Sports, Ernüchterung und Zweifel am System: Die ARD-Dokumentation „Geheimsache Doping – Schuldig. Wie Sportler ungewollt zu Dopern werden können“ über mögliche Anschläge durch flüchtigen Hautkontakt hat kurz vor Olympia bei deutschen Topathleten für Irritationen gesorgt – und neue Fragen aufgeworfen.

Die frühere Speerwurfweltmeisterin Christina Obergföll ist sicher, dass die Erkenntnisse aus der Doku in der Sportwelt ein „Erdbeben“ auslösen werden. „Was da alles möglich wäre mit diesen neuen Erkennt­nissen, das bringt das ganze System ins Wanken. Der saubere Athlet ist dem schutzlos ausgeliefert und hat keine Chance mehr, sich zu rechtfertigen“, sagte die 39-Jährige vorgestern in der ARD-Sportschau.

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In einem Experiment der ARD-Dopingredaktion und des Instituts für Rechtsmedizin der Uniklinik Köln bekamen zwölf Probanden geringe Mengen verschiedener Anabolika mittels einer Trägersubstanz über die Haut verabreicht – durch minimale Berührungen an Hand, Nacken und Arm.

Bei allen Probanden ergaben die Erstauswertungen der Proben durch das Kölner Dopingkontrolllabor einen massiven Betrugsverdacht. Die verbotenen Substanzen waren im Experiment in Minimaldosen verabreicht worden und zum Teil schon eine Stunde nach der Applikation und bis zu 15 Tage lang nachweisbar gewesen.

„Das Experiment hat bewiesen, dass ich mich sofort hinter einem Anschlag verstecken kann und jeder aktive Betrüger sagen kann, ihr habt doch das Experiment gesehen, das ist doch ganz, ganz leicht – und ich bin hier das Opfer“, sagte Speerwurfolympiasieger Thomas Röhler.

Auch die deutsche Sprintmeisterin Alexandra Burghardt beschäftigt das Thema sehr. „Es ist einfach im Hinterkopf“, sagte die 27-Jährige vom SV Gendorf Wacker Burghausen vorgestern Abend im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF.

„Das ist einfach echt beunruhigend und beängstigend, diese ganze Geschichte. Ich habe für mich auch noch keinen Weg gefunden, wie ich jetzt damit groß umgehen soll“, gab die für Olympia qualifizierte Leichtathletin zu. Burghardt hatte kürzlich die 100 Meter in der Top-Zeit von 11,01 Sekunden gewonnen.

Triathlonstar Jan Frodeno entwirft ein düsteres Zukunftsszenario. „Ohne jetzt zu apokalyptisch zu klin­gen, das ist ja schon für mich die Frage, ob das vielleicht auch ein Stück weit das Ende des professio­nellen Sports sein könnte“, betonte der 39 Jahre alte Olympiasieger und dreifache Ironman-Triumphator. Die Kollision des Sportrechts mit den Menschenrechten werde eine weltweite Debatte erzeugen, glaubt Maximilian Klein von Athleten Deutschland.

„Das ist sehr ernüchternd, es ist fraglich, wie man dann langfristig sauberen Sport gewährleisten soll, das macht mir Angst“, gestand Hockey-Olympiasieger und Kapitän Tobias Hauke kurz vor dem Abflug nach Tokio in der ARD. Nach dem, was jetzt aufgedeckt wurde, müsse „man da das ganze System überdenken“, sagte Hauke. „Aber ich weiß auch nicht, wie das aussehen soll.“

Auch die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) sieht sich vor neuen Herausforderungen. „Wir wollen anpacken und Lösungsansätze präsentieren. Sabotageakte sind kriminelle Handlungen, da haben wir schon seit Jahren versucht, mit staatlichen Ermittlungsstellen zusammenzuarbeiten und dort schärfere Schwerter zu bekommen“, erklärte Nada-Vorstand Lars Mortsiefer. Er sehe da eine „Verunsicherung der Athleten und Athletinnen“ – und Handlungsbedarf. © dpa/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #760232
penangexpag
am Dienstag, 20. Juli 2021, 18:51

Doping-frei : "wer es glaubt wird selig"

Wer heute noch z.B. die Tour de France als Sportereignis ansieht, sollte zum Psychiater gehen. Ich sage nur "Armstrong". Wenn man sieht, welche Prozeduren Menschen in Kauf nehmen um die 100m von 10,1 auf 9,98 sek zu schaffen, dann muß man am Verstand zweifeln. Das alle sind Showveranstaltungen, die auf einer Stufe mit Gladiatoren-Kämpfen im Alten Rom stehen. In den Grenzbereichen, an denen diese Aktivitäten heute stattfinden, ist eine Steigerung nur mit dem Einsatz von Doping möglich. Eine Kontrolle ist nicht wirklich möglich - also soll man die Leute diesen Schwachsinn machen lassen - wenn sie das unbedingt wollen. Nur nicht unter dem Titel "Sport" und unter öffentlicher Förderung. Und wer will kann das alles ja auch bewundern und Geld dafür bezahlen. "Olympische Spiele" - gibt es gar nicht. Nur "Internationalen Doping-Vergleich" . Das mißbräuchliche Abspielen von Nationalhymnen dabei sollte verboten werden. Alle Leute, die daran teilnehmen, müssen wissen, daß sie automatisch unter Dopingverdacht stehen. Im Showgeschäft geht es um Geld, nur um Geld. Warum nicht ! Ist doch interessant für viele Leute, zu sehen,wie weit man es mit allen Mitteln bis zum Kollaps treiben kann.
Und was genau ist denn nun Doping ! Der Streit um den Sprinter mit den beidseitigen Beinprothesen offenbart doch den ganzen Nonsence.
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