NewsMedizinSARS-CoV-2: Antikörper persistieren mindestens 9 Monate
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

SARS-CoV-2: Antikörper persistieren mindestens 9 Monate

Montag, 19. Juli 2021

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Padua – In der italienischen Gemeinde Vo’, wo im Frühjahr des vergangenen Jahres während der Epide­mie die Einwohner auf SARS-CoV-2 getestet wurden, hatten 9 Monate später fast alle ehemals Infizierten noch protektive Antikörper gegen SARS-CoV-2 im Blut. Die in Nature Communications (2012; DOI: 10.1038/s41467-021-24622-7) veröffentlichten Ergebnisse erlauben weitere Einblicke in das Infektions­geschehen in der kleinen Ortschaft.

Als am 21. Februar letzten Jahres in Vo’ in der Provinz Padua der erste Europäer an COVID-19 gestorben war, eilten Forscher der Universität Padua in den Ort, um alle 3.275 Einwohner zu testen. In 9 Tagen wur­den bei 2.812 Einwohnern (85,9 %) Nasopharyngeal-Abstriche entnommen, an einer zweiten Abstrich­untersuchung nahmen 71,5 % der Bevölkerung teil.

Anzeige

Die Studie bestätigte damals die Befürchtung, dass viele Menschen (in Vo’ 42,5 %) ihre Infektion nicht spüren und das Virus deshalb unbemerkt weitergeben können. Diese Erkenntnis bildete die Grundlage für die weitreichenden Maßnahmen zur Eindämmung der Epidemie.

Die Forscher haben die Einwohner im Mai und im November erneut untersucht. Dieses Mal wurde in den Blutproben mit 3 kommerziellen Tests nach Antikörpern gegen SARS-CoV-2 gesucht. Im Mai betrug die Seroprävalenz 3,5 %.

Im November zeigte sich, dass 98,8 % der Antikörper-positiven Einwohner weiterhin Antikörper gegen SARS-CoV-2 hatten. Die Konzentration war nur leicht zurückgegangen, weshalb das Team um Andrea Crisanti von der Universität Padua davon ausgeht, dass der Antikörperschutz vor einer erneuten Infektion mindestens 9 Monate anhält – was durch Neutralisationstests bestätigt wurde.

Bei 18,6 % der Seropositiven waren die Antikörper-Titer in der Zwischenzeit sogar angestiegen, was sich nur durch einen erneuten Kontakt mit SARS-CoV-2 erklären lässt (die Impfkampagne hatte damals in Italien noch nicht begonnen). Am häufigsten kam es mit dem Test von DiaSorin, der Antikörper gegen das Spike-Protein nachweist, zu einem Anstieg.

Die beiden anderen Tests von Abbott und Roche, die das N-Protein von SARS-CoV-2 nachweisen, haben die mutmaßlichen Reinfektionen nicht immer erkannt. Der Abbott-Test deutete zudem auf einen rasche­ren Rückgang der Antikörper-Titer hin.

Die mediane Halbwertzeit betrug nur 86 Tage gegenüber 144 Tagen beim Neutralisationstest, der hier das Maß der Dinge ist. Da viele Seroprävalenzstudien mit dem Test von Abbott durchgeführt werden, könnten diese die Dauer der Immunität unterschätzen, meint Crisanti.

Die genaue Untersuchung des Immunstatus in der gesamten Bevölkerung zeigte, dass das Infektionsrisi­ko in den Familien am höchsten ist. Es lag nach den Berechnungen von Crisanti bei 26 %. Die Studie bestätigt auch die Existenz von Superspreadern. Insgesamt 79,1 % der Infektionen wurden durch ein Fünftel der am meisten infektiösen Personen verursacht.

Zahlenmäßig die meisten Infektionen ereigneten sich jedoch außerhalb der Familien. Diese Fälle wurden auch durch Kontaktuntersuchungen zumeist nicht erkannt. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass eine Epidemie mit SARS-CoV-2 ohne Massentests und Lockdown kaum aufzuhalten ist. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER