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Medizin

SARS-CoV-2: Verwandtes Coronavirus bei Fledermäusen in Großbritannien entdeckt

Mittwoch, 21. Juli 2021

/picture alliance/Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa

London – Die Fledermausarten, die ein mögliches Reservoir für neue Coronaviren wie SARS-CoV-2 sind, gibt es nicht nur in China, sondern teilweise auch in Europa. Britische Zoologen haben im Westen Eng­lands und in Wales ein bisher unbekanntes Coronavirus entdeckt, dass laut ihrem Bericht in Scientific Reports (2021; DOI: 10.1038/s41598-021-94011-z) genetisch eine enge Verwandtschaft mit SARS-CoV-2 hat – außer in der Bindungsstelle für den ACE2-Rezeptor.

Die Herkunft von SARS-CoV-2 ist – entgegen allen Verschwörungstheorien – nicht bekannt. Die meisten Experten vermuten das Reservoir in Fledermausarten. Die nächsten Verwandten des Pandemievirus wur­den in Hufeisennasen (Rhinolophidae) gefunden, von denen einige Arten auch in Europa verbreitet sind, darunter die kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros).

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Ein Team um Andrew Cunningham vom Institute of Zoology in London hat einige Exemplare in Somer­set/England und Monmouthshire/Wales gefangen und die Fäkalien der Tiere untersucht. Nach nur 53 Pro­ben wurde prompt ein neues bisher unbekanntes Sarbecovirus („SARS-related Coronavirus“) gefun­den.

Die Genomanalyse ergab eine Übereinstimmung in der Aminosäuresequenz von 77% mit SARS-CoV-2 und von 81 % mit dem ersten SARS-CoV. Infektiös für den Menschen ist es trotzdem nicht, da es laut Cunningham große Abweichungen in der Rezeptorbindungsstelle gibt. Cunningham hält es allerdings nicht für ausgeschlossen, dass die Viren sich durch genetische Veränderungen in zoonotische Viren verwandeln könnten.

Die Gefahr bestehe, wenn sich eine Hufeisennase mit SARS-CoV-2 infiziere. In diesem Fall könnte es zwi­schen den beiden Viren zu einem Austausch von Genen kommen. Cunningham rät deshalb allen Perso­nen, die mit Fledermäusen oder deren Kot in Kontakt kommen, beispielsweise Höhlenforscher oder Na­tur­schützer, eine geeignete Schutzkleidung zu tragen.

Ein Team um Christian Drosten, Universität Bonn (jetzt Charité), hatte im letzten Jahr im Journal of Virolo­gy (2020; 84: 11336-11349) von Coronaviren berichtet, die bereits 2008 in verschiedenen Nationalparks in Bulgarien gefunden wurden.

Die Viren waren teilweise in höherer Konzentration in den Faeces von Hufeisennasen (Rhinolophidae) und Glattnasen (Vespertilionidae) enthalten. Ein Virus wurde damals komplett sequenziert.

Das Spike-Protein des Virus zeigte deutliche Unterschiede zu SARS-CoV-2 (weshalb „BM48-31/Bulgari­a/2008“ nicht als Vorläufer von SARS-CoV-2 infrage kommt). In der Rezeptorbindungsstelle waren die Übereinstimmungen mit SARS-CoV-2 größer als bei allen in China entdeckten Coronaviren. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #671501
fa-augen
am Donnerstag, 22. Juli 2021, 08:13

Ähnlichkeit ist relativ

Bei 30000 Basenpaaren bedeutet 81% Übereinstimmung immerhin noch 5700 Basenpaare Unterschied. Mutationsrate etwa 14 Tage für Punktmutationen oder Deletionen. Jeweils mehrere Möglichkeiten pro Mutationsort. Die Änderungen an der Rezeptorbindungsstelle von SarsCov2 sind an 4 Orten jeweils 9 bis 11 Basenpaare lang. Wer ein wenig Wahrscheinlichkeitsrechnung beherscht, erkennt, dass hier ein Ergebnis etwa im Unendlichen erreicht wird. Natürlicher Evolutionsprozess von SarsCov2? no never….
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