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Coronaimpfstoff: E-Learning-Tool soll Pannen bei Lagerung vorbeugen

Freitag, 23. Juli 2021

/picture alliance, Stephan Schulz

Neu-Ulm – Um Fehler bei der Kühlung von Coronaimpfstoffen zu vermeiden, haben Wissenschaftler des Insti­tuts für Hausarztmedizin der Universität Bonn ein E-Learning-Programm entwickelt. Grund ist, dass es schnell zu Fehlern bei der Kühlung kommen kann.

So hatte zum Beispiel kürzlich der bundesweit bekannte schwäbische Hausarzt und Impfbefürworter Christian Kröner auf einen Fauxpas hingewiesen und eine Panne in seiner Praxis öffentlich gemacht.

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Der Mediziner hatte seinen Patienten mitgeteilt, dass Impfstoffe zwischen dem 1. April 2021 und dem 13. Juli 2021 möglicherweise zu warm gelagert worden seien und damit die Wirksamkeit beeinträchtigt sein könnte.

„Wir sind alle über diesen Vorfall erschüttert, können es aber leider nicht mehr nachträglich korrigieren“, heißt es in einer Erklärung der Praxis. Mehrere Medien hatten darüber berichtet.

Der Allgemeinarzt aus Neu-Ulm hat in zahlreichen Medien für die Impfung geworben. Wegen seiner Hal­tung wird er allerdings auch scharf kritisiert. Die Kripo ermittelt wegen zahlreicher Drohungen.

Zu der Panne mit den Impfstoffen sei es gekommen, weil der Praxis-Kühlschrank „etwas zu warm“ einge­stellt gewesen sei, teilte er mit. Um zu prüfen, dass die Impfung dennoch wirksam sei, empfiehlt Kröner, das Blut auf Antikörper kontrollieren zu lassen. Eine Gefahr für die Patienten gebe es durch die warme Lagerung nicht.

Auf Twitter erntete Kröner wegen der Panne am vergangenen Dienstag Kritik. Manche Nutzer zollten dem Arzt aber auch Respekt dafür, dass er den Vorfall so offen kommuniziere.

Bisher gebe es aus den bereits erfolgten Antikörpertestungen keinen Hinweis, dass es ein grundsätzli­ches Problem mit dem etwas zu warm gelagerten Impfstoff gibt, so heißt es auf der Website der Praxis.

Man empfehle allen Betroffenen eine Antikörpermessung drei Wochen nach der zweiten Impfung (fünf Wochen bei Johnson), da nur diese eine gewisse Aussagekraft bezüglich des durch die Impfung erlangten Schutzes habe. Die Antikörperdaten der bisherigen Messungen würden zeigen, dass auch bei be­troffenen Chargen bisher eine sehr gute Antikörperreaktion vorliege.

Das E-Learning-Programm „KeepCoool“ der Universität Bonn soll Praxen beim Impfstoffmanagement unterstützen – nicht nur, aber insbesondere in der Pandemie. Teilnehmen können Ärztinnen und Ärzte sowie Medizinische Fachangestellte (MFA). Das Programm ist mit einem CME-Punkt der Ärztekammer Nordrhein anerkannt.

In etwa 30 Minuten werden die Teilnehmer durch fünf Module geleitet. Diese enthalten neben den Lehr­inhalten auch Praxistipps und Experteninformationen. Außerdem sind Informationsblätter für Praxen zum Download hinterlegt.

Zu Beginn der Schulung wird der aktuelle Kenntnisstand unter anderem zur Lagerung und Wirksamkeit von Impfstoffen sowie zur Verwendung passender Thermometer per Fragebogen erfasst. Anschließend startet das erste Modul zum Thema Temperatur. Die Teilnehmer erhalten Angaben zum täglichen Tempe­raturmonitoring und Hintergrundwissen zu den Temperaturvorgaben für Impfstoffe.

Im zweiten Modul wird über geeignete Kühlschrankmodelle informiert – beispielsweise darüber, dass solche mit innenliegendem Gefrierfach oder Minikühlschränke nicht geeignet sind, um Impfstoffe zu lagern.

Empfohlen werden Spezialkühlschränke für Impfstoffe, weil sie eine einheitliche Temperatur im Innen­raum und kaum Temperaturschwankungen aufweisen. Letztere fallen in Haushaltskühlschränken oft nicht auf, außerdem besitzen diese Geräte unterschiedliche Temperaturzonen. Sollte nur ein haushalts­übliches Gerät zur Verfügung stehen, werden Impfstoffe laut Schulung in der Kühlschrankmitte gelagert.

In einem weiteren Modul werden Voraussetzungen der Lagerung erläutert. So sollten nie Getränke und andere Lebensmittel zusammen mit Impfstoffen gelagert werden. Auch muss sichergestellt sein, dass Impfstoffe nicht verwechselt werden können und dass sie entsprechend ihrer Haltbarkeit verbraucht werden.

Verantwortlichkeiten klären

Empfohlen wird im E-Learning-Programm zudem, Verantwortliche im Praxisteam zu benennen – ein Mediziner und zwei MFA. Außerdem sollte das gesamte Praxispersonal, das am Impfen beteiligt ist, zur Impfstofflagerung geschult werden.Eine klare Aufgabenverteilung sei wichtig, um Verantwortlichkeiten zu definieren und den Ablauf des Impfens zu erleichtern.

Angeraten wird darüber hinaus, eine praxisinterne Impfstoffmasterliste anzulegen. Diese biete unter anderem einen Überblick über die zu bestellenden Wirkstoffe und diene damit der Fehlervermeidung: Im Auswahlprozess können Wirkstoffe mit ähnlich klingenden Namen vermieden werden.

Das fünfte Modul schließlich behandelt das Monitoring. Tägliche sollten die Minimal- und Maximal-Tem­peratur abgelesen und in einem Logbuch notiert werden. So lässt sich ein Kühlkettenbruch frühzeitig erkennen. Auch eine Inventarliste sollte geführt werden.

Impfstofflieferungen sind sofort beim Eintreffen zu überprüfen und Ware in beschädigter Verpackung an die Apotheke zurückzugeben. Abschließend werden Hinweise gegeben, wie mit einem Kühlschrankaus­fall umzugehen ist. Dieser gilt als Notfall und es sollten neben einer regelmäßigen Temperaturkontrolle unter anderem Kühlkapazitäten bei der Apotheke angefragt werden. © aha/kk/dpa/aerzteblatt.de

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