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Medizin

Gehirnerschütterung: Phänotypen im CT weisen auf Folgeschäden hin

Donnerstag, 19. August 2021

/torwaiphoto, stock.adobe.com

San Francisco – Eine Computertomografie (CT) liefert auch bei Patienten mit leichtem Schädel-Hirn-Trauma („Gehirnerschütterung“) wichtige Informationen, mit denen sich das Risiko von langfristigen Beeinträchtigungen abschätzen lässt.

Dies zeigt eine größere Beobachtungsstudie aus den USA in JAMA Neurology (2021; DOI: 10.1001/jamaneurol.2021.2120), deren Ergebnisse an europäischen Patienten validiert wurde.

Die US-amerikanische TRACK-TBI-Studie („Transforming Research and Clinical Knowledge in Traumatic Brain Injury“) sucht nach neuen Wegen in der Behandlung von Schädel-Hirnverletzten, die sich bei einem leichten Schädel-Hirn-Trauma derzeit auf die Beobachtung der Patienten beschränkt. Eine spezifische Behandlung, die den Verlauf der Erkrankung beeinflussen könnte, gibt es zur Zeit nicht. Die Studie soll in einem 1. Schritt zeigen, welche Veränderungen im CT auf einen ungünstigen Verlauf hindeuten.

An der Studie nahmen 1.935 erwachsene Patienten teil, die die Kriterien für ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma erfüllten: Sie durften nicht länger als 30 Minuten bewußtlos sein mit einem „Glasgow Coma Scale“ von 13 bis 15 oder eine Bewusstseinstrübung oder Amnesie aufweisen.

Diese Patienten werden im Krankenhaus beobachtet. Dort wird in der Regel ein kraniales CT angefertigt, dessen Aussagekraft beim leichten Schädel-Hirn-Trauma jedoch umstritten ist. Viele Neurologen sind über­zeugt, dass bei einem leichten Schädel-Hirn-Trauma eher das Alter, Geschlecht und andere Patien­ten­eigenschaften den Verlauf bestimmen als die CT-Veränderungen.

Die Analyse der TRACK-TBI-Studie zeigt jetzt, das das CT durchaus prognostische Hinweise liefert. Nach den von einem Team um Geoffrey Manley von der Universität von Kalifornien in San Francisco vorgestell­ten Ergebnissen waren bei 1/3 der Teilnehmer im CT Veränderungen erkennbar.

Die Forscher unterschei­den 3 Phänotypen. Das häufigste Verletzungsmuster, das bei mehr als der Hälfte der CT-positiven Patienten beobachtet wurde, waren Kombinationen aus einer Subarachnoidalblutung (SAB), einem Subduralhämatom (SDH) und/oder einem Intrazerebralhämatom/Kontusion. Solche Verlet­zungen werden häufig durch Stürze aus dem Stehen verursacht.

Ungefähr 7 % der Patienten hatten eine intraventrikuläre Blutung (IVH) oder petechiale Blutungen. Verlet­zungsursachen sind häufig abrupte Rotationen des Kopfes, zu denen es bei Sport-, Motorrad- und Autounfällen kommen kann.

Der 3. Phänotyp mit einem Anteil von 5 % war ein epidurales Hämatom (EDH), also eine Ansammlung von Blut zwischen dem Schädel und den Hirnhäuten. Diese Verletzung tritt häufiger bei Sportverlet­zungen auf, etwa durch einen Baseballschlag auf den Kopf.

Die Forscher haben die im Durchschnitt 41 Jahre alten Patienten der TRACK-TBI-Studie, die zu 66 % männlich waren, nach 2 Wochen, 3 Monaten, 6 Monaten und 12 Monaten nachuntersucht.

Dabei stellte sich heraus, dass sich die Patienten vom ersten Phänotyp (SAH/SDH/Kontusion) auch 12 Monate nach der Verletzung häufig nicht vollständig erholt hatten. Die Odds Ratio für einen ungünstigen Verlauf war im Verlauf des Jahres sogar angestiegen. Die Patienten wiesen Beeinträchtigungen in allen Bereichen auf, die von leicht bis schwerer reichten.

Auch die Patienten mit IVH/Petechialblutungen neigten 12 Monate nach der Verletzung zu schwereren Beeinträchtigungen im unteren bis mittleren Behinderungsbereich. Häufig waren mehrere Bereiche wie Beruf, soziale und Freizeitaktivitäten betroffen. Auch hier war kein Trend zu einer Verbesserung erkenn­bar.

Die meisten Patienten mit dem EDH-Phänotyp waren dagegen bereits nach etwa 6 Monaten vollständig von ihrem Schädel-Hirn-Trauma genesen.

Die Ergebnisse der TRACK-TBI-Studie wurden weitgehend durch die CENTER-TBI-Studie bestätigt, an der an 55 europäischen Zentren 2.594 Patienten teilgenommen hatten. Auch hier waren die 3 Phänotypen mit einem unterschiedlichen Verlauf verbunden.

Während die Studie durchgeführt wurde, hat die US-Arzneimittelbehörde FDA einen Bluttest zugelassen. Durch den Nachweis von Proteinen, die bei Hirnverletzungen ins Blut freigesetzt werden, lässt sich häu­fig vorhersagen, ob im CT Veränderungen erkennbar sind. Der Test hat seit seiner Einführung in den USA bereits zu einem Rückgang der CT-Untersuchungen geführt. Manley begrüßt dies, da jedes CT für die Patienten mit einem Strahlen- und damit Krebsrisiko verbunden sei. © rme/aerzteblatt.de

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