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Politik

Coronakrise: Merkel ruft Bevölkerung zu verstärkten Impfbemühungen auf

Donnerstag, 22. Juli 2021

/picture alliance, Wolfgang Kumm

Berlin – Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Bevölkerung mit Blick auf steigende Infektions­zahlen auf eine weiterhin schwierige Zeit eingestimmt. Deutschland habe es „mit einer deutlichen, und wie ich finde auch besorgniserregenden Dynamik“ zu tun, sagte die Bundeskanzlerin heute bei ihrer voraus­sichtlich letzten Sommerpressekonferenz in Berlin.

An­ge­sichts steigender Infektionszahlen rief sie zu verstärkten Impfbemühungen auf. „Je mehr geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein.“ „Je mehr geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein“. Nur gemeinsam könne die Pandemie über­wunden werden. Deswegen sollten Menschen auch im privaten Umfeld und in der Arbeitswelt aktiv für Impfungen werben.

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Merkel bezeichnete die derzeit etwa binnen zwölf Tagen registrierte Verdoppelung der Inzidenzzahlen als dramatisch. Sie mahnte, Schutzmaßnahmen stärker zu beachten: Masken, Abstand, Lüften und auch regel­mäßiges Testen.

Höhere Impfquoten machten es inzwischen möglich, auch mit höheren Infektions­zahlen umzugehen. „Die Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, bleibt Richtschnur unser Handelns“, sagte Mer­kel. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte die Sieben-Tage-Inzidenz heute Morgen mit 12,2 angege­ben. Am Vortag betrug der Wert 11,4, beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli noch 4,9.

Die Kanzlerin schwor das Land zugleich auf eine gemeinsame Kraftanstrengung zur Bewältigung der Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands ein. „Wir werden zur Behebung all dieser Schäden einen langen Atem brauchen“, sagte Merkel. Es gebe schreckliche Verwüstungen durch das Hochwasser, Deutsch­land trauere um 170 Tote.

Ziel sei eine gemeinsame Finanzierung der Flutschäden, sagte Merkel. Die Bundesregierung habe einen Betrag von 200 Millionen Euro für Soforthilfe zur Verfügung gestellt. In den nächsten Tagen und Wochen werde mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Bundesländer darüber gesprochen, wie ein gemeinsamer Aufbaufonds organisieren werde.

Sie sei dafür offen, hierzu eine erneute Minister­präsidentenkonferenz stattfinden zu lassen. Möglicher­weise muss es dazu auch noch ein neues Gesetz geben, deutete die Kanzlerin an. Es sei auch nicht aus­ge­schlossen, dass die Pandemie bei diesem Treffen erneut Thema sein werde, sagte die Kanzlerin. Bis­lang war bekannt, dass die Länderchefs sich mit der Bundesregierung Ende August zur Bewertung der pandemischen Lage treffen wollen.

Merkel tritt bei der Bundestagswahl im September nicht mehr an und zieht sich anschließend aus der Politik zurück. Auf der Pressekonferenz wurde Merkel in vielen Fragen zum Klimaschutz, aber auch zur Digitalisierung des Landes befragt.

Beim Klimaschutz habe Deutschland viel gegen die Erderwärmung gemacht, versicherte die Kanzlerin. Ihr politisches Leben sei von Maßnahmen gegen den Klimawandel geprägt gewesen, begonnen mit ihrem Amt als Bundesumweltministerin 1994 sowie dem Verhandeln des Kyoto-Protokolls.

„Es ist einiges passiert.“ Nun gehe es darum, das Tempo anzuziehen und den Ausbau erneuerbarer Ener­gien hochzufahren. Vielleicht sei es ein Fehler gewesen, dass sie lange am Kyoto-Protokoll festgehalten habe, sagte Merkel.

Es sei ein enttäuschender Prozess gewesen, sie habe viel Kraft dafür eingesetzt, um auf internationaler Bühne Mehrheiten für mehr Klimaschutz zu finden. Darauf komme es in der Klima­politik auch immer an, erklärte Merkel. „Die wissenschaftliche Evidenz mahnt zu noch mehr Eile. Wir als Politiker und Politike­rin­nen müssen dafür Mehrheiten finden.“

Mit Blick auf die Digitalisierung im Land erklärte Merkel, dass Deutschland „ein starkes Land“ sei. Deutschland habe auch eine sehr gute Verwaltung, „die glaubt, das gut zu schaffen, oft auch ohne Digita­lisierung.“ Daher seien Veränderungen in diesem Bereich oft ein Kraftakt. Das sei möglicherweise bei kleineren Ländern im EU-Raum anders. „Aber wir haben an einigen Stellen wirklich zu tun, um den hohen Standard, den wir haben, auch auf­recht­zuerhalten.“ © dpa/bee/aerzteblatt.de

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Avatar #830245
Hortensie
am Samstag, 24. Juli 2021, 12:29

Merkel lässt einiges weg ...

Sie rechtfertigt ihre Versäumnisse beim Klimaschutz damit, dass es ein "enttäuschender Prozeß gewesen sei, Mehrheiten für den Klimaschutz zu gewinnen."
Was sie aber nicht erwähnt ist, dass ihre Regierung 2013 die Absenkung der Abgaswerte bei einer Abstimmung in der EU verhindert hat, nachdem die BWM-Anteilseigner eine Großspende i. H. v. 690.000 Euro an die CDU geleistet hatten.
Abgaswerte abzusenken, wäre auch ein Beitrag zum Klimaschutz gewesen.
Avatar #883642
Laie@home
am Samstag, 24. Juli 2021, 09:53

@Henk39

Ich stimme Ihnen vollkommen zu - andererseits nehme ich die Aussagen " anders Denkender" im Rahmen einer Diskussion erstmal auf, ohne die "verdrehte Pickerei" abzuwerten...
Ich bin von der Wirksamkeit der mRNA-Impfstoffe grundsätzlich überzeugt - bin selbst vollständig geimpft. Vielleicht darf man aber auch die noch ungenügende/unbefriedigende Neutralisierungswirkung im Bereich der oberen Atemwege bzw. Schleimhäute nicht übergehen, was eine mögliche Virus-Weitergabe auch von bereits geimpften leider noch immer zeigt. Vielleicht darf man über neue Vaccinierungswege ergänzend oder grundsätzlich nachdenken, z.B. via Nasenspray ? Dies wurde im Rahmen von Grippeschutzimpfungen bei Kindern bereits getestet.
Nehmen wir die Einwände doch erstmal "sportlich"....
Avatar #617329
Henk39
am Samstag, 24. Juli 2021, 05:59

WIeso erhalten Querdenker im Ärzteblatt eine Bühne?

@Mafay schreibt in seinem Pamphlet Verfälschungen und Verdrehungen von Sachverhalten, die von einem nicht vorhandenem medizinischen Wissen Zeugen oder nur von einem Querdenker kommen können.
Wieso wird so etwas veröffentlich und nicht gelöscht?
Avatar #617329
Henk39
am Samstag, 24. Juli 2021, 05:59

WIeso erhalten Querdenker im Ärzteblatt eine Bühne?

@Mafay schreibt in seinem Pamphlet Verfälschungen und Verdrehungen von Sachverhalten, die von einem nicht vorhandenem medizinischen Wissen Zeugen oder nur von einem Querdenker kommen können.
Wieso wird so etwas veröffentlich und nicht gelöscht?
Avatar #711280
P.Peschel
am Freitag, 23. Juli 2021, 13:16

Wo ist die vermeintliche Corona Pandemie und der Nationale Notstand mit erheblicher Tragweite…?

Wo ist die vermeintliche Corona Pandemie und der Nationale Notstand mit erheblicher Tragweite…? Alles nur Lug und Betrug für das „große Geschäft“… oder…?!
Unfassbar - nicht genug Betten, Beatmungs- u. Weaningplätze für Corona und Co... aber eine, die hoch spezialisierte Lungen-Klinik und Forschungszentrum Borstel bei Hamburg wird geschlossen…!!!
Die Medizinische Klinik Borstel – eine Lungenklinik u. zertifiziertes Weaningzentrum - schließt zum Ende des Jahres 2021
Die Medizinische Klinik Borstel des Leibniz Lungenzentrums kann aufgrund ihrer Größe und den gesundheitspolitischen und -ökonomischen Rahmenbedingungen zur Krankenversorgung in Deutschland am Standort Borstel nicht ohne erhebliche wirtschaftliche Verluste betrieben werden. Infolge der angestrebten Zentralisierungen der Krankenhauslandschaft in Deutschland teilt die Medizinische Klinik in Borstel ihr Schicksal mit vielen anderen kleinen Kliniken: Sie ist in der Zukunft nicht überlebensfähig und die finanzielle Sicherstellung einer optimalen Patientenversorgung ist nicht mehr möglich. Diese fehlende Rentabilität war der maßgebliche Grund, warum die Gespräche mit potentiellen Betreibern in der Vergangenheit ohne Ergebnis blieben…
https://klinik.fz-borstel.de/.../145-die-medizinische...
Über das Forschungszentrum Borstel
Das Forschungszentrum Borstel ist das Lungenforschungszentrum der Leibniz-Gemeinschaft. Im Fokus stehen chronisch-entzündliche Lungenerkrankungen wie Asthma und Allergien, chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) sowie Tuberkulose und andere infektions-bedingte Entzündungen der Lunge. Das übergeordnete Ziel der interdisziplinären Forschungsaktivitäten ist, die Ursachen und Mechanismen chronisch-entzündlicher und degenerativer Erkrankungen der Lunge aufzuklären, um daraus neue innovative Konzepte zu deren Diagnostik, Prävention und Therapie abzuleiten.
Avatar #836044
Christine Salzer
am Freitag, 23. Juli 2021, 01:16

Verbraucherschutz

Es ist beruhigend, das Spahns aggressives ImpfSTOFFMARKETING durch den EuGH gebremst wurde, sodass der Terminus ImpfPFLICHT nun auch in Europa vom Tisch ist. Das seine Parteigenossin ihm den Weg in die nächste Wahlperiode ebnet, spricht dafür, dass sie sich im September nicht vollständig vom politischen Parkett zurückziehen mag. Merkels Versuch Reitschuster zu mobben, spricht ja für sich, zumal sie höchstselten zur Bundespressekonferenz auftaucht. Vielleicht wird es ja der Anfang mehrerer Auftritte und kein einmaliges Gastspiel, bei dem sie auf die Magie des Überraschungmomentes setzt, nur weil sie endlich jemandem antwortet, den sie nicht selbst im Publikum positioniert und gebrieft hat.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 22. Juli 2021, 18:17

Studienlage bekannt?

Unserer promovierten Physikerin und Bundeskanzlerin, Frau Dr. Angela Merkel, sollte die Studienlage aber schon bekannt sein:

Neue Studie: BioNTech und AstraZeneca hochwirksam gegen Delta - Dass die vollständige Impfung mit den Vakzinen von BioNTech/Pfizer oder AstraZeneca auch gut vor der Delta-Variante schützt, zeigt jetzt eine britische Studie, die im New England Journal of Medicine erschienen ist.
"Effectiveness of Covid-19 Vaccines against the B.1.617.2 (Delta) Variant"
von Jamie Lopez Bernal...Mary Ramsay et al. 21.07.2021
DOI: 10.1056/NEJMoa2108891

Zwei Impfungen mit BioNTech/Pfizer sind zu 88% wirksam, um eine symptomatische Erkrankung durch die Delta-Variante zu verhindern; die Wirksamkeit gegen die Alpha-Variante lag bei 93,7%. Die vollständige Impfung mit dem AstraZeneca-Vakzin schützt zu 67% wirksam gegen die Delta-Variante, der Schutz gegen Alpha lag bei 74,5%. Damit sind beide Vakzine gegen die hochansteckende Delta-Variante fast so wirksam wie gegen die bisherige Alpha-Variante (B.1.1.1.7).
Nach nur einer Impfdosis war die Wirksamkeit beider Vakzine gegen die Delta-Variante allerdings deutlich geringer als gegen die Alpha-Variante. Sie lag für AstraZeneca und für BioNTech nach nur einer Dosis bei 30,7% (gegen Alpha: 48,7%). Die Autoren um Dr. Mary Ramsay von Public Health England (PHE) betonen deshalb, dass speziell gefährdete Bevölkerungsgruppen sich möglichst vollständig impfen lassen sollten.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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