NewsÄrzteschaftMarburger Bund plädiert für Neuausrichtung des Gesundheitssystems
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Marburger Bund plädiert für Neuausrichtung des Gesundheitssystems

Mittwoch, 21. Juli 2021

/veerapong - stock.adobe.com

Berlin – Der Marburger Bund (MB) spricht sich dafür aus, das Gesundheitssystem in Deutschland in der nächsten Legislaturperiode neu auszurichten. „Die Waage muss sich wieder in Richtung Patientenversor­gung neigen. Gesundheit ist kein marktwirtschaftliches Gut“, heißt es in einem Positionspapier des Ver­bandes.

Im Augenblick überlagerten wirtschaftliche Überlegungen vielfach die notwendige Vorsorge. „Die unzu­reichende Vorhaltung von Schutzkleidung, Masken und anderen Materialien zu Beginn der Pandemie hat uns vor Augen geführt, dass die Übertragung industrieller Verfahrensweisen wie die Just-in-time-Lieferung auf das Gesundheitswesen ein absoluter Irrweg ist“, heißt es in dem Papier.

Anzeige

Auch abseits der Pandemie hätten die zunehmenden Engpässe bei der Versorgung mit bestimmten Arzneimitteln gezeigt, dass der Zug seit einiger Zeit in die falsche Richtung rollt. Ziel müsse vielmehr sein, die gesundheitliche Daseinsvorsorge für die in Deutschland lebenden Menschen effektiv und effizient zu gestalten, ohne die Leistungserbringer im System zu überfordern. Renditen dürften nicht wichtiger sein als die Patientenversorgung und das Wohl der Mitarbeitenden im Gesundheitssystem.

„Das Gesundheitssystem braucht eine Neujustierung. Die Strukturen der Versorgung müssen an den ak­tuellen und zukünftigen Versorgungsnotwendigkeiten ausgerichtet werden“, sagte die erste Vorsitzende des MB, Susanne Johna.

Sie betonte, dies sei das Gegenteil einer ökonomisch getriggerten, „kalten Strukturbereinigung“. „Man­chen kann es mit dem Kapazitätsabbau ja gar nicht schnell genug gehen, ohne die Frage nach Versor­gungs­notwendigkeiten zu beantworten. Diesen Forderungen muss die Politik klar entgegentreten“, so Johna.

Der MB fordert in dem Papier ein grundlegend neues Finanzierungssystem – das Fallpauschalensystem über Diagnosis Related Groups (DRGs) habe zu viele Fehlanreize. „Das gegenwärtige DRG-System ist durch ein kombiniertes Vergütungssystem aus krankenhausindividuellen Personalausgaben und Vorhaltekosten sowie eine Abrechnung landeseinheitlicher pauschalierter Sach- und Betriebskosten abzulösen, ergänzt durch eine vollständige Investitionsfinanzierung der Länder“, so der Verband.

Wichtig sei außerdem, die verschiedenen Versorgungsbereiche besser miteinander zu verzahnen und Personalvorgaben so zu bemessen, dass eine qualitativ hochwertige, individuelle Patientenversorgung gewährleistet sei.

Die Ärztegewerkschaft plädiert zudem für eine aktive Klimaschutzpolitik. „Maßnahmen gegen klimabe­dingte Gesundheitsauswirkungen müssen umgehend geplant und umgesetzt werden. Dazu gehört es, vulnerable Bevölkerungsgruppen zu identifizieren, die Kapazität der öffentlichen Gesundheitssysteme zu bewerten, Vorsorgemaßnahmen zu entwickeln und in diese zu investieren“, hieß es vom MB. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER