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Medizin

COVID-19: Janssen-Impfstoff in Laborstudie weniger wirksam gegen Delta-Variante

Mittwoch, 21. Juli 2021

/picture alliance, ZUMAPRESS.com, Paul Hennessy

New York – Die COVID-19-Vakzine Ad26.COV2.S von Janssen (Johnson & Johnson), die als bisher einzige nur 1 Mal verimpft wird, hat in Laborexperimenten in BioRxiv (2021; DOI: 10.1101/2021.07.19.452771) eine deutlich schwächere Schutzwirkung gegen die besorgniserregende Variante Delta erzielt als die beiden mRNA-Impfstoffe BNT162b2 von Biontech und mRNA-1273 von Moderna. Die Forscher halten angesichts der Dominanz von Delta in vielen Ländern, so auch in Deutschland, eine größere Zahl von Durchbruchinfektionen für möglich.

Das Team um Nathaniel Landau von der Grossman School of Medicine in New York hat untersucht, ob die Seren von rekonvaleszenten und geimpften Personen in der Lage sind, Laborviren von der Bindung an Kügelchen abzuhalten, die mit dem ACE2-Rezeptor bestückt sind. Die Laborviren trugen auf ihrer Ober­fläche die Spikeproteine der verschiedenen Virusvarianten: Neben dem Wildtyp D614G waren dies die besorgniserregenden Varianten (VOC) Alpha (B.1.1.7), Beta (B.1.351) und Delta (B.1.617.2), sowie die Varianten unter Beobachtung (VOI) Delta plus (AY.1) und Lambda (C.37).

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Zunächst wurden Seren von genesenen Personen verwendet, deren Erkrankungen 2 bis 57 Tage zurück lagen. Die mit D614G bespickten Viren wurden mit einem IC-50-Titer von 346 abgewehrt, ebenso die Alpha-Variante mit einem Titer von 305, die Delta-Variante aber nur mit einem Titer von 78.

Die doppelte Impfung mit BNT162b2 and mRNA-1273 erzielte Titer von 1.835 und 1.594. Danach schützen die Impfstoffe deutlich besser als eine überstandene Erkrankung. Gegen die Variante Delta waren die Titer mit 716 und 502 deutlich niedriger (aber noch höher als bei den genesenen Personen).

In einem 2. Experiment wurden die Seren von Personen verwendet, deren Impfung mit BNT162b2, mRNA-1273 oder Ad26.COV2.S etwa 3 Monaten zurücklag. (Der Impfstoff von Astrazeneca wurde nicht getestet, weil er in den USA nicht zugelassen ist). BNT162b2 erzielte einen Titer von 695 gegen D614G, aber nur von 191 gegen Delta. Bei mRNA-1273 waren die Ergebnisse ähnlich. Der Titer gegen D614G betrug 833 und gegen Delta 208.

Der Impfstoff Ad26.COV2.S von Janssen erreichte gegen den Wildtyp D614G nur einen Titer von 221 (was zu den Ergebnissen in den klinischen Studien passt, in denen Ad26.COV2.S nur eine Schutzwirkung von 66,1 % erzielte gegenüber 94 % bis 95 % nach der 2. Dosis von BNT162b2 und mRNA-1273). Gegen die Variante Delta betrug der Titer nur 30, er war also noch einmal deutlich abgefallen. Auch die VOC Beta, die in Südamerika verbreitet ist, wurde nach der Impfung mit Ad26.COV2.S nur schwach neutralisiert. Das gleiche traf auf die VOI Delta plus und Lambda zu.

In weiteren Experimenten, in denen die Spikeproteine der Laborviren nur mit einzelnen Veränderungen versehen wurden, konnte die geringere neutralisierende Wirkung von Delta auf die Mutation L452R zurückgeführt werden.

Wie sich die schwächere neutralisierende Wirkung im Labor auf die klinische Schutzwirkung der Impfung mit Ad26.COV2.S auswirkt, lässt sich nicht vorhersagen, da neben der humoralen auch die zelluläre Immun­antwort eine Rolle spielt. Denkbar ist auch, dass die neutralisierende Wirkung mit der Zeit steigt.

Dafür sprechen die kürzlich von Dan Barouch vom Beth Israel Deaconess Medical Center in Boston vor­ge­stellten Langzeitergebnisse von Teilnehmern der Zulassungsstudie. Auch dort war die neutralisierende Wirkung gegen Delta mit einem Titer von 29 in den ersten Serumproben 29 Tage nach der Impfung zu­nächst relativ schwach ausgefallen. Nach 239 Tagen (etwa 8 Monaten) war der Titer jedoch auf 107 angestiegen.

Auch bei der zellulären Antwort scheint es mit der Zeit zumindest zu einer Stabilisierung zu kommen. Bei den CD8-Zellen, die von SARS-CoV-2 infizierte Zellen abtöten, war es nach den Ergebnissen von Barouch zu einem leichten Anstieg gekommen, während die CD4-Zellen, die die Antikörperproduktion unter­stützen, abgefallen sind. Der Hersteller zeigt sich aufgrund dieser Ergebnisse zuversichtlich, dass sein Impfstoff auch vor Delta schützt. Landau äußerte sich aufgrund seiner Studienergebnisse skeptisch.

Wer Recht behält, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. In den USA wurden bereits 22 Millionen Menschen mit Ad26.COV2.S geimpft. Derzeit scheint die Zahl der Durchbruchinfektionen gering zu sein. Die Zahl der Hospitalisierungen steigt vor allem bei den ungeimpften Personen an. Sollte es allerdings zu vermehrten Durchbruchinfektionen kommen, könnte für Personen, die Ad26.COV2.S erhalten haben, eine weitere Impfung notwendig werden. © rme/aerzteblatt.de

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