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Vermischtes

Rotes Kreuz fordert massiven Ausbau von Materialreserven für Katastrophenfälle

Freitag, 23. Juli 2021

Gerda Hasselfeldt, Präsidentin des Deutschen Roten Kreuz (DRK)./ picture alliance, Paul Zinken

Euskirchen – Nach der verheerenden Flutkatastrophe in Westdeutschland hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) einen massiven Ausbau der nationalen Materialreserven für Einsätze in zerstörten Krisengebieten gefordert.

Es müssten Lehren aus den Erfahrungen mit großflächigen Ausfällen bei der Strom- und Wasserversor­gung gezogen werden, sagte DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt heute bei einem Besuch im Hochwasser­gebiet im nordrhein-westfälischen Euskirchen. „Wir brauchen mehr materielle Vorratshaltung auf Bun­des­ebene.“

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Auch die Unterbringung und Erstversorgung der aus dem Flutgebiet in Sicherheit gebrachten Menschen sei an einigen Orten an Kapazitätsgrenzen gestoßen, sagte Hasselfeldt. Deutschland brauche einen grö­ße­ren Vorrat an Notstromaggregaten, Wasseraufbereitungsanlagen, Zelten, Betten sowie Decken zur schnellen Versorgung und Unterbringung vieler Menschen.

Die Bundesregierung habe im vergangenen Jahr den Aufbau von zwei Zentrallagern bewilligt. Diese seien aktuell hilfreich. „Wir brauchen davon aber zehn“, fügte Hasselfeldt an.

Extreme Regenfälle hatten an Flussläufen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen verheerende Überflutungen ausgelöst und viele Gemeinden mit ihrer Infrastruktur zerstört. Mehr als 170 Menschen starben.

Seit vergangener Woche sind tausende Helfer von Rettungs- und Hilfsorganisationen sowie Behörden im Einsatz, um die Menschen zu versorgen. Das Rote Kreuz und das Technische Hilfswerk (THW) betreiben unter anderem Aufbereitungsanlagen für Trinkwasser und bauen eine improvisierte Notstromversorgung auf.

Dazu sind unzählige Freiwillige im Hochwassergebieten im Einsatz, um bei den Aufräumarbeiten zu hel­fen. In den zerstörten Gebieten müssen unter anderem riesige Mengen von Trümmern und Sperrmüll ent­sorgt werden. Hasselfeldt sprach in Euskirchen von einer „gewaltigen Aufgabe“. So müsse auch der Schlamm des Hochwassers schnell aus Kellern entfernt werden, bevor er trockne.

Hasselfeldt verwies zudem auf die psychische Belastung für Betroffene und Helfer. Diese sei sehr hoch. Das Rote Kreuz habe deshalb unter anderem auch zahlreiche psychologisch geschulte Spezialisten für die Notfallbetreung aus dem gesamten Bundesgebiet entsandt.

Aktuell gelte die Priorität noch der Versorgung der Flutopfer und den Aufräumarbeiten, sagte Hasselfeldt. Danach aber müsse „zügig“ am Aufbau nationaler Materiallager für Katastrophen gearbeitet werden.
Hilfsorganisationen hätten dafür bereits vor längerer Zeit ein Konzept ausgearbeitet. Dieses könne schnell umgesetzt werden.

Das 2018 vom Roten Kreuz und anderen Organisationen vorgelegte Konzept sieht den Aufbau von zehn zentralen Materiallagern für größere Evakuierungsaktionen bei Katastrophenfällen vor. Nach früheren Angaben der Verfasser sollten diese genug Ausrüstung enthalten, um Notunterkünfte für 50.000 Men­schen zu errichten. Die Kosten wurden auf 109 Millionen Euro beziffert. Laut DRK billigte der Bund voriges Jahr die Finanzierung von zwei Lagern. © afp/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #760232
penangexpag
am Samstag, 24. Juli 2021, 13:44

Hortensie am Samstag, 24. Juli 2021, 12:42

Die Bundesrepublik, einschließlich Westberlins, hatte lange Zeit riesige Vorratshaltungen für Brennstoffe, Nahrungsmittel,Medizinprodukte etc. betrieben. Man hat das so etwa in den 80iger Jahren massiv heruntergefahren - und ganz sicher nicht aus Blödheit, sondern weil solche Lagerungen immense Summen kosten - durch die Lagerung selbst und durch den notwendigen tournusmäßigen Austausch. Das war eine rationale Entscheidung auf der Basis der Risikobeurteilung - und die lieben Bundesbürger sind ja bekanntlich die ersten, die am lautesten schreien wenn irgendwo Steuergelder vermeintlich unsachgemäß ausgegeben werden. Risikoanalysen werden laufend fortgeführt - macht z.B. jede Versicherung. Und auch wenn es Hortensie nicht für möglich hält : die Analysen und ihre Ergebnisse sind keine zeitlichen Konstanten. "Vom Rathaus kommend ist man (meist!) klüger". Hier wird das selbe unfaire Verhalten angelegt wie bei der Impfstoffbeschaffung : erst wütende Proteste weil nicht gleich in rauen Mengen gekauft wurde , dann Gezeter, weil irgend wann mehr Impfstoff da war als der Impfwilligkeit in der Bevölkerung entsprach. Nur mal so kleines Gedankenspiel hinsichtlich notwendiger Vorsorge : Wir wissen, was das jetzt alles kosten wird und wir müssen jetzt nach den wissenschaftlichen Prognosen mit solchen Kosten auch in der Zukunft rechnen. Daher ist es vorausschauender Katastrophenschutz, wenn der Bundestag eine laufende Sonderabgabe "Katastrophenprophylaxe " auf alle Einkünfte beschließt - schon vor dem 26.September 2021.
Auf das Geschrei bin ich mal gespannt. Aber kommen wird das ohnehin - hoffentlich.
Avatar #830245
Hortensie
am Samstag, 24. Juli 2021, 12:42

Katastrophenschutz ist eine Katastrophe schlechthin

Bisher war ich der Meinung, dass bei uns der Katastrohenschutz nur auf dem Papier existiert. Ich war überrascht, dass es dafür zuständige Behörden und Minister gibt.
Denn wie bei der Pandemie auch, hätte ich als gutgläubige Bürgerin eigentlich erwartet, dass der Staat Vorsorge vür Ereignissen wie Katastrophen oder Pandemie getroffen hat und auch entsprechende Ausrüstungen und Schutzmaterialien eingelagert hat.
Umso überraschter bin bzw. war ich, als ich erfuht, dass ich doch wohl zu gutgläubig war.
Da die "weiter-so-Regierung" also in beiden Fällen nichts getan hat, sie hatte immerhin mind. 16 Jahre dafür Zeit, frage ich mich, ob das "Weiter-so" wirklich eine gute Vorgehendweise zukünftig ist?
Ich wählte allerdings nie diese Parteien mit dem suspekten "C" im Namen, wofür dieses C auch stehen mag (sicher nicht für "christlich").
LNS
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