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Politik

IQWiG sieht Aktualisierungs­bedarf beim DMP Herzinsuffizienz

Montag, 26. Juli 2021

/dpa

Berlin – Die meisten Versorgungsaspekte des gültigen DMP Chronische Herzinsuffizienz sollten überar­beitet und einige neue Aspekte ergänzt werden. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nach einer neuen Analyse.

Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) hatte das IQWiG aktuelle evidenzbasierte Leit­linien zur Herzinsuffizienz identifiziert, deren Empfehlungen mit der DMP-Anforderungen-Richtlinie (DMP-A-RL) abgeglichen und Diskrepanzen zu den Leitlinien festgestellt.

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Nach der koronaren Herzkrankheit (KHK) und dem Herzinfarkt zählt die Herzinsuffizienz in Deutschland zu den häufigsten Ursachen für Todesfälle und Krankenhauseinweisungen: 2019 verstarben 35.297 Pa­tienten an einer Herzinsuffizienz. Je höher das Lebensalter, desto häufiger wird die Diagnose gestellt – ungefähr bei 2,5 Millionen Personen pro Jahr, bei Männern häufiger als bei Frauen.

Abhängig von der Ursache für die Herzinsuffizienz unterscheiden sich auch die Behandlungsansätze, um die erklärten Ziele zu erreichen: Wiederherstellen beziehungsweise Verbessern von Belastbarkeit, selbst­bestimmte Lebensführung und Lebensqualität; Reduzieren von Symptomen und Beschwerden wie Stö­rungen der Herzfunktion, Atemnot, Ödeme, Müdigkeit; adäquates Behandeln häufiger Begleiterkran­kun­gen wie Bluthochdruck (Hypertonie), chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD), Diabetes mellitus Typ 2 oder Reduzieren von Krankenhauseinweisungen und Verhindern von Todesfällen.

Zahlreiche Versorgungsaspekte in der DMP-Richtlinie Herzinsuffizienz des G-BA weichen laut IQWiG von den aktuellen Leitlinienempfehlungen ab: Beispielsweise sind die diagnostischen Kriterien zur Identifika­tion von Patienten, die ein Angebot zur Teilnahme am DMP Herzinsuffizienz erhalten sollten, in den Leit­linien umfassender definiert.

Für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 und Herzinsuffizienz werden in einigen Leitlinien Empfehlun­gen zur Verordnung von Gliflozinen beziehungsweise SGLT2-Hemmern mit teilweise hohem Empfeh­lungs­grad ausgesprochen. Diese Wirkstoffe sind in der aktuellen Fassung der DMP-Richtlinie Herzin­suffizienz noch unerwähnt geblieben.

Darüber hinaus gäben zwei internationale Leitlinien und die Nationale Versorgungsleitlinie Herzinsuffi­zienz (NVL 2019) Empfehlungen für den Einsatz von multidisziplinären Behandlungsteams und für kon­krete Aufgaben, die in der aktuellen DMP-A-RL noch nicht enthalten sind.

Weitere Komorbiditäten berücksichtigen

Viele Menschen mit einer Herzinsuffizienz haben (oft gleichzeitig mehrere) Begleiterkrankungen wie Hypertonie, COPD, Depression, Diabetes mellitus Typ 2 oder chronische Niereninsuffizienz, die sich auch auf die Lebensqualität der Betroffenen auswirke und die Prognose der Erkrankung beeinflusse, so das IQWiG. Bei der Behandlung einer Herzinsuffizienz seien Begleiterkrankungen daher unbedingt zu berück­sichtigen, insbesondere sei auf Anwendungsbeschränkungen und Arzneimittelwechselwirkungen zu ach­ten.

In der NVL und mehreren internationalen Leitlinien würden zudem weitere Komorbiditäten beschrieben, die zwar bereits in der Versorgung eine Rolle spielen, allerdings bisher nicht in der DMP-A-RL erwähnt sind – darunter Anämie und Eisenmangel sowie Schlafdyspnoe/-apnoe.

Bisher würden in der DMP-A-RL auch konkretere Aussagen zum Entlassmanagement fehlen. Sowohl die Leitlinie NICE 2018 als auch die NVL 2019 empfehlen aber das multidisziplinäre Entlassmanagement an der Schnittstelle zur ambulanten Versorgung, denn eine mangelhafte Überleitung von Patienten mit Herzinsuffizienz kann wiederholte Hospitalisierungen zur Folge haben.

Auch die Langzeitprognose der Erkrankung kann sich durch ein multidisziplinäres Entlassmanagement verbessern. Deshalb formuliert das IQWiG-Team dieses als neuen Kerninhalt des Versorgungsaspekts „Kooperation der Versorgungsebenen“ für das DMP Herzinsuffizienz.

Die IQWiG-Experten verweisen auch darauf, dass telemedizinische Maßnahmen in der medizinischen Ver­sorgung an Bedeutung gewonnen hätten und evidenzbasierte Lösungen insbesondere die telemedi­zinische Betreuung von Menschen mit einer Herzinsuffizienz und die Datenübertragung an Versor­gungs­schnittstellen optimieren sollen.

Der G-BA habe bereits im vergangenen Jahr auf Basis einer Nutzenbewertung des IQWiG die Kostenüber­nahme des Telemonitorings bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz als ambulante Leistung durch die ge­setzliche Krankenversicherung (GKV) beschlossen. Die Empfehlung solcher Maßnahmen fehle allerdings noch in der aktuellen DMP-A-RL.

Bei dem vorliegenden Vorbericht handelt es sich um eine vorläufige Bewertung. Stellungnahmen zu dem jetzt veröffentlichten Vorbericht werden nach Ablauf der Frist am 23. August 2021 vom IQWiG gesichtet. Sofern sie Fragen offenlassen, werden die Stellungnehmenden zu einer mündlichen Erörterung einge­laden. Im Anschluss erstellt das IQWiG den Abschlussbericht. © EB/aerzteblatt.de

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