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Politik

BMG sieht Impfkampagne als „übererfüllt“ an und plant Auffrischungen im Herbst

Montag, 26. Juli 2021

/Mahsun, stock.adobe.com

Berlin – Über den Fortschritt der deutschen Impfkampagne wird derzeit intensiv diskutiert. Das Bundes­gesundheitsministerium (BMG) selbst berichtet gegenüber den Bundesländern und den Fraktionen im Bundestag, dass die Kampagne bereits „übererfüllt“ sei und jeder ein „unmittelbares“ Angebot bekommen könne.

Seit dem vergangenen Wochenende sind fast die Hälfte der Menschen in Deutschland vollständig gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 geimpft – etwa 49,4 Prozent der Gesamtbevölkerung, das sind 41,1 Millio­nen Menschen. Mindestens eine Impfdosis haben nun 50,6 Millionen Menschen, das sind 60,9 Prozent der Bevölkerung. Das geht aus den täglichen Angaben des Robert-Koch-Institutes (RKI) hervor.

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Wie aus Zahlen und Berichten hervorgeht, die das BMG heute der Gesundheitsministerkonferenz der Län­der (GMK) sowie den Koalitionsfraktionen und dem Gesundheitsausschuss im Bundestag zur Verfügung gestellt hat, sind von den seit Ende 2020 gelieferten 60 Millionen Impfstoffdosen derzeit etwa 6,9 Milli­o­nen nicht ver­impft. 89 Prozent der gelieferten Impfstoffe sind somit verimpft worden.

Damit sei die Impfkampagne in „der nächsten wichtigen Phase“, schreibt das BMG. Und weiter: „Wir haben in den letzten zwölf Wochen erhebliche Impffortschritte erreicht und nun stehen ausreichend Impfstoffe zur Verfügung, um allen impfwilligen Erwachsen und Minderjährigen unmittelbar ein Impfangebot ma­chen zu können.“

Das BMG sieht das Ziel, jedem bis Ende des Sommers ein Angebot zur Erstimpfung zu machen, „deutlich früher erreicht – und somit übererfüllt“. Daher bestehe derzeit „weniger ein Mangel an Informationen als mehr ein Mangel an Gelegenheit“, so das Ministerium.

Unterschiede in der Verwendung

Der Bericht zeigt, wie deutlich unterschiedlich die vier zugelassenen Impfstoffe verwendet werden: So gibt es bei Biontech mit 96 Prozent die beste Quote im Vergleich zwischen Lieferung und Impfung, bei Moderna liegt diese Quote bei 82 Prozent. Bei Astrazeneca wurden von den 11,8 Millionen gelieferten Dosen bislang 68 Prozent verimpft. Bei Johnson & Johnson sind es von den 1,38 Millionen gelieferten Dosen 35 Prozent.

Im Juli wurden nach Deutschland wöchentlich etwas über zwei Millionen Impfdosen geliefert, in der Woche vom 5. bis zum 9. Juli waren es sogar 4,9 Millionen. Allerdings wird seit dem 12. Juli keine Dosen Astrazeneca mehr geliefert, auch von Johnson & Johnson gibt es in den drei Juliwochen kaum Lieferun­gen.

Für die ersten beiden Augustwochen erwartet die Bundesregierung zwischen 1,05 und 1,1 Millionen Impfdosen jeweils von Biontech und Moderna, so dass in beiden Wochen jeweils 2,15 und 2,1 Millionen Dosen geliefert werden. Ab dem dritten Quartal 2021 werden noch einmal 100 Millionen Impfstoffdosen erwartet, darunter rund 70 Millionen mRNA-Impfstoffe.

Ab dem 16. August soll dann an die Länder „ausschließlich nach Bedarf“ geliefert werden. Bislang gilt die Regelung, dass die Impfzentrum 2,25 Millionen Dosen pro Woche bekommen, der Rest geht in die ver­tragsärztliche sowie in die betriebsärztliche Versorgung.

Ähnlich wie die Vertragsärzte sollen künftig auch die Impfzentren Impfstoffe nach Bedarf bekommen, da die Impfzentren in vielen Regionen zum 30. September hin auslaufen und ein Schwerpunkt auf mobile Teams und kommunale Aktionen wie das „Impfen to go“ gesetzt werden soll. Die regionale Impfquote schwankt deutlich: Ergibt sich aus dem Bericht, dass in Bremen mehr Impfungen verabreicht wurden, als eigentlich geliefert (Quote von 104 Prozent), in Sachsen wurden bisher 80 Prozent der gelieferten Dosen verimpft.

Als problematisch wird laut dem BMG-Lagebericht gesehen, dass vor allem die Betriebsärzte bislang nicht alle Impfungen an das RKI gemeldet haben. „Die Verbände der Betriebsärzte berichten, es sei davon auszugehen, dass der Großteil dieser verimpft aber (noch) nicht dokumentiert wurde“, heißt es in dem Bericht.

Demnach wurden seit dem 7. Juni 4,3 Millionen Impfdosen – darunter 3,88 Millionen von Biontech und 0,43 von Jonsons & Johnson – geliefert, aber erst 1,4 Millionen im RKI-System gemeldet. Das BMG geht davon aus, dass diese Impfungen „einen zusätzlichen Beitrag zur Impfquote von mindestens einem, eher zwei Prozent der Bevölkerung entsprechen.“ Daher sei der Bund im Gespräch mit den Verbänden, „eine zeitnahe Meldung sicherzustellen“.

Ab dem 1. Oktober soll auch der ÖGD Impfstoffe über die Apotheken erhalten und somit auch eigene Impfaktionen vorbereiten können. Die könnte auch für die möglichen Auffrischimpfungen wichtig sein: Zwar liegen derzeit nach Angaben des Paul-Ehrlich-Institutes (PEI) noch keine Studien dazu vor, dennoch will das BMG mit einer „vorsorglichen Planung“ beginnen. So sollen „rechtzeitig vor dem Herbst und Win­ter für pflegebedürftige und immungeschwächte Menschen“ möglicherweise bereits im September mit Auffrischungen gestartet werden.

Für 2022 plane die Bundesregierung, 204 Millionen Impfdosen für Deutschland zu sichern, um für den „Herbst der Jahre 2022 und 2023 ausreichend Impfstoffe für Auffrischimpfungen, Impfung von Kindern unter 12 Jähren und zum Schutz vor möglichen weiteren Virusvarianten“ zu haben. Außerdem soll so eine „Sicherheitsreserve mit einer Versorgung von etwas mehr als zwei Dosen pro Einwohnern“ angelegt wer­den.

Dazu zählen aus einem EU-Vertrag 84,4 Millionen Dosen von Biontech, sowie 31,8 Millionen Dosen Mo­derna, 18,3 Millionen von Johnson & Johnson sowie weitere 70 Millionen Impfdosen der Hersteller Sano­fi, Novovax und Valneva. Die sind jeweils noch nicht auf dem Markt. Die Beschaffung dieser Dosen kostet etwa 3,9 Milliarden Euro im Jahr 2022.

Bereits Anfang Juli hatte das Bundeskabinett beschlossen, bis Ende 2021 mindestens 30 Millionen Impf­dosen unentgeltlich an Drittstaaten abzugeben. Dies solle über die COVAX-Initiative geschehen, an die bereits bis Ende August 2021 vor allem die geplanten Astrazeneca-Lieferungen gehen sollen, so dass rund 500.000 Dosen zur direkten Abgabe vorgesehen sind.

Eine Konzeptionierung dazu gebe es zwischen dem Auswärtigen Amt, dem BMG sowie dem Bundes­fi­nanzministerium und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). © bee/aerzteblatt.de

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