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Ärzteschaft

Reinhardt: Politik muss mehr für Kinder und Jugendliche tun

Dienstag, 27. Juli 2021

/Oksana Kuzmina, stock.adobe.com

Berlin – Kinder und Jugendliche haben unter den Einschränkungen in der Coronapandemie besonders gelitten. Nun muss die Politik ein besonderes Augenmerk auf die Bedürfnisse der Kinder haben. Dafür spricht sich der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Klaus Reinhardt, im neuesten Podcast „Spre­chende Medizin“ aus.

Reinhardt bemängelt darin, dass die Politik nicht genügend Geld in die Hand nimmt, damit die Folgen der Pandemie bei Kindern wieder aufgearbeitet werden können.

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So habe der Bund zwar ein Programm zur Unterstützung und zur Bearbeitung von Fehlentwicklungen von Kindern in der Pandemie initiiert. Dies sei aber lediglich mit zwei Milliarden Euro ausgestattet. Man dürfe sich dann „auf der Zunge zergehen“ lassen, dass die Lufthansa neun Milliarden Euro erhalten habe.

„Wenn uns der Erhalt unserer nationalen Fluglinie mehr als viermal so viel Wert ist, wie die Wiedergut­machung von entstandenen Lockdownschäden bei unseren Kindern und Jugendlichen, dann ist was Faul im Staate Deutschland“, sagte Reinhardt. Er ließe nach in der Kritik, wenn die zwei Milliarden nur die erste Anzahlung seien.

Aber solange das nicht so sei, bedürfe es deutlich mehr Engagement. Er glaube ohnehin, dass man in Schul- und Bildungseinrichtungen noch eine ganze Menge mehr leisten könne für Kinder und Jugend­liche als bis­lang getan werde.

Zum Schulbetrieb im Herbst erkärte Reinhardt, man könne die „Schule auch laufen lassen“. So sei ein vernünftiges Lüften nach seinen Erkenntnissen ausreichend. Auch sei wissenschaftlich nachgewiesen, dass die Schulen kein Pandemietreiber seien.

Reinhardt zufolge könnten sich die Schulen den Einsatz von Luftfiltern sparen. Wichtiger sei ein ver­nünftiges Testmanagement in den Schulen, Abstandsregelungen und Wechselunterricht. Darüber hinaus seien Kinder durch Corona ohnehin nur eingeschränkt gefährdet.

„Schwere Verläufe sind eine extreme Rarität“, so Reinhardt. Sie hätten, wenn sie denn stattgefunden hätten, so gut wie immer im Zusammenhang mit anderen schweren Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen gestanden. Vor dem Hintergrund müsse die „Panikmache“, die zum Teil laufe, auch ein bisschen relativiert werden.

Das heiße nicht, dass man einem Durchseuchungskonzept das Wort Rede. Es müsse eine ausgewogene Balance zwischen vernünftigem Handeln und dem Versuch geben, einen möglichst natürlichen Umgang zu gewährleisten.

Aus Sicht der Landesärztekammer Baden-Württemberg müssen Maßnahmen und Aktionspläne, die einer Vermeidung von Schulschließungen dienen, unbedingt zur Ferienzeit auf den Weg gebracht werden.

Der Einbau von Luftfiltern, konsequente Testungen an Schulen und Kitas, aber auch logistische Überle­gungen, wie beispielsweise Gedränge in Schulbussen vermieden werden könne, seien wichtige Bausteine der Pandemiebekämpfung. Bereits diese Maßnahmen sorgen aus Sicht der Kammer mit dafür, dass Coro­na­infektionen verhindert oder schnell entdeckt werden.

„Kinder und Jugendliche haben massiv unter den Coronabeschränkungen gelitten“, sagte Wolfgang Miller, Präsident der Landesärztekammer Baden-Württemberg. Nun müsse ihnen „oberste Priorität“ eingeräumt werden. © may/aerzteblatt.de

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