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Medizin

Hypertonie: Sartane in der Monotherapie besser verträglich als ACE-Hemmer

Montag, 30. August 2021

/redaktion93, stock.adobe.com

New York – Angiotensinrezeptorblocker, auch Sartane genannt, haben in einer Datenbankanalyse an fast 3 Millionen Patienten in der Ersttherapie einer arteriellen Hypertonie erwartungsgemäß gleich gut vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen geschützt wie ACE-Hemmer.

Einige Nebenwirkungen traten nach den in Hypertension (2021; DOI: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.120.16667) publizierten Ergebnissen jedoch unter ACE-Hemmern häufiger auf. Dazu gehörten neben den bekannten Risiken und Nebenwirkungen wie Angioödem und Husten oder eine Pankreatitis auch gastrointestinale Blutungen.

Sartane und ACE-Hemmer senken den Blutdruck auf gleiche Weise. Beide verhindern, dass das Hormon Angiotensin II die Blutgefäße verengt. Die Gefäße bleiben weit gestellt und der Blutdruck sinkt. Der Angriffspunkt von Sartanen und ACE-Hemmern ist jedoch ein anderer.

Sartane blockieren die Bindungsstelle von Angiotensin II am Rezeptor. ACE-Hemmer hemmen ein vorge­schaltetes Enzym: Das „Angiotensin Converting Enzym“ (ACE) wandelt Angiotensin I zu Angiotensin II um. ACE ist allerdings auch für den Abbau von Bradykinin zuständig. Seine Hemmung kann zu einem Anstieg des Peptidhormons führen, das an der Entstehung von Husten, Angioödem und vermutlich auch einer Pankreatitis beteiligt ist.

Es ist deshalb keine Überraschung, dass diese Nebenwirkungen unter einer Behandlung mit ACE-Hem­mern häufiger auftreten. Dies war auch in der Analyse von 8 Datenbanken aus den USA, Deutschland und Südkorea der Fall, die ein Team um George Hripcsak vom Vagelos College of Physicians and Surgeons in New York ausgewertet hat.

Die Analyse umfasst 2.971.819 Patienten, bei denen eine antihypertensive Behandlung in einer Mono­therapie begonnen worden war. Bei 2.297.881 Patienten hatten die Ärzte sich für einen ACE-Hemmer entschieden, bei 673.938 Patienten wurde ein Sartan verordnet. Die Bevorzugung der ACE-Hemmer beruht vermutlich darauf, dass diese Mittel ein Jahrzehnt früher eingeführt wurden als die Sartane. Außerdem sind die Behandlungskosten auch bei Generika noch immer höher.

Von der Wirksamkeit her unterscheiden sich die Mittel nicht. Sie senken in der Regel den Blutdruck gleich effektiv, und auch hinsichtlich des Schutzes vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen konnte das Team um Hripcsak keine Unterschiede feststellen.

Während einer Nachbeobachtungszeit von 4 bis 18 Monaten erkrankten die Patienten mit beiden Wirk­stoffen gleich häufig an einem akuten Myokardinfarkt (Hazard Ratio 1,11 für ACE-Hemmer versus Sar­tane (95-%-Konfidenzintervall 0,95 bis 1,32), an einer chronischen Herzinsuffizienz (Hazard Ratio 1,03; 0,87 bis 1,24) oder einem Schlaganfall (Hazard Ratio 1,07; 0,91 bis 1,27). Für den zusammengesetzten Endpunkt ergab dies eine Hazard Ratio von 1,06 (0,90 bis 1,25).

Bei einigen der 51 Nebenwirkungen, nach denen die Forscher in den Patientendaten suchten, waren die ACE-Hemmer im Nachteil. Am deutlichsten war der bekannte Zusammenhang mit einem Angioödem mit einer Hazard Ratio von 3,31 (p <0,01). Auch Husten (Hazard Ratio 1,32; p <0,01) und akute Pankreatitis (Hazard Ratio 1,32; p = 0,02) sind bekannte Nebenwirkungen und Komplikationen von ACE-Hemmern.

Ein neues Sicherheitssignal waren gastrointestinale Blutungen (Hazard Ratio 1,18; p = 0,04). Ob sie wirklich auf den Einsatz der ACE-Hemmer zurückzuführen sind, lässt sich in retrospektiven Studien nicht eindeutig klären. Es ist immer möglich, dass Ärzte bei Risiko-Patienten eher auf die als sicherer einge­stuften Sartane zurückgreifen, ohne dass dies sich in den Aufzeichnungen der Ärzte niederschlägt. Es bleibt abzuwarten, ob sich das gering erhöhte Blutungsrisiko in weiteren Studien bestätigen wird. © rme/aerzteblatt.de

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