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Medizin

Studie: Wie sicher ist die 2. Dosis einer mRNA-Vakzine nach allergischen Reaktionen?

Dienstag, 27. Juli 2021

/thodonal, stock.adobe.com

Boston – An 5 größeren US-Zentren haben 159 Patienten eine 2. Dosis eines mRNA-Impfstoffs erhalten, obwohl es nach der 1. Dosis zu einer allergischen Reaktion gekommen war. Eine Studie in JAMA Internal Medicine (2021; DOI: 10.1001/jamainternmed.2021.3779) fasst die Erfahrungen zusammen.

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Allergische Reaktionen nach mRNA-Impfungen sind keinesfalls ungewöhnlich. Von den 64.900 Ange­stellten des Brigham and Women's Hospital und Massachusetts General Hospitals, beiden in Boston, die einen mRNA-Impfstoff erhalten hatten, berichteten immerhin 1.365 oder 2,1 % über Juckreiz oder Haut­ausschlag außerhalb der Injektionsstelle (788), Atemwegssymptome (342), Nesselsucht (244) oder Schwel­­lungen (191), die sich als allergische Reaktionen deuten lassen. Bestätigte anaphylaktische Reaktionen waren mit 16 Fällen oder 0,025 % deutlich seltener.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob bei Patienten mit allergischen Reaktionen eine 2. Dosis eines mRNA-Impfstoffes gewagt werden kann. Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) raten davon ab und empfehlen den Wechsel auf den Impfstoff von Janssen.

Ein Team um Kimberly Blumenthal vom Massachusetts General Hospital hat die Erfahrung von 189 Patien­ten im Alter von im Mittel 43 Jahren zusammengefasst, die bei der 1. Impfung eine von Allergo­logen bestätigte allergische Reaktion erlitten hatten.

Bei 53 Patienten war es innerhalb der ersten 4 Stunden zu einer allgemeinen Hautrötung („flushing“) oder einem Erythem gekommen, 49 Patienten hatten über Schwindel oder Benommenheit geklagt. 46 Patienten hatten ein Kribbeln bemerkt, bei 41 Patienten war es zu einem Engegefühl im Rachen, bei 39 Patienten zu einer Nesselsucht und bei 39 Patienten zu Keuchen oder Kurzatmigkeit gekommen. Insge­samt 32 Patienten hatten die Kriterien einer Anaphylaxie erfüllt.

Insgesamt 159 Geimpfte erhielten eine zweite Dosis desselben Impfstoffs. Bei 47 Patienten erfolgte eine Prämedikation mit einem Antihistaminikum. Alle 159 Patienten, darunter 19 Patienten mit einer Anaphy­laxie nach der 1. Dosis, vertrugen nach Angabe von Blumenthal die 2. Dosis. Nur 32 Patienten berichteten über sofortige und potenziell allergische Symptome, die jedoch selbstlimitierend und mild waren und nach der Gabe von Antihistaminika abklangen.

Blumenthal geht aufgrund der Erfahrungen davon aus, dass die meisten allergischen Reaktionen auf mRNA-Impfstoffe nicht auf eine klassische durch IgE-Antikörper vermittelte Typ-I-Allergie zurückzu­führen sind. Bei dieser Allergie kommt es bei einer Reexposition zu einer raschen und oft schwereren Sofortreaktion.

Bei den meisten Patienten komme es zu anderen weniger gefährlichen Reaktionen, die nicht gegen eine 2. Dosis des mRNA-Impfstoffs sprächen, so Blumenthal. Die Immunologin hält es allerdings für hilfreich, wenn alle Impflinge mit einer allergischen Reaktion nach der 1. Dosis vor der 2. Dosis von einem Allergo­logen untersucht werden. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #722910
Dr. Brail
am Montag, 16. August 2021, 14:55

Zustimmung

Hat Ihr Vater seine Zustimmungs- und Aufklärungsbogen unterschrieben? Er hat die bekannten und die unbekannten Nebenwirkungen der Impfung bewußt in Kauf genommen. Wo ist das Problem?
Avatar #967461
interessierte Leserin
am Montag, 16. August 2021, 14:07

Angioödem an der Zunge (zwei Monate nach Zweitimpfung mit Comirnaty)

Mein Vater hatte zwei Monate nach der Zweitimpfung mit Comirnaty ein Angioödem der Zunge, das er noch auch noch durch Selbstmedikation (er ist Arzt) in den Griff bekomme hat. Ca. 6 Wochen nach dem ersten Angioödem der Zunge hat er wieder ein Angioödem der Zunge bekommen, das man in der Rettungsstelle nicht mehr mit Medikamenten in den Griff bekommen hat. Er hat sich um 4:30 Uhr in die Rettungsstelle begeben und wurde um ca. 9 Uhr notintubiert und war 16 Tage im künstlichen Koma und wurde beatmet. ACE-Hemmer hat er schon seit Jahren eingenommen. Ich glaube, sein Fall wurde bisher nicht dem PEI gemeldet.
Avatar #662080
strahlengegenkrebs
am Mittwoch, 28. Juli 2021, 21:43

Zweite Dosis mit Ceterizinprophylaxe gut vetragen

Hatte zuerst selbst limitierende Urticaria, dann allerdings 7 Tage nach Erstimpfung ein Angioödem der Zunge. Selbstmedikation mit Dexamethason und Antihistamin verhinderten Schlimmeres. Wollte auf Boostimpfung nicht verzichten und nahm prophylaktisch vom Tag 0 bis 14 5 mg Ceterizin. Neuerliche Reaktionen konnten somit vermieden werden. M. E. greift der Antikörper in Angiotensin/Bradikinin/Histamin-Stoffwechel ein und fördert Urticariabildung. Reaktion wurde dem PEI gemeldet.
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