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Medizin

SARS-CoV-2: Hohes Risiko von Durchbruch­infektionen bei Organtrans­plantierten

Mittwoch, 28. Juli 2021

/benjaminnolte, stock.adobe.com

Baltimore – Organtransplantierte gehören auch nach einer kompletten Impfung zu den Hochrisiko­gruppen für einen schweren Verlauf von SARS-CoV-2. Unter US-Patienten treten Durchbruchinfektionen derzeit 82-fach häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung.

Zu einem schweren Verlauf mit Hospitalisierung oder Tod kam es laut einer Studie in Transplantation (2021; DOI: 10.1097/TP.0000000000003907) sogar 485-fach häufiger.

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Es ist bekannt, dass die immunsuppressiven Medikamente, die Organtransplantierte lebenslang einneh­men müssen, die Abwehr von Krankheitserregern erschweren. Die Transplantationszentren sind deshalb seit Beginn der Pandemie darauf bedacht, ihre Patienten möglichst frühzeitig zu impfen.

Ein Team um Dorry Segev von Johns Hopkins Medicine in Baltimore konnte bereits in früheren Studien zeigen, dass nur jeder 5. Patient nach der 1. Dosis Antikörper gegen SARS-CoV-2 produzierte. Auch nach der 2. Dosis erreichte nur jeder 2. Patient einen Antikörpertiter, der einen Schutz vor COVID-19 erwarten lässt.

Eine Umfrage unter 17 US-Transplantationszentren zeigt jetzt, dass es unter 18.215 vollständig geimpf­ten Patienten zu 151 dokumentierten Durchbruchinfektionen (0,83 %) kam. Die Rate schwankte von Zentrum zu Zentrum von 0,23 % bis 2,52 %. Das Risiko scheint gering zu sein.

Da Durchbruchinfektionen jedoch sehr selten sind und nur in Ausnahmefällen zum Tod führen, waren die Durchbruchinfektionen bei den Organtransplantierten nach Berechnungen von Segev 82-mal häufiger als in der Allgemeinbevölkerung. Das Risiko einer schweren oder tödlichen Erkrankung war sogar um den Faktor 485 erhöht. Insgesamt 87 der 151 Patienten (57,6 %) wurden im Krankenhaus behandelt, 14 Patienten (9,3 %) überlebten die Erkrankung nicht.

Das Risiko könnte sogar noch höher sein, da Segev nur jene Durchbruchinfektionen berücksichtigen konnte, die von den Transplantationszentren dokumentiert wurden. Es ist möglich, dass weitere Patienten an anderen Kliniken behandelt wurden und an COVID-19 verstorben sind, ohne dass die Transplanta­tions­zentren davon erfuhren.

Segev spricht sich für eine 3. Impfdosis aus, die in einer früheren Fallserie die Chance auf eine Antikör­per­reaktion erhöht hat. Der französische „Conseil d’orientation de la stratégie vaccinale“ empfiehlt seit April eine 3. Impfdosis für Organtransplantierte, der britische National Health Service will dem Verneh­men nach im Herbst damit beginnen. In den USA und in Deutschland gibt es derzeit keine offizielle Empfehlung. © rme/aerzteblatt.de

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