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Medizin

Long COVID: Augenärzte finden Hinweis auf mögliche Nervenschäden

Mittwoch, 28. Juli 2021

/maxsim, stock.adobe.com

Manchester – Patienten, die sich nach einer überstandenen COVID-19-Erkrankung nur langsam von den Symptomen erholten, wiesen in einer Querschnittstudie in British Journal of Ophthalmology (2021; DOI: 10.1136/bjophthalmol-2021-319450) eine verminderte Dichte von Nervenfasern in der Cornea auf, wäh­rend die Zahl der dendritischen Zellen dort vermehrt zu sein scheint. Dies könnte ein Hinweis auf eine neurologische Ursache der Folgekrankheit sein.

Die Hornhaut des Auges (Cornea) gehört zu den Orten mit der höchsten Nervenzelldichte außerhalb des Gehirns. Die Ausläufer des Nervus ophthalmicus, einem der drei Hauptäste des Trigeminus, sind vor allem für den Lidschlussreflex zuständig, der das Auge vor Verletzungen schützt. Da die Cornea transparent ist, können die Nervenfasern am lebenden Menschen beobachtet werden – mit einem Konfokalmikroskop auch in höherer Vergrößerung.

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Ein Team um Rayaz Malik von der Universität Manchester hatte die Technik in früheren Studien bereits genutzt, um Veränderungen der Nervenzellen bei der diabetischen Neuropathie zu beschreiben. Es war auch eine Zunahme von dendritischen Zellen aufgefallen, die zum Immunsystem gehören: Sie sind im Gewebe als Antigen-präsentierende Zellen für das Aufspüren von Krankheitserregern zuständig.

Jetzt haben die Forscher die Cornea von 40 Patienten untersucht, die an COVID-19 erkrankt waren und von denen sich 22 nach im Mittel 3,7 Monate noch nicht vollständig erholt hatten, wie ihre Antworten in einem Post-COVID-Fragebogen des National Institute of Health and Clinical Excellence (NICE) zeigten. Als Vergleichsgruppe dienten 30 gleichaltrige gesunde Personen.

Die Untersuchungen mit dem Konfokalmikroskop deuten auf einen Nervenschaden in der Cornea und eine mögliche Aktivierung der dendritischen Zellen hin. Bei den Post-COVID-Patienten war die Dichte der Nervenfasern und die Dichte der Nervenäste sowie die Länge der Nervenfasern in der Cornea vermindert. Die Unterschiede bestanden sowohl gegenüber gesunden Personen als auch gegenüber den Patienten ohne Post COVID. Signifikant waren die Unterschiede, wenn gesunde Personen mit Post-COVID-Patienten verglichen wurden, die unter neurologischen Beschwerden litten.

Bei den dendritischen Zellen war sowohl die Zahl der „reifen“ (mit den für die Zellen typischen Ausläu­fern), als auch die Zahl der „unreifen“ Zellen vermehrt. Dies deutet laut Malik auf eine vermehrte Aktivie­rung des Immunsystems hin, zu der es beispielsweise bei einem Befall der Nerven mit SARS-CoV-2 kom­men könnte. Die Auflösung der Konfokalmikroskopie ist allerdings zu gering, um Viren im Gewebe sicht­bar zu machen. Auch in anderen Untersuchungen konnten bisher keine Viren sicher im Nervengewebe nachgewiesen werden. Die Pathogenese von Post COVID ist nach wie vor unklar.

Zu den Einschränkungen der Studie gehört neben der geringen Teilnehmerzahl, dass die Patienten nur ein einziges Mal untersucht wurden und deshalb unklar bleibt, ob mit der zu erwartenden Erholung auch die Veränderungen in der Cornea verschwinden. Die Symptome der Patienten wurden in einem Frage­bogen ermittelt, aber nicht durch weitere Untersuchungen objektiviert (was bei Post COVID in der Regel auch nicht möglich ist).

Sollten sich die Ergebnisse in weiteren Untersuchungen bestätigen, dann könnte im Prinzip eine augen­ärztliche Untersuchung die Diagnose eines Post COVID bestätigen. Die Befunde würden zudem eine neu­rologische Genese der Erkrankung belegen. Dies dürften derzeit jedoch weitreichende Spekulationen sein. © rme/aerzteblatt.de

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