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Flutkatastrophe: Zahl der Toten steigt weiter an

Mittwoch, 28. Juli 2021

/picture alliance, Flashpic, Jens Krick

Bad Neuenahr-Ahrweiler – Etwa zwei Wochen nach der verheerenden Flutkatastrophe in Westdeutsch­land hat sich die Zahl der Toten auf 181 erhöht. Nach Angaben der Polizei in Rheinland-Pfalz wurden zwei weitere Opfer entdeckt, die Zahl der Toten in dem Bundesland stieg dadurch auf 134. Weiterhin galten dort noch 73 Menschen als vermisst. In Nordrhein-Westfalen gab es nach Angaben von Innen­minister Herbert Reul (CDU) inzwischen keine Vermissten mehr. Dort starben bei dem Hochwasser 47 Menschen.

In den teils völlig verwüsteten Flutgebieten waren nach Angaben der Landesregierungen weiterhin tausende Einsatzkräfte mit der Versorgung der Bevölkerung, Räumarbeiten und Notreparaturen an der Infrastruktur beschäftigt.

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Allein die Bundeswehr hatte nach eigenen Angaben 2.000 Soldaten im Einsatz. In Rheinland-Pfalz konnte die Situation inzwischen in ersten Gemeinden so weit stabilisiert werden, dass Noteinsätze langsam beendet werden. Dort rücken nun Aufgaben wie die Beseitigung von Ölschäden ins Zentrum.

In anderen Teilen des Katastrophengebiets in der Eifel war die Lage nach Angaben der Behörden jedoch weiter schwierig. Aufgrund der massiven Zerstörungen der Strom- und Wassernetze versorgen Hilfsorga­nisationen die Betroffenen dort mit warmem Essen und Trinkwasser. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Bau behelfsmäßiger Brücken und das Räumen von Straßen im Ahrtal.

Nach Angaben Reuls stabilisierte sich die Lage auch in Nordrhein-Westfalen inzwischen. Gleichzeitig waren dem Minister zufolge aber noch etwa 5.000 bis 6.000 Menschen ohne funktionierende Stromver­sorgung. Auch die reguläre Trinkwasserversorgung konnte teils noch nicht hergestellt werden, wie der Minister in einer Sondersitzung des Landtagsinnenausschusses in Düsseldorf sagte.

Einen genaueren Überblick über die Schäden der Katastrophe gibt es bislang nicht. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) schätzte die Schäden durch die verheerenden Unwetter, die neben dem Westen auch den Süden Deutschlands getroffen hatten, allein im öffentlichen Personen- und Schienengüterverkehr auf mindestens 2,3 Milliarden. Für Nordrhein-Westfalen sprach Reul von bislang überhaupt nicht abschätzbaren Kosten. Es gehe um „Milliarden“.

In Rheinland-Pfalz waren nach Angaben der Landesregierung noch etwa 5.000 Hilfskräfte im Einsatz. Spezialisten der Bundeswehr betrieben unter anderem mobile Tanklager sowie Tankstellen zur Kraft­stoff­versorgung und arbeiteten gemeinsam mit Experten des Technischen Hilfswerks (THW) am Bau von Behelfsbrücken, um die zerstörten Querungen über die Ahr zu ersetzen. Bundeswehr und THW waren ferner mit schwerem Gerät bei Räumeinsätzen unterwegs.

Andere Hilfsorganisationen kümmerten sich um die medizinische Versorgung, zeitgleich bemühten sich Versorgungsunternehmen um Reparaturen an Leitungsnetzen. Ein weiterer Schwerpunkt war die psycho­logische Betreuung von Flutopfern und Hilfskräften. Diese durchlebten eine „extrem schwere Zeit“, sagte der Einsatzleiter der Landesregierung, Heinz Wolschendorf, bei einer Pressekonferenz in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Eine weitere Aufgabe war demnach die Suche und Bergung der zahlreichen Tierkadaver.

Die Landespolizei setzte nach Angaben ihres Sprechers Florian Stadtfeld Leichenspürhunde ein, um im Flutgebiete die Quellen von Verwesungsgeruch zu ermitteln. Bislang seien sie aber nur auf tote Tiere gestoßen, sagte er in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Insgesamt war die Polizei demnach mit mehr als 1.000 Beamten Einsatz. Von den 134 Hochwassertoten waren laut Stadtfeld 76 eindeutig identifziert. Ferner wurden 766 Verletzte gezählt.

In Düsseldorf betonte Reul die Notwendigkeit einer umfassenden Aufarbeitung der Ereignisse und Katas­trophenschutzstrukturen. Bei 47 Toten könne schlichtweg „nicht alles richtig gelaufen“ sein, auch wenn es sich um die „größte Naturkatastrophe in der Geschichte unseres Landes“ gehandelt habe, sagte der Minister. Zugleich verteidigte er die generelle föderale und lokale Organisation des Katastrophen­schutzes hierzulande. © afp/aerzteblatt.de

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