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Ärzteschaft

Intensivmediziner für klareres Handeln gegen Corona

Donnerstag, 29. Juli 2021

/picture alliance, Ole Spata

Berlin – Der Intensivmediziner Uwe Janssens hat der Politik ein zu zögerliches Handeln bei der Ein­dämmung der anrollenden vierten Coronawelle vorgeworfen.

„Eigentlich würden wir uns wünschen, dass da klarer gehandelt wird“, sagte der Generalsekretär der Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin (DGIIN) heute im ZDF-„Morgenmagazin“. „Wir haben im letzten Jahr gesehen, was das für Folgen hat, wenn man zuwartet und gar nichts macht. Das scheint sich zu wiederholen.“

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Janssens wies auf Großbritannien hin, wo zu beobachten sei, wie der Anstieg der Infektionszahlen mehr Krankenhauseinweisungen und auch Beatmungen sogar junger Menschen nach sich ziehe. Wenn es wie­der viele Infizierte gebe, werde das Auswirkungen auch auf die Wirtschaft haben.

Im politischen Streit um den künftigen Stellenwerte der Inzidenz – also der Entwicklung der Neuinfek­tionen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl – sagte er, diese bleibe ein wichtiger Faktor für die Beurtei­lung der Lage. Sie müsse gemeinsam betrachtet werden mit der Zahl der Krankenhauseinweisungen und der Auslastung der Intensivbetten. Dazu gebe es in Deutschland wegen des Datenschutzes aber teils noch zu wenig detaillierte Angaben.

Von einer Impfpflicht für das Gesundheitspersonal wie in Frankreich riet Janssens ab. Dies würde viele Skeptiker nur verschrecken und womöglich sogar zum Berufswechsel veranlassen, sagte er. Wichtiger sei es, aufzuklären und die Ängste der Menschen ernst zu nehmen.

Intensivmediziner rechnen zudem für Herbst und Winter wieder verstärkt mit Menschen mit diversen Atemwegserkrankungen. „Durch das Tragen von Masken und die anderen Regeln war die Zahl der Patien­ten mit Grippe und anderen viralen Krankheitserregern während der Coronazeit verschwindend gering“, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Gernot Marx.

„Wir befürchten, dass dieser positive Effekt nun verschwin­den wird und wir zu den potenziellen Corona­pa­tienten zwischen Oktober und März auch die anderen Patienten mit viralen Erkrankungen betreuen werden.“

Die Patientenzahlen seien schwer einzuschätzen, auch vor der Coronapandemie schwankten die Werte von Saison zu Saison. „Aber klar ist, dass Grippe- und COVID-19-Patienten unter Umständen die gleichen Therapien brauchen, zum Beispiel die künstliche Lunge. Die ECMO-Kapazität in Deutschland ist im internationalen Vergleich sehr gut, aber jede Kapazität hat ihre Grenzen.“

Auch das Robert-Koch-Institut (RKI) mahnte kürzlich in einer Herbst-Winter-Strategie für die stationäre und ambulante Versorgung eine frühzeitige Vorbereitung „auf ein verstärktes Krankheitsgeschehen“ an, „auch angesichts der zusätzlich zu erwartenden Belastung durch akute Atemwegsinfektionen“, die in der Saison 2020/21 nicht in der Bevölkerung zirkuliert seien.

Genannt wird neben der Grippe auch das Respiratorische Synzytialvirus (RSV), ein weltweit verbreiteter Erreger, der laut RKI einfache Atemwegsinfektionen, aber auch schwere Erkrankungen auslösen kann.

Marx rief erneut zum Wahrnehmen der Impfangebote gegen COVID-19 auf: „Ich weiß nicht, woher dieses Wir-haben-es-geschafft-Gefühl mancher Menschen kommt, wo wir doch so viele noch nicht geimpft haben. Zu glauben, dass man die Impfung nicht brauche, weil schon so viele geimpft seien, ist ein abso­luter Trugschluss“, sagte Marx, der Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum Aachen ist.

Von der Impfbereitschaft und vernünftigem Verhalten mit Vorsicht, Abständen und Maske hänge die Zahl der Neuinfektionen ab. Das sei ausschlaggebend, um besser durch die nächsten Monate zu kommen. © dpa/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #625311
L.A.
am Freitag, 30. Juli 2021, 12:03

Auch ein Versagen der medizinischen Wissenschaft !?

Es fehlen verlässliche Daten für verlässliche Statistiken ! "Wegen des Datenschutzes" - warum haben die Mediziner bisher nicht die Regierung aufgefordert, diesen "Datenschutz" vorübergehend außer Kraft zu setzen !? (wir haben doch eine "Notlage", oder?).
Wir wissen nicht einmal die exakte Zahl der Klinikeinweisungen/ Hospitalisierungen wegen Covid-19 ! Ärztekammern, wissenschaftliche Fachgesellschaften, wo seid ihr ? Ich höre nichts !?
LNS
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