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Medizin

Schwangerschafts­komplikationen bei Chirurginnen häufiger

Mittwoch, 1. September 2021

/nimon_t, stock.adobe.com

Boston – Eine Karriere in der Chirurgie ist für Frauen derzeit mit einem Kinderwunsch nur schwer verein­bar. Weibliche Chirurgen waren in einer US-Studie in JAMA Surgery (2021: DOI: 10.1001/jamasurg.2021.3301) wegen eines höheren Alters häufiger auf die Unterstützung der Repro­duktionsmedizin angewiesen als die Gattinnen ihrer männlichen Kollegen. In der Schwangerschaft und bei der Geburt kam es häufiger zu Komplikationen. Schwangerschaftsverluste waren doppelt so häufig wie im US-Durchschnitt.

Chirurgie ist kein reiner Männerberuf mehr. In den USA sind 21 % der Chirurgen weiblich. In der Facharztausbildung beträgt der Frauenanteil bereits 38 %. Die Kliniken nehmen hierauf wenig Rücksicht. Schonzeiten während der Schwangerschaft und Pausen für die Mütter sind in den Dienstplänen meist nicht vorgesehen. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass die meisten Chirurginnen in den USA ihre Tätigkeit vor Ablauf eines 6-wöchigen Mutterschaftsurlaubs wieder aufnehmen. Eine Umfrage unter männlichen und weiblichen US-Chirurgen dokumentiert nun, welche Folgen dies hat.

Die 692 Chirurginnen, die in der aktuellen Studie einen elektronischen Fragebogen ausfüllten, hatten im Durchschnitt 1,8 Kinder. Die 182 männlichen Kollegen, die an der Umfrage teilnahmen, hatten im durch­schnitt 2,3 Kinder. Die Chirurginnen waren bei der Geburt des 1. Kindes im Durchschnitt 33 Jahre alt gegenüber 31 Jahren bei den Gattinnen ihrer männlichen Kollegen. Sie nahmen zu 24,9 % (versus 17,1 %) assistierte Reproduktionstechniken in Anspruch.

Während der Schwangerschaft arbeiteten 56,6 % der Chirurginnen mehr als 60 Stunden die Woche (versus 10 % bei den Gattinnen der männlichen Kollegen) und 37 % nahmen an mehr als 6 Nachtdiens­ten pro Monat teil. Sie nahmen sich seltener Ruhetage (22,1 % versus 36,1 %) und dürften in der Regel beruflich stärker unter Spannung gestanden haben als die Gattinnen ihrer männlichen Kollegen, die zu 25,5 % gar nicht berufstätig waren.

Die Arbeitsbelastung wirkte sich auf die Schwangerschaften aus. Insgesamt 290 Chirurginnen (42,0 %) erlitten einen Schwangerschaftsverlust. Die Rate war laut Erika Rangel vom Brigham and Women’s Hospital in Boston, die die Ergebnisse der Umfrage ausgewertet hat, mehr als doppelt so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung. Zeit für eine Erholung blieb nach einer Fehlgeburt in der Regel nicht: 225 von 336 Frauen (75 %) sofort wieder am Arbeitsplatz. Nach einer Totgeburt nahmen sich 5 von 11 (45 %) eine Woche oder weniger frei.

Verglichen mit den Gattinnen ihrer Kollegen erlitten weibliche Chirurgen häufiger schwere Schwanger­schaftskomplikationen (48,3 % versus 27,2 %). Dazu gehörten Präeklampsien (16,6 % versus 6,3 %) und vorzeitige Wehen/Blasensprung (11,9 % versus 8,2 %). Die Kinder wurden häufiger per Kaiserschnitt geboren (25,5 % versus 15,3 %) und die Mütter litten häufiger unter postpartalen Depressionen (11,1 % versus 5,7 %). Auch Beschwerden des Bewegungsapparats (36,9 % versus 18,4 %) waren bei den Chirur­ginnen häufiger, ebenso untere Rückenschmerzen (26,6 % versus 11,4 %). Nachteile für die lebend gebo­renen Neugeborenen waren dagegen nicht erkennbar.

Die Ergebnisse zeigen nach Ansicht von Rangel einen dringenden Handlungsbedarf. Sie stellt im Anhang der Studie einen Katalog von Maßnahmen vor, der es Chirurginnen ermöglichen soll, sich ihren Kinder­wunsch auf gleiche Weise zu erfüllen wie andere Frauen ihres Alters. © rme/aerzteblatt.de

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