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Ärzteschaft

Sorge um Seuchengefahr im Hochwassergebiet

Freitag, 30. Juli 2021

/picture alliance, Jonas Güttler

Berlin – Die Amtsärzte sind besorgt über die Lage der medizinischen Grundversorgung in den Hoch­wasser­gebieten in Deutschland. Die Situation sei „nach wie vor erschreckend“ und in den betroffenen Regionen herr­sche Seu­chengefahr, sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Ge­sundheitsdienstes (BVÖGD), Ute Teichert, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Die Gesundheit der Bevölkerung in den Katastrophengebieten sei „massiv bedroht, weil die Infrastruktur nicht funktioniert“, so Teichert. Unter anderem seien in einigen Orten Krankenhäuser und Praxen zerstört worden.

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Teichert, die bis 2012 das Gesundheitsamt im flutbetroffenen Landkreis Ahrweiler leitete, erklärte, dass viele Menschen ohne dringend benötigte Medikamente auskommen müssten. Das sei besonders für Men­schen mit Krankheiten wie Diabetes oder Herzleiden ein großes Problem. Nun sei es wichtig, mobile Arzteinheiten zu organisieren und in die Orte zu bringen.

Aus Sicht der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz gibt es keine Hinweise auf eine Seu­chengefahr, sagte der Präsident der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz, Günther Matheis. Natürlich seien Arztpraxen geschlos­sen, doch es seien etwa von Apotheken Notdienste eingerichtet worden und mobile Arztpraxen im Ein­satz, um die Versor­gung der Menschen zu sichern, hieß es von der Kassen­ärzt­lichen Vereinigung des Landes.

Um die Vorsorge kümmert sich gerade das Deutsche Rote Kreuz. Eine Seuchengefahr solle so vermieden werden, erklärte DRK-Sprecherin Marion Müller. In Ahrweiler stehe ein Impfzentrum bereit, wo sich Be­troffene ebenso wie Helfer unkompliziert mit einer Einmalimpfung von Johnson & Johnson absichern könnten.

Eine Gefährdung für die Bevölkerung stelle derzeit die Umweltverschmutzung dar, so der Krisenstab. Es gehe dabei um die Verunreinigung von Wasser und Schlämmen durch Kraftstoffe, Fäkalien und Chemi­kalien: „Die Menschen müssen sich weiterhin sehr vorsichtig verhalten im Umgang mit Schlämmen und anderen Dingen“, sagte der Leiter des Krisenstabes, Thomas Linnertz, in Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Es sind natürlich auch Stoffe aus irgendwelchen Lagern ausgelaufen.“ Als Beispiel nannte er Pflanzen­schutz­mittel.

Er forderte die Menschen deshalb auf, Handschuhe und Schutzkleidung zu tragen und sich die Hände zu waschen. Zudem werde der Boden untersucht. „Damit wird man sich vermutlich noch längere Zeit ausein­andersetzen müssen“, sagte er.

Bei den Aufräumarbeiten passiere es schnell, dass kleine Verletzungen entstünden, erklärte DRK-Spre­cherin Müller. Nach Kontakt mit dem kontaminierten Schlamm könnten in diese Wunden Bakterien ein­dringen und Wundstarrkrampf, also Tetanus, verursachen. Auch deshalb seien im Hochwassergebiet drei mobile Arztpraxen eingerichtet worden.

„In den Containern können kleinere chirurgische Eingriffe, EKG und Ultraschall gemacht werden“, sagte Müller. Zudem gebe es dort Medikamente oder Rezepte. In Ahrweiler habe eine Apotheke rund um die Uhr geöffnet.

Darüber hinaus sollen Wasserentnahmestellen, mobile Duschen und Waschcontainer zum Wäsche waschen und trocknen die hygienische Situation verbessern und das Infektionsrisiko senken. Rettungs­wagen des Roten Kreuzes und anderer Organisationen seien im gesamten Gebiet verteilt, um die Notfall­versorgung zu sichern.

In einem internen Bericht der Direktion Bereitschaftspolizei der Bundespolizei, aus dem Bild gestern zitierte, heißt es, die Versorgung der Bevölkerung werde von den Einsatzkräften in Rheinland-Pfalz als „problematisch bewertet“. Viele Betroffene seien stark traumatisiert, die Akzeptanz gegenüber den Ein­satzkräften „sinkt stetig“.

Das habe nicht nur damit zu tun, dass die Versorgung mit Trinkwasser und Strom in den Katastrophen­gebieten von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz teilweise noch nicht vollständig wieder gewähr­leistet sei, sagte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) für die Bundespolizei, Andreas Roß­kopf. Den Polizisten schlage auch Wut entgegen, wenn sie Menschen, die ihr Hab und Gut retten wollten, am Betreten ihrer einsturzgefährdeten Häuser hindern müssten.

Das Hochwasser vom 14. Juli hatte das Ahrtal besonders schlimm getroffen. Zuletzt wurden 134 Tote gezählt. Als vermisst galten 69 Menschen. Die Zahl der Verletzten nach dem Starkregen und den dadurch ausgelösten Sturzfluten war zuletzt mit 766 angegeben worden. © dpa/aerzteblatt.de

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