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Medizin

Typ-2-Diabetes im Jugendalter führt in US-Studie früh zu Spätkomplikationen

Donnerstag, 2. September 2021

/Andrian, stock.adobe.com

Rockville/Maryland – Menschen, die bereits als Jugendliche an einem Typ-2-Diabetes erkranken, ent­wickeln häufig bereits im frühen Erwachsenenalter Spätkomplikationen der Erkrankung. In einer US-Langzeitstudie hatte die Mehrzahl der Patienten im Alter von Mitte 20 neben den typischen Stoffwech­sel­störungen auch 1. Hinweise auf dauerhafte Organschädigungen, wie die jetzt im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2100165) publizierten Ergebnisse zeigen.

Die „Treatment Options for Type-2-Diabetes in Adolescents and Youth“ oder TODAY-Studie hatte 2004 an einer Gruppe von 699 Typ-2-Diabetikern im Alter von 10 bis 17 Jahren mit 3 Strategien versucht, eine weitere Verschlechterung des Blutzuckers zu verhindern. Mit Metformin, dem Standardmittel für den Typ-2-Diabetes bei älteren Patienten, gelang dies nur bei jedem 2. Patienten. Eine zusätzliche Lebensstil­intervention verbesserte die Ergebnisse kaum.

Etwas besser waren die Ergebnisse im 3. Studienarm mit einer Kombination aus Metformin und dem Insulinsensitizer Rosiglitazon. Das Mittel wird wegen möglicher kardialer Risiken jedoch kaum noch eingesetzt. In Europa wurde es 2000 vom Markt genommen.

Am Ende der Studie hatten die meisten Teilnehmer weiterhin eine diabetische Stoffwechsellage. Den Jugendlichen war es nicht gelungen, ihren Lebensstil zu ändern. Nur wenige hatten ihren Body-Mass-Index von 35,1 kg/m2 zu Beginn der Studie senken können, und die Bereitschaft, die Therapie einzuhal­ten, hatte im Verlauf der 5-jährigen Studie immer weiter abgenommen. Die Therapieadhärenz war auf 57 % gefallen.

Nach dem Ende der randomisierten Studie wurden die Teilnehmer eingeladen, an der Folgestudie TODAY2 teilzunehmen. Im 1. Teil (T2P1) kümmerte sich das National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases noch um die Behandlung. Im 2. Teil (T2P2) wurde dies den betreuenden Ärzten überlassen.

Inzwischen haben die 500 Teilnehmer ein mittleres Alter von 26,4 Jahren erreicht. Der Typ-2-Diabetes besteht bei ihnen mittlerweile 13,3 Jahre und der Blutzucker hat sich weiter verschlechtert. Der Anteil der Patienten mit einem für Diabetiker passablen HbA1c-Wert von unter 6,5 % ist von 75 % zu Beginn der TODAY-Studie auf zuletzt 19 % gefallen. Insgesamt 34 % hatten einen HbA1c-Wert von über 10 % (zwischenzeitig waren es sogar 45 %), der keine gute Entwicklung verheißt.

Tatsächlich haben viele Patienten bereits erste Folgeschäden des Typ-2-Diabetes entwickelt. Dazu gehörte laut Kimberly Drews von der George Washington University in Rockville/Maryland und Mitar­beitern bei 67,5 % der Teilnehmer eine arterielle Hypertonie. Bei 54,8 % wurde eine diabetische Nieren­erkrankung diagnostiziert. Nervenschäden (Polyneuropathie) wurden bei 32,4 % festgestellt. Die Präva­lenz von Netzhauterkrankungen einschließlich fortgeschrittener Stadien ist von 13,7 % im Zeitraum 2010/11 auf 51,0 % im Zeitraum 2017/18 gestiegen. Bei 28,4 % der jungen Erwachsenen liegen bereits gleichzeitig 2 Spätkomplikationen vor.

Bei den Komplikationen handelt es sich keinesfalls nur um lästige Untersuchungsbefunde, die sich verdrängen lassen. Studienleiter Philip Zeitler vom Anschutz Medical Campus der Universität von Colo­rado in Denver warnt, dass viele Teilnehmer schon bald die Folgen zu spüren bekommen. Viele Patienten würden schon bald wegen eines Nierenversagens dialysepflichtig.

Die Gefäßerkrankungen infolge der Hypertonie könnte auch im junge Alter zu Schlaganfällen und Herz­infarkten führen. Die Netzhauterkrankungen hätten Sehstörungen und Erblindungen zur Folge und auch Amputationen von Füßen und Zehen könnten bei einigen Patienten bereits im Alter von Ende 30 not­wen­dig werden, befürchtet der Forscher. © rme/aerzteblatt.de

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