NewsPolitikDas Ende kostenfreier Coronatests: Ministerium peilt Oktober an
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Das Ende kostenfreier Coronatests: Ministerium peilt Oktober an

Dienstag, 3. August 2021

/picture alliance, ROBIN UTRECHT, ROBIN UTRECHT

Berlin – Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) schlägt ein Ende der kostenfreien Coronaschnell­tests für alle Bürger für Mitte Oktober vor. Da mittlerweile allen Bürgern ein unmittelbares Impfangebot ge­macht werden könne, sei eine dauerhafte Kostenübernahme durch den Steuerzahler nicht angezeigt, heißt es in einem Ministeriumsbericht zum weiteren Vorgehen im Herbst und Winter, der den Ländern und dem Bundes­tag zugesandt wurde.

Daher werde vorgeschlagen, dass der Bund das Angebot kostenfreie Bürgertests für alle Mitte Oktober beendet – etwa zum 11. oder zum 18. Oktober. Nur für Personen, die nicht geimpft werden können oder für die keine allgemeine Impfempfehlung vorliege wie Schwangere oder Unter-18-Jährige, solle es wei­terhin kostenfreie Schnelltests geben.

Anzeige

„Die kostenlosen Bürgertests haben einen wichtigen Beitrag geleistet, um die dritte Welle zu brechen und um den Bürgerinnen und Bürgern zusätzliche Sicherheit für ihren Alltag zu geben“, heißt es in dem Bericht. Dabei sollten Schnelltests „nicht über Nacht plötzlich kostenpflichtig“ werden, sagte die stellver­tretende Sprecherin Ulrike Demmer. Der Bund übernimmt seit März die Kosten für mindestens einen Schnelltest pro Woche.

Aus Sicht des BMG sind zur Eindämmung einer neuen großen Infektionswelle in den nächsten Monaten weitere Coronavorgaben erforderlich. Mit Blick auf Herbst und Winter brauche es weiterhin Schutzmaß­nahmen, „um das Gesundheitswesen vor einer übermäßigen Belastung und die Personengruppen, die noch nicht geimpft werden können, vor einer möglichen folgenreichen Erkrankung zu schützen“, heißt es in dem Bericht.

Schutzmaßnahmen könnten aufgrund der fortgeschrittenen Impfkampagne gleichwohl moderater aus­fallen als im letzten Herbst und Winter. „Ein so einschneidender Lockdown wie in der zweiten und dritten Welle wird aller Voraussicht nach nicht notwendig sein“, heißt es im Bericht.

Konkret sei demnach neben einer hohen Impfquote „durchgängig und inzidenzunabhängig“ das weitere Einhalten von Basis-Maßnahmen wie Abstand, Hygiene und Maskentragen nötig – und zwar überall dort, wo in geschlossenen Räumen viele Menschen zusammentreffen, bei denen der Impfstatus nicht bekannt ist, oder unter denen besonders verletzliche Personen sein könnten.

Die Notwendigkeit zum verpflichtenden Tragen einer medizinischen Schutzmaske ergebe sich somit „bis ins Frühjahr 2022“ insbesondere im öffentlichen Nah- und Fernverkehr sowie im Einzelhandel - „für alle, auch für Geimpfte und Genesene“.

Mit Blick auf Schutzmaßnahmen erläutert das Ministerium, Impfen und Testen verhinderten mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass Personen mit hoher und damit infektiöser Viruslast einen Raum betreten. „Daher sollte unabhängig von der Inzidenz ab Anfang/Mitte September 2021 die Teilnahme an bestimmten Ver­anstaltungen in ganz Deutschland generell nur unter Einhaltung der 3G-Regel (3G: geimpft, genesen oder getestet) möglich sein.“ Genannt werden Innengastronomie, Hotelübernachtungen, körpernahe Dienstleistungen, Sport und Veranstaltungen drinnen, Großveranstaltungen drinnen und draußen.

Insbesondere für Ungeimpfte könnten abhängig von der Impfquote, der Inzidenz nach Altersgruppen und der Rate schwerer Klinikfälle nach Altersgruppen ab bestimmten Grenzwerten erneut weitergehende Ein­schränkungen notwendig werden, heißt es in dem Bericht. Dazu zählten insbesondere Kontaktbe­schränkungen sowie die Begrenzung der Teilnahme oder der Ausschluss von der Teilnahme nicht geimpf­ter Personen an Veranstaltungen und in der Gastronomie („2G statt 3G“).

Das Gesundheitsministerium erläutert in dem Bericht: „Eine vierte Welle kündigt sich an – wenn auch noch (!) auf niedrigem Niveau. Neben dem verstärkten Eintrag von Infektionen durch Reiserückkehrer nähert sich das Kontaktverhalten der Bevölkerung dem Verhalten der Zeiten vor der Pandemie aktuell schrittweise wieder an.“ Im Herbst und Winter träten zudem saisonal verstärkende Effekte des Virus wieder auf. „Die entscheidende Frage ist also: Wie hoch wird diese vierte Welle? Das entscheidet sich jetzt.“

Über den Umgang mit steigenden Infektionszahlen und kostenfreien Schnelltests auf SARS-CoV-2 wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder am 10. August beraten, wie die Bundesregierung angekündigt hatte. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #789658
2haeschen
am Mittwoch, 4. August 2021, 17:39

@Hortensie

Ich finde es ebenfalls beschämend, eine Zeit lang wird es mit dem Mobb. wohl so weiter gehen ... mit etwas Glück steigen die Zahlen nicht so sehr, da die Geimpft. ja nicht getestet werden ...

Ich war während der "Pand."-Zeit durchgehend auf Arbeit, mit und ohne Kind, ich war oft Samstags arbeiten, da das Kind dann anders betreut werden konnte. Meine Tätigkeit ist soz.vers.- und steu.-pflichtg.
Ich war nicht beim Arzt in dieser Zeit, ich war nicht krank und nicht krankgeschrieben und nicht in Quarantäne. Ich habe bisher nicht einen einzigen "kostenlosen" Test in Anspruch genommen.
Für meine jüngere Tochter habe ich einen Bluttest im Labor (ohne Kinderarzt, der Blut abnehmen müsste) selbst gezahlt, da ich interessiert war, ob sie vielleicht unbemerkt C. hatte. Negativ. - keine Antik. gefunden. (Im Bekanntenkreis habe ich 2 solche Fälle, kein pos. Test, aber Antik. - beide zählen übrigends nicht als Genesen!)

Also, ich kann nicht erkennen, an welcher Stelle ich (ungeim.) jemals den Steuerzahl. während der Pand. in Anspruch genommen habe.

Andererseits muss ich mich offiziell als Impfverw. bezeichnen lassen.

Ich wünsche Ihnen eine Lösung ohne Erpressg. für Ihr Test-Dilemma ...
Avatar #831974
BB-DD
am Mittwoch, 4. August 2021, 14:28

@Hortensie

Leider ist vieles ein Trugschluss. Nehmen wir mal die Antigentests - verknüpft mit der Annahme, wir haben eine tatsächliche Verbreitung an Corona von 1%.
Für Menschen ohne Symptome, bei denen PCR-Tests Genomstücke von SARS-Cov2 auffinden kann, liegt die Sensititvität niedrig, sagen wir 30%. Die Spezifität ist beachtlich gut - und durch massenhafte Testung in Schulen an meist symptomlosen Kindern bestätigt. Sagen wir 99.9%.
Dann haben Sie ohne Test eine Wahrscheinlichkeit, das Virus NICHT zu haben, von 99%. Nach dem Test haben Sie diese Chance auf 99.3% erhöht. Von 1000 Menschen, bei denen mit PCR das Virus nachweisbar wäre, finden Sie 300. 700 können trotzdem ins Altersheim rein. Ob diese Menschen ansteckend sind, ist wenig wahrscheinlich, aber möglich.
Nun haben Sie Husten und Schnupfen. Sie gehören nun zu einer Gruppe, die eine höhere Vortestwahrscheinlichkeit hat. In der "Coronawelle" waren im nationalen Referenzzentrum meist weniger als 20% der Proben Kranker aus den Sentinelpraxen positiv auf Corona - sagen wir also 20%. Dann wird, sofern Sie den Antigen-Test machen mit vielleicht 70% das Virus auch gefunden. Das heißt, von 1000 solchen Menschen, weist man bei 700 das Virus nach, bei 300 nicht. Dass diese 300 dann wahrscheinlicher ansteckend sind, leuchtet ein. Jetzt nehmen wir einen negativen Test. In diesem Fall erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, den Schnupfen NICHT vom Coronavirus zu haben von 80% auf 93%. Das ist schon besser. Nur - spielt das denn eine Rolle? Gehen Sie mit Husten und Schnupfen überhaupt zur Oma, oder würden Sie für diese Woche absagen?
Von falsch positiven Fälle müssen wir noch reden: Die haben Sie in letzterem Fall tatsächlich selten zu erwarten: bei nur 0.6% der positiven Tests. Im ersten Fall, wo die Wahrscheinlichkeit, einen PCR-nachweisbaren "Fall" aufzuspüren gering ist und die Erhöhung der "Sicherheit" marginal, aber immerhin bei 25% der (seltenen) positiven Tests.
Wenn wir mit Erkältung zu Hause bleiben, sind Tests sinnlos!
Avatar #830245
Hortensie
am Mittwoch, 4. August 2021, 12:34

Kann ein Ungeimpfter also nicht mehr die Eltern im Altenpflegeheim besuchen oder ...

Kann ein Ungeimpfter also nicht mehr die Eltern im Altenpflegeheim besuchen oder selbst als Patient ins Krankenhaus gehen?
DAS wären 2 Fragen, die mich stark interessieren. Denn nur zu diesen beiden Zwecken benötige ich Tests.

Ich halte die Abschaffung der kostenfreien Tests für völlig kontraproduktiv.
Die kostenfreien Tests haben dazu geführt, dass sich bei uns die Inzidenzzahlen so deutlich senkten.
Wenn diese Tests nun kostenpflichtig werden, werden sie kaum noch gemacht werden.
Folge wird sein, dass jetzt, wo wir am Anfang der 4. Welle stehen, viele Infektionen unerkannt bleiben und sich viel mehr Menschen also anstecken werden.
Dass unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Geimpfte sich anstecken können und dabei dieselbe Virenlast haben, wie ein angesteckter Ungeimpfter, keine Testpflicht für Geimpfte mehr besteht, ist ebenfalls ein Fehler.
Mit diesem "Geiz" tut die CDU-Regierung ihren Bürgern mehr schaden wie nutzen.

Hinzu kommt die in Südamerika bereits grassierende Lambda-Variante, die gegen alle Impfstoffe resistent sein soll ...
Aber ein Lichtblick sehe ich:
Es sind BT-Wahlen im September ...
Avatar #789658
2haeschen
am Dienstag, 3. August 2021, 18:53

Also doch keine Impfempfehlung für Schwangere und unter 18-jährige?

.... Nur für Personen, die nicht geimpft werden können oder für die keine allgemeine Impfempfehlung vorliege wie Schwangere oder Unter-18-Jährige, solle es wei­terhin kostenfreie Schnelltests geben ...

Kann man sich denn an die gestern gefassten Empfehlungen heute noch erinnern? Es wäre doch einiges leichter ....

Und noch eine Frage ... welche Personen können nicht geimpft werden? Das war aus meiner Erfahrung heraus in der Vergangenheit immer schon etwas undurchsichtig.
LNS
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER