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Medizin

Weißwedelhirsche in mehreren US-Staaten mit SARS-CoV-2 infiziert

Mittwoch, 4. August 2021

Nordamerikanischer Weißwedelhirsch (Odocoileus virginianus). /Paul, stock.adobe.com

Fort Collins/Colorado – Nordamerikanische Weißwedelhirsche, die sich gerne in der Nähe von mensch­lichen Siedlungen aufhalten, sind einer Studie in bioRxiv (2021; DOI: 10.1101/2021.07.29.454326) zu­folge zu 40 % mit SARS-CoV-2 infiziert. Das Rotwild könnte zu einem neuen Reservoir des Pandemie­virus geworden sein.

Der Ursprung von SARS-CoV-2 wird im Tierreich vermutet, und das Pandemievirus hat seit seiner Ent­deckung mehrfach bewiesen, dass es vom Menschen auf Tiere übertragen werden kann. Das Virus wurde bei Löwen und Tigern im Zoo nachgewiesen. Es kann Frettchen, Katzen, Hunde und andere Haustiere infizieren und sich rasch in Nerzfarmen ausbreiten. Bei wild lebenden Tieren wurde es bisher nicht nach­gewiesen (auch wenn seine Herkunft in Fledermausarten vermutet wird).

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Um so überraschender ist die Nachricht, dass SARS-CoV-2 offenbar Rotwild infizieren kann. Der Weiß­wedelhirsch (Odocoileus virginianus) ist von Südkanada bis Peru und Nordbrasilien verbreitet. Allein in den USA soll es 30 Millionen Tiere geben. Diese sind weniger scheu als ihre europäischen Verwandten und halten sich häufig in der Nähe von menschlichen Siedlungen auf.

Dies hat eine Forschergruppe um Susan Shriner vom „Animal and Plant Health Inspection Service“ des US-Landwirtschaftsministeriums in Fort Collins/Colorado veranlasst, in Blutproben von O. virginianus nach Antikörpern gegen SARS-CoV-2 zu suchen.

Insgesamt wurden 624 Blutproben aus der Zeit vor und während der aktuellen Pandemie untersucht. Die Proben aus der Präpandemiezeit waren mit Ausnahme einer vermutlich falsch positiven Probe negativ. Unter den Proben von 2021 waren jedoch 152 (40 %) positiv. Die Blutproben stammen von Tieren aus den Staaten Illinois, Michigan, New York und Pennsylvania. Dies bedeutet, dass es sich nicht um einen lokalen Ausbruch handelt. Das Virus scheint sich unbemerkt unter dem Rotwild ausgebreitet zu haben.

Da es bislang nicht in verendeten Tieren gefunden wurde, könnte die Infektion bei den Tieren asympto­matisch verlaufen. Dafür sprechen auch frühere Infektionsversuche von US-Forschern, die nach Angaben des US-Landwirtschaftsministeriums an in Gefangenschaft gehaltenen Hirschen durchgeführt wurden. Bei keinem der Tiere seien klinische Anzeichen einer Krankheit gefunden worden, heißt es.

Wenn sich die Viren von selbst unter den Weißwedelhirschen verbreitet haben, wovon wohl auszugehen ist, dann wären alle Voraussetzungen für ein dauerhaftes Reservoir des Virus in der freien Natur gegeben. SARS-CoV-2 könnte sich dort ausbreiten, sich genetisch verändern und später wieder auf den Menschen übertragen werden.

Unklar ist, wie das Virus zu den Hirschen gelangt sein könnte. Die Tiere könnten sich durch den Kontakt mit Menschen, mit Haustieren oder auch durch kontaminierte Abwässer infiziert haben. © rme/aerzteblatt.de

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Ferdinand Wolfbeißer
am Donnerstag, 5. August 2021, 13:35

Tiere

haben den Vorteil, dass ihr Organismus bei einer Infektion umgehend mit einer Erhöhung der Syntheserate bei der Ascorbinsäure reagiert. Aus der Wikipedia: Im Gegensatz dazu produzieren viele Tiere selbst Vitamin C. Große Hunde oder kleine Kälber, die etwa das Körpergewicht eines Menschen haben, stellen 1 bis 2 g täglich her, bei Krankheit bis zu 10 g.
Ascorbinsäure ist maßgeblich an der Bildung von Killerzellen beteiligt und imstande, die von Krankheitserregern emittierten Toxine zu neutralisieren.
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