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Medizin

Studie: Long COVID bei Kindern und Jugendlichen eher selten

Mittwoch, 4. August 2021

/famveldman, stock.adobe.com

London – Kinder und Jugendliche erholen sich in der Regel innerhalb weniger Tage von einer Infektion mit SARS-CoV-2. Längere Erholungsphasen mit Residualsymptomen, auch als Long COVID bezeichnet, sind nach den Ergebnissen einer prospektiven Kohortenstudie in Lancet Child & Adolescent Health (2021: DOI: 10.1016/S2352-4642(21)00198-X) eher selten.

Die Pandemie hat sich in den letzten Wochen und Monaten in jüngere Altersgruppen verlagert. Die zu­nehmende Durchimpfung der Bevölkerung wird vermutlich dazu führen, dass in Zukunft vor allem Kinder und Jugendliche erkranken werden. Über den Verlauf in dieser Altersgruppe ist bisher wenig bekannt, mit der Ausnahme des multisystemischen Entzündungssyndroms (MIS-C), das eine entzündliche Spätreaktion auf die Infektion ist und nur in Ausnahmefällen auftritt.

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Einblicke in den Verlauf einer „normalen“ Infektion ermöglichen die Nutzer einer „COVID Symptom“-App, die das Start-Up-Unternehmen Zoe Global im letzten Jahr in den App-Stores von Apple und Android ver­öf­fentlicht hat.

In einer früheren Auswertung hatte das Gründungsmitglied Tim Spector, ein Epidemio­loge am King’s College in London, bereits den Verlauf der Erkrankung bei 18.401 Erwachsenen beschrie­ben, die sich wegen Symptomen auf SARS-CoV-2 hatten testen lassen.

Damals hatte sich herausgestellt, dass Geruchs- und Geschmacksstörungen (Nature Medicine, 2020; DOI: 10.1038/s41591-020-0916-2) mit einer Häufig­keit von 66 % ein Leitsymptom der Erkrankung sind und dass 13,3 % der Erwachsenen noch nach 4 Wochen (LC28) und 4,5 % noch nach 8 Wochen (LC56) über Symptome klagen (Nature Medicine, 2021; DOI: 10.1038/s41591-021-01292-y), die heute als Long COVID bezeichnet werden.

Jetzt hat ein Team um Emma Duncan vom King’s College die Daten zu 75.529 auf SARS-CoV-2 getesteten Kindern im Alter von 5 bis 17 Jahren ausgewertet (die von erwachsenen Erziehungsberechtigten einge­ge­ben wurden). Bei 1.734 Kindern war der Test positiv ausgefallen. Die Erkrankung verlief bei ihnen in der Regel milde. Die häufigsten Symptome waren Kopfschmerzen (62,2 %) und eine Abgeschlagenheit (Fatigue 55,0 %). Fieber war nur bei 37,7 % und ein starker Husten nur bei 25,5 % aufgetreten. Unter einem Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns litten 39,6 % der Kinder und damit seltener als die Erwachsenen.

Auch die Dauer der Erkrankung war mit durchschnittlich 6 Tagen deutlich kürzer als bei den Erwach­senen, die im Mittel 11 Tage an der Infektion laborierten. Ältere Kinder (12 bis 17 Jahre) erkrankten mit 7 Tagen tendenziell länger als die jüngere Altersgruppe von 5 bis 11 Jahren, die sich im Mittel nach 5 Tagen erholt hatte.

Ein Long COVID wurde von den Anwendern der App selten angegeben: Bis auf 77 Kinder (4,4 %) hatten sich alle nach 28 Tagen erholt (LC28). Auch hier war der Anteil bei Teenagern mit 5,1 % höher als bei jüngeren Kindern, von denen nur 3,1 % das LC28-Kriterium erfüllten. Die Symptombelastung hatte zu diesem Zeitpunkt mit median 2 Symptomen deutlich abgenommen gegenüber median 6 Symptomen in der 1. Krankheitswoche.

Nur 25 Kinder (1,8 %) hatten auch nach 56 Tagen noch Symptome, so dass ein Long COVID nach Ein­schätzung von Duncan eher die Ausnahme sein dürfte. Eine verzögerte Erholung trat gelegentlich auch bei den Kindern mit einem negativen SARS-CoV-2-Test auf, die vermutlich an anderen Atemwegserkran­kungen gelitten hatten. Auch hier hatten 0,9 % der Kinder nach 28 Tagen noch Nachwirkungen ihrer Infektion (deren Verursacher nicht ermittelt wurde). Die Symptombelastung war bei diesen Kindern sogar höher als in den wenigen Fällen mit Long COVID.

Da die Forscher die Daten bis Ende Februar ausgewertet haben, als das Infektionsgeschehen noch von der Alpha-Variante beherrscht wurde, sind die Ergebnisse nur bedingt auf die aktuelle Situation über­trag­bar. Ob die Kinder unter der Delta-Variante schwerer und länger erkranken, ist bisher nicht bekannt. © rme/aerzteblatt.de

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