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Medizin

England: Coronainfektionen bei doppelt geimpften Personen 3 Mal niedriger

Mittwoch, 4. August 2021

/picture alliance, Keita Iijima

London – Die Delta-Variante hat in England, das weltweit mit die höchste Impfquote hat, offenbar zu einem leichten Rückgang der Impfstoffwirkung geführt. Doppelt geimpfte Personen erkrankten laut den aktuellen Ergebnissen der „REACT 1“-Studie jedoch 3-fach seltener als ungeimpfte Personen. Der Anstieg der Fallzahlen war zuletzt vor allem auf Infektionen von jüngeren Menschen zurückzuführen.

Das britische Gesundheitsministerium lässt seit dem April letzten Jahres in der „REal-time Assessment of Community Transmission-1“ („REACT-1“) monatlich die Ausbreitung von SARS-CoV-2 in einer repräsen­tativen Stichprobe der Bevölkerung untersuchen.

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Die Teilnehmer werden gebeten, einen Abstrich bei sich durchzuführen und zusammen mit einem Frage­bogen zurückzuschicken. In der jüngsten 13. Runde von Mitte Juni bis Mitte Juli gab es 98.233 Rücksen­dungen. In 527 Abstrichen wurde SARS-CoV-2 nachgewiesen. Die gewichtete Prävalenz war damit gegen­über der 12. Runde von 0,15 % auf 0,63 % angestiegen.

Das Virus hat sich nach den von Paul Elliott, Imperial College London, und Mitarbeitern vorgestellten Daten vor allem in der jüngeren Bevölkerung ausgebreitet. Bei den 13- bis 24-Jährigen betrug die Präva­lenz 1,56 %. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vormonat, als die Prävalenz bei 0,16 % (13 bis 17 Jahre) und 0,36 % (18 bis 24 Jahre) gelegen hatte.

In einer vorläufigen Auswertung zur 13. Runde von „REACT 1“ hatten die Epidemiologen dies Anfang Juli mit der Euro 2020 in Verbindung gebracht, während der sich vor allem junge Männer nicht an die Abstandsregeln gehalten hatten. Ein weiterer Grund dürfte die Ausbreitung der Delta-Variante sein, die als infektiöser eingestuft wird als die Alpha-Variante. Mittlerweile hat Delta in England Alpha völlig verdrängt. In allen 254 genotypisierten Proben wurde Delta nachgewiesen.

Die Schutzwirkung der Impfstoffe gegen Delta ist vermutlich herabgesetzt. Auch in England ist es zu Durchbruchinfektionen gekommen. Insgesamt 44 % aller Infektionen entfielen auf Personen, die doppelt geimpft waren. Die Prävalenz war bei den durchgeimpften Personen mit 0,40 % jedoch 3 Mal niedriger als bei den ungeimpften Personen, von denen sich 1,21 % infiziert hatten.

Die Impfstoffwirksamkeit ist bei den 18- bis 64-Jährigen gegenüber der 12. Runde von 64 % auf 49 % gefallen. Der Impfschutz gegen eine symptomatische Erkrankung ging von 83 % auf 59 % zurück. Diese Zahlen beruhen auf den Angaben der Befragten zu einer Infektion (die nicht immer stimmen müssen). Unter den Teilnehmern, die einem Abgleich mit den Laborergebnissen zustimmten, betrug die Impfstoff­wirksamkeit noch 62 % gegenüber 75 % im Monat zuvor.

Die Impfstoffwirksamkeit fällt damit vor dem Hintergrund der Delta-Variante (und vielleicht auch mit zunehmender zeitlicher Distanz zur Impfung) geringer aus als in den klinischen Studien. Die beiden in England verwendeten Impfstoffe hatten dort eine Effektivität von 95 % (Biontech/Pfizer) beziehungs­weise etwa 80 % (Astrazeneca) erzielt.

Die Teilnehmer von „REACT 1" waren auch nach Infektionen in Familie und Bekanntenkreis gefragt worden: Personen mit Kontakt zu COVID-19-Fällen waren deutlich häufiger mit SARS-CoV-2 infiziert. Auch hier waren Personen ohne Impfstoff (Prävalenz 7,46 %) deutlich häufiger infiziert als doppelt geimpfte Personen (Prävalenz 3,89 %).

Die Studie bestätigt damit, dass eine Impfung im Alltag das Infektionsrisiko senkt, aber keinen absoluten Schutz bietet. Das Robert-Koch-Institut (RKI) rät Geimpften nicht ohne Grund, die Infektionsschutz­maßnah­men weiter einzuhalten. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 4. August 2021, 18:00

Größte Impfquote gepaart mit grenzenloser Unvernunft?

Großbritannien (GB) hat nicht nur weltweit mit die höchste Impfquote, sondern auch ein Höchstmaß an Unvernunft, was die möglichen Schutzmaßnahmen gegen SARS-CoV-2-Infektionen und COVID-19-Erkrankungen angeht.
Insbesondere der durch einen Corona verwirrten Ministerpräsidenten Boris Johnson unbeirrt verkündete "Freedom Day" mit Aufhebung aller möglichen Schutz- und Barrieremaßnahmen und eine hemmungslose Fußball-Europameisterschaft mit Stadion-Exzessen hat die extreme Ausbreitung der "Delta-Variante" begünstigt und beflügelt.
Die Briten werden sich noch wundern, wenn Ihnen spätestens im Herbst die 4. CORONA-Welle um die Ohren fliegt.
Ganz anders die VR CHINA: Da werden bei der Prävention, Ein- und Ausgrenzung ganz andere Saiten aufgezogen.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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