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Ausland

Coronalage in Olympia-Stadt Tokio verschärft sich

Mittwoch, 4. August 2021

/picture alliance, AP, Kantaro Komiya

Tokio – Während der Olympischen Spiele verschärft sich die Coronasituation in Tokio und anderen Gebie­ten des Landes immer weiter. Die Neuinfektionen in der Olympia-Stadt stiegen gestern wegen der rasan­ten Ausbreitung der Delta-Variante des Virus auf 4.166 Fälle und damit auf den höchsten Stand seit dem Ausbruch der Pandemie.

Im Vergleich zum Mittwoch der Vorwoche ist das ein Anstieg von 989 Infektio­nen. Landesweit überschritt die Zahl der Neuinfektionen binnen 24 Stunden die Höchstmarke von 14.000 Fällen. Der wichtigste Co­ronaberater der Regierung, der Mediziner Shigeru Omi, warnte gestern, dass die Zahl der Neuinfektionen in Tokio im „schlimmsten Fall“ an einem Tag auf 10.000 Fälle steigen könnte.

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Die relativ wenigen Infektionsfälle in der vom Rest der Stadt abgeschotteten olympischen Blase hätten zwar keinen direkten Zusammenhang mit der rasanten Ausbreitung des Virus in der Stadt. Aber dass die Spiele überhaupt stattfinden, habe „einen Einfluss auf das Bewusstsein der Menschen“, wurde Omi ges­tern weiter zitiert.

Kritiker beklagen seit längerem, dass die olympische Dauerbeschallung durch die japanischen Medien mit dazu beitragen würde, dass vor allem jüngere Japaner das Coronavirus nicht mehr so ernst nehmen.

IOC-Präsident Thomas Bach hatte das Gegenteil behauptet. „Dass die Leute so begeistert sind über etwas anderes, dass sie dafür eine Coronainfektion in Kauf nehmen, das kann ich nicht sehen“, sagte er.

Doch obwohl sich Tokio im vierten Notstand befindet, der auch in anderen Regionen vorerst bis zum 31. August angesetzt ist, tut sich die Hauptstadt schwer, die Infektionswelle in den Griff zu bekommen.
Außer dem Einfluss der Olympischen Spiele nannte Omi laut der Zeitung Mainichi Shimbun als weitere Faktoren die erheblich ansteckendere Delta-Variante und den Umstand, dass der Notstand kaum noch greift.

Um einen drohenden Mangel an Krankenhausbetten zu verhindern, dürfen nach einer heftig umstritte­nen Entscheidung der Zentralregierung in Gebieten mit steigenden Infektionszahlen nur noch Patienten mit schweren Symptomen beziehungsweise solche, bei denen das Risiko einer schweren Erkrankung besteht, ins Krankenhaus. Der plötzliche Kurswechsel der Regierung sorgte für einen Sturm der Empö­rung.

Selbst aus der Liberaldemokratischen Partei (LDP) von Partei- und Regierungschef Yoshihide Suga wurden Forderungen laut, die Entscheidung rückgängig zu machen. Es wird befürchtet, dass Patienten mit milden Symptomen, die jetzt zu Hause bleiben müssen, plötzlich schwer erkranken und dann allein gelassen sind. Der Coronaberater der Regierung, Omi, sagte, er sei vorher nicht konsultiert worden.

Die Delta-Variante des Virus sei ein „extrem starker Feind“, sagte Tokios Gouverneurin Yuriko Koike. Nun will man über Ausgangssperren nachdenken. Doch vorerst bleibt es bei den Appellen an die Bürger, trotz der Sommerferien und des bevorstehenden buddhistischen Ahnenfestes Obon zu Hause zu bleiben. Die Gesellschaft müsse wieder ein „gemeinsames Krisenbewusstsein entwickeln“, um einen Zusammenbruch des Gesundheitssystems zu verhindern, forderte Omi.

In der olympischen Blase wurde derweil das komplette griechische Synchronschwimm-Team nach meh­re­ren positiven Coronatests in ein Quarantänehotel geschickt. Wie die Olympiaorganisatoren gestern mitteilten, wurden vier Schwimmerinnen und ein Betreuer positiv getestet.

Insgesamt gab es 29 neue Coronavirusfälle im Zusammenhang mit den Sommerspielen. Das ist ein Tageshöchstwert seit Beginn der Erfassung am 1. Juli. Insgesamt beträgt die Zahl der Infektionen im Umfeld der Spiele nun 327, darunter sind 29 Athletinnen oder Athleten. © dpa/aerzteblatt.de

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