NewsAuslandAuffrischimpfungen: WHO verlangt Moratorium, Ärzte weisen auf ärztliche Fürsorge hin
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Auffrischimpfungen: WHO verlangt Moratorium, Ärzte weisen auf ärztliche Fürsorge hin

Donnerstag, 5. August 2021

/picture alliance, ZUMAPRESS.com, Chaiwat Subprasom

Genf – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert einen vorübergehenden Stopp von Auffrisch­im­pfungen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2, so lange noch viele ärmere Länder auf Impfdosen warten. Widerspruch kommt von Ärzten.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus kritisierte die in mehreren Ländern erörterten Pläne für solche Impfungen gestern in Genf. Bereits begonnene Auffrischimpfungen sollten ausgesetzt und Pläne dafür bis mindestens Ende Sep­tember auf Eis gelegt werden, bis mindestens zehn Prozent der Menschen in allen Ländern der Welt geimpft seien.

Anzeige

„Länder mit hohen Einkommen haben 100 Impfdosen pro 100 Einwohner verabreicht“, sagte Tedros. „Gleichzeitig konnten Länder mit niedrigen Einkommen nur 1,5 Dosen pro 100 Menschen verabreichen, weil ihnen Impfstoff fehlt. Wir brauchen dringend eine Kehrtwende, so dass die Mehrheit der Impfstoffe in Länder mit niedrigen statt hohen Einkommen geht.“

Das Weiße Haus wies den Appell der WHO zurück. Dies sei nach Ansicht der US-Regierung die „falsche Wahl“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, in Washington. „Wir glauben, dass wir beides machen können und diese Wahl nicht treffen müssen.“

Die USA hätten bislang bereits mehr als 110 Millionen Impfdosen an andere Staaten gespendet, mehr als jedes andere Land auf der Welt. Noch im August werde die Verteilung von weiteren 500 Millionen Impf­dosen an andere Staaten beginnen.

Gleichzeitig hätten die USA genug Impfdosen für die eigene Bevölkerung - auch um möglicherweise Teile der Bevölkerung mit Auffrischungsimpfungen zu versorgen, sofern die zuständige US-Arzneimittelbe­hörde dies empfehlen sollte.

Leif Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung, Charité – Universitätsmedizin Berlin, wies darauf hin, dass man den Patienten in der Debatte nicht aus dem Blick verlieren dürfe.

„Bei den sehr vulnerablen Patienten gibt es losgelöst von der ungerechten Impfstoffverteilung die Ratio­nale zu sagen, aus medizinischen Gründen kann es sinnvoll sein, bestimmten Gruppen einen zusätzlichen Schutz anzubieten, weil wir es jetzt mit einer Variante zu tun haben, die wir noch nicht exakt genau kennen“, sagte er gestern bei einer Pressekonferenz des Science Media Center.

Darüber hinaus sei ein Großteil der Bevölkerung – Kinder, Jugendliche, Menschen, die sich bisher noch nicht haben impfen lassen – noch nicht geimpft. Das heiße, es werde eine gewisse Infektionstätigkeit geben und damit auch wieder ein Risiko für vulnerable Gruppen, sich anzustecken.

Es sei ein „ethisches Dilemma“, dass man in Deutschland weite Teile der Bevölkerung impfen könne und sich auch aus medizinisch rechtfertigbaren Gründen für eine Drittimpfung entscheiden müsse, und es gleichzeitig Länder gebe, in denen es kaum Erstimpfungen gebe.

Aber Ärzte sollten seiner Meinung nach vulnerablen Patienten, die keine Antikörpertiter hätten, bei einer entsprechenden Infektionslage weitere Impfungen anbieten. Das sei „ärztliche Fürsorge“.

Sander betonte, dass die Impfstoffe jetzt auch sehr offensiv, aggressiv in die Gegenden kommen sollten, in denen bisher sehr wenig geimpft worden sei. Absehbar seien auch wieder Probleme mit Ausbrüchen und dann auch mit Varianten, sagte er. © dpa/nec/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER