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Medizin

Typ-2-Diabetes: Künstliches Pankreas reguliert Blutzucker nach Nierenversagen

Donnerstag, 5. August 2021

/pixdesign123, stock.adobe.com

Cambridge/England – Ein künstliches Pankreas, bei dem eine kontinuierliche Blutzuckermessung die verabreichte Insulindosis kontrolliert, hat in einer Pilotstudie in Nature Medicine (2021; DOI: 10.1038/s41591-021-01453-z) die Blutzuckereinstellung bei dialysepflichtigen Typ-2-Diabetikern verbessert.

Sogenannte „Closed Loop“-Systeme, die Patienten die wiederholte Messung des Blutzuckerspiegels und das Spritzen von Insulin ersparen, wurden ursprünglich für Patienten mit Typ-1-Diabetes entwickelt, die auf die Gabe von Insulin angewiesen sind.

Patienten mit Typ-2-Diabetes haben anfangs keinen Insulin­mangel. Der Blutzucker kann zunächst mit Medikamenten normalisiert werden. Dies gelingt nach einer längeren Krankheitsdauer immer seltener, so dass auch viele Typ-2-Diabetiker am Ende Insulin injizieren. Dies gilt insbesondere für Patienten mit einem chronischen Nierenversagen, für die viele Antidiabetika kontraindiziert sind.

Das Universitätsspital Bern und die Universitätsklinik in Cambridge haben in einer klinischen Studie untersucht, ob ein künstliches Pankreas die Blutzuckereinstellung von 26 Patienten im Alter von im Mittel 68,3 Jahren verbessern kann, die seit 20 Jahren an einem Typ-2-Diabetes litten und seit 1,5 Jahren dialysepflichtig waren. Die Patienten wurden 2 Mal für 20 Tage einer konventionellen Therapie oder einer „Closed Loop“-Insulintherapie zugeteilt.

Das an der Universität Cambridge entwickelte Gerät besteht aus einem Glukosemonitor, der regelmäßig den Blutzucker misst und die Daten an ein Smartphone sendet. Das Smartphone errechnet die benötigte Insulinmenge, die dann von einer Insulinpumpe an den Körper abgegeben wird. Anders als bei den „Closed Loop“-Systemen für Typ-1-Diabetiker, bei denen der Patient noch die Insulinzufuhr vor den Mahl­zeiten bestimmen muss (oder vom Smartphone nach Angaben zum vorgesehenen Essen berechnen lässt), arbeitet das künstliche Pankreas beim Typ-2-Diabetiker vollkommen autonom. Der Patient muss sich im Prinzip um nichts kümmern.

Wie beim Typ-1-Diabetes besteht die Gefahr darin, dass der Blutzuckerspiegel nach einer zu hohen Dosierung zu stark abfällt. Hypoglykämien schädigen vor allem das Gehirn, das auf die Glukose als Energieträger angewiesen ist. Schwere Hypoglykämien können tödlich sein. Das Insulin wird deshalb in der Regel niedrig dosiert, wodurch der Blutzucker eher zu hoch eingestellt wird.

Die Studie sollte untersuchen, ob das „Closed Loop“-System die Zeit verlängern kann, in der sich der Blutzucker in einem Zielbereich zwischen 5,6 und 10,0 mmol/l (100 bis 180 mg/dl) befindet. Dies ist nach den jetzt von dem Team um Roman Hovorka vom Addenbrooke’s Hospital in Cambridge vorge­stellten Ergebnissen gelungen.

Während die Patienten die künstliche Bauchspeicheldrüse verwendeten, befand sich der Blutzucker in durchschnittlich 53 % der Zeit im Zielbereich gegenüber 38 % unter der herkömmlichen Insulin­spritzentherapie. Der Unterschied entsprach etwa 3,5 zusätzlichen Stunden pro Tag im Zielbereich.

Auch der mittlere Blutzuckerspiegel war mit der künstlichen Bauchspeicheldrüse niedriger (10,1 versus 11,6 mmol/l, 182 mg/dl versus 209 mg/dl). Die künstliche Bauchspeicheldrüse reduzierte die Dauer, in der die Blutzuckerwerte auf unter 3,9 mmol/l (70 mg/dl) abgefallen war, von 0,17 % auf 0,12 %. Der Unterschied mag gering erscheinen. Jede schwere Hypoglykämie kann jedoch das Leben des Patienten gefährden.

Während der Studie kam es nur in einem Fall zu einer Episode. Der Patient war zu diesem Zeitpunkt am künstlichen Pankreas angeschlossen, das jedoch nicht aktiv war. Technische Defekte sind eine gefürch­tete Komplikation des künstlichen Pankreas, weshalb die meisten Systeme weiter auf die Mitarbeit der Patienten setzen und beim Typ-1-Diabetes auch regelmäßige Blutzuckerkontrollen aus Finger oder Ohrläppchen vorsehen.

„Closed Loop“-Systeme sind jedoch lernfähig, da der Algorithmus den Verlauf des Blutzuckers analysiert und so die Insulinabgabe optimiert. Auch in der aktuellen Studie verbesserte sich die Blutzucker­einstellung mit der Zeit. Am 1. Tag lag der Blutzucker zu 36 % in Zielbereich, am 20. Tag war dies zu über 60 % der Zeit der Fall.

Auch die Patienten waren mit dem künstlichen Pankreas zufrieden. Alle 24 befragten Patienten sagten, dass sie das System weiterempfehlen würden, 22 Patienten (92 %) meinten, dass sie dank der künst­lichen Bauchspeicheldrüse weniger Zeit für die Behandlung ihres Diabetes aufwenden müssen, und 21 Patienten (87 %) gaben an, dass sie sich weniger Sorgen um ihren Blutzuckerspiegel machten. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #648603
normalerdoktor
am Donnerstag, 5. August 2021, 22:32

Gewebezucker- nicht "Blutzucker"messung

Es sollte eigentlich bekannt sein, dass Sensoren zur kontinuierlichen Glucosemessung (CGM) den Glucosegehalt im Interstitium, also im Gewebe und nicht im Blut messen. Entsprechend ist es falsch, wenn hier ständig von "Blutzuckerspiegel" gesprochen wird. Korrekterweise ist im Original auch nur von "glucose" oder "sensor glucose", nirgendwo aber von "blood glucose" die Rede und es wird auch erklärt was gemessen wurde: "interstitial glucose concentrations".

Eigentlich sollten Begriffe wie "kontinuierliche Blutzuckermessung" oder "Blutzuckerspiegel" an den entsprechenden Stellen korrigiert werden in z.B. "Glukosemessung" oder "Glukosespiegel".
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