NewsMedizinHandeln oder abwarten: Studie vergleicht Strategien bei Schwangerschaften mit unklarem Sitz
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Handeln oder abwarten: Studie vergleicht Strategien bei Schwangerschaften mit unklarem Sitz

Freitag, 10. September 2021

/Artemida-psy, stock.adobe.com

Philadelphia – Wenn der Anstieg des Schwangerschaftshormons stagniert und im Ultraschall kein Embryo zu erkennen ist, besteht die Gefahr einer extrauterinen Schwangerschaft, die das Leben der Mutter gefährdet. Die „ACT or NOT“-Studie hat untersucht, was in diesem Fall die beste Strategie ist. Die Ergebnisse wurden jetzt im Amerikanischen Ärzteblatt (JAMA, 2021; DOI: 10.1001/jama.2021.10767) vorgestellt.

Der Nachweis von humanem Choriongonadotropin (hCG) im Urin oder im Blutserum beweist eine Schwangerschaft. Denn das Hormon wird nur von den Trophoblasten gebildet, aus denen später die Plazenta entsteht. Der nächste Schritt besteht in der Regel (obwohl nicht in den Mutterschaftsrichtlinien vorgesehen) in einer Ultraschalluntersuchung, bei der normalerweise der Embryo im Uterus entdeckt wird.

Ist dies nicht der Fall, liegt eine Schwangerschaft mit unklarem Sitz vor, international auch als „pregnancy of unknown location" (PUL) bezeichnet. Die PUL kann auf eine extrauterine Schwangerschaft hinweisen. Der Verdacht erhärtet sich, wenn das hCG weiter nachweisbar ist, seine Konzentration aber nicht wie bei einer normalen Schwangerschaft ansteigt, aber auch nicht auf Null fällt (was ein Ende der Schwangerschaft anzeigen würde).

In diesem Fall liegt eine persistierende PUL vor. Das weitere Vorgehen ist dann umstritten. Eine häufige Behandlungsoption ist eine Ausschabung. Sie kann zum einen durch den Nachweis von Chorionzotten einen Schwangerschaftsverlust nachweisen und damit eine extrauterine Schwangerschaft ausschließen.

Wenn nach der Ausschabung die hCG-Werte nicht abfallen, kann eine zusätzliche Behandlung mit Methotrexat erfolgen. Die Behandlung kann eine extrauterine Schwangerschaft unter Umständen rechtzeitig stoppen. Eine 2. Option besteht in der Gabe von Methotrexat ohne Ausschabung. Das Medikament wird dann nach 4 Tagen zur Sicherheit ein 2. Mal gegeben. Die 3. Option besteht darin, zunächst abzuwarten und die weitere Entwicklung durch regelmäßige hCG-Kontrollen zu beobachten. Es ist möglich, dass sich die Werte von selbst normalisieren und eine uterine Schwangerschaft zunächst übersehen wurde.

Die randomisierte „ACT or NOT“-Studie hat die 3 verschiedenen Optionen miteinander verglichen. An der Studie nahmen 253 Schwangere teil, bei denen eine persistierende PUL diagnostiziert worden war. Der primäre Endpunkt war eine erfolgreiche Auflösung der Schwangerschaft ohne weitere Maßnahmen. Gescheitert war eine Strategie, wenn es zu einer ektopischen Schwangerschaft kam, die eine weitere medikamentöse oder chirurgische Behandlung erforderlich machte.

Die Auswertung der Ergebnisse wurde dadurch erschwert, dass viele Frauen mit der per Los zugeteilten Behandlung einverstanden waren. Etwa 27 % lehnten eine abwartende Behandlung ab, 48 % waren mit einer Ausschabung nicht einverstanden und 42 % waren gegen die 2-malige Behandlung mit Metho­trexat.

Nach den Regeln für klinische Studien müssten die Auswertung der Ergebnisse nach der Randomi­sierung erfolgen, was aufgrund des häufigen Wechsels der Behandlungsgruppe nicht sinnvoll erscheint. Das Team um Kurt Barnhart von der Universität von Pennsylvania in Philadelphia hat deshalb eine „As Treatet“-Analyse durchgeführt und die tatsächlich durchgeführten Behandlungen verglichen.

Die Ergebnisse waren eindeutig. Bei den beiden proaktiven Behandlungen kam es in 94,5 % der Fälle zu einer Auflösung der Schwangerschaft, ohne dass weitere Maßnahmen erforderlich waren. Bei der abwartenden Haltung war dies nur in 56,1 % der Fall. In dieser Gruppe wurde häufiger eine Operation (21,5 % versus 5,5 %), eine Ausschabung (15,0 % versus 1,4 %) oder ein laparoskopischer Eingriff (9,3 % versus 4,1 %) erforderlich. Auch eine Behandlung mit Methotrexat (27,1 % versus 0 %) wurde in der abwartenden Haltung häufig durchgeführt.

Unterschiede zwischen den beiden proaktiven Behandlungen gab es nicht. Beide waren in der „As Treatet“-Analyse in etwa gleich häufig erfolgreich.

Trotz dieser Ergebnisse gibt es Argumente für eine abwartende Haltung. Bei einer Schwangeren, die einer abwartenden Behandlung zugeteilt wurde, normalisierten sich die hCG-Spiegel nach einiger Zeit. Sie wurde später nach einer komplikationslosen Schwangerschaft von einem gesunden Kind entbunden. Der Embryo hätte eine Ausschabung oder eine Methotrexatbehandlung sicherlich nicht überlebt.

© rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER