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Medizin

SARS-CoV-2: Subkutaner Antikörpercocktail verhindert Übertragung im Haushalt

Donnerstag, 5. August 2021

/ustas, stock.adobe.com

New York – Eine 1-malige subkutane Injektion der beiden monoklonalen Antikörper Casirivimab und Imdevimab hat in einer randomisierten Studie Haushaltsmitglieder von SARS-CoV-Patienten recht zuverlässig vor einer Infektion oder Erkrankung geschützt, wie die jetzt im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2109682) publizierten Ergebnisse zeigen.

Der Antikörpercocktail Casirivimab/Imdevimab wird derzeit zur Behandlung von Patienten eingesetzt, die sich bereits mit SARS-CoV-2 infiziert haben. Das Mittel wird in diesen Fällen 1-malig als intravenöse Infusion verabreicht. Die klinischen Studien hatten gezeigt, dass die Behandlung die beste Wirkung erzielt, wenn sie frühzeitig erfolgt. Es war deshalb konsequent, den präventiven Einsatz von Casirivi­mab/Imdevimab zu prüfen. Dieser ist allerdings nur praktikabel, wenn die Antikörper subkutan verab­reicht werden – wie dies auch bei anderen Biologika geschieht, die etwa bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzt werden.

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Der Hersteller hat zusammen mit dem US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) die präventive Wirkung von Casirivimab/Imdevimab in einer Phase-3-Studie an 112 Zentren in den USA, Rumänien und Moldawien untersuchen lassen. Alle 1.505 Personen lebten in einem Haushalt, in dem sich eine andere Person vor kurzem mit SARS-CoV-2 infiziert hatte. Der positive PCR-Test durfte nicht länger als 96 Stunden zurückliegen. Bei den Studienteilnehmern selbst wurde durch einen negativen PCR-Test und einem negativen Antikörpertest ausgeschlossen, dass sie bereits Kontakt zu dem Virus hatten.

Die Teilnehmer erhielten eine 1-malige subkutane Injektion, die entweder die beiden Antikörper oder ein Placebo enthielt. Primärer Endpunkt war eine symptomatische SARS-CoV-2-Infektion innerhalb der nächsten 28 Tage. Sie trat in der Casirivimab/Imdevimabgruppe bei 11 von 753 Teilnehmern (1,5 %) auf gegenüber 59 von 752 Teilnehmern in der Placebogruppe (7,8 %).

Meagan O’Brien von Regeneron Pharmaceuticals in Tarrytown bei New York und Mitarbeiter errechnen eine relative Risikoreduktion von 81,4 %. Die Odds Ratio von 0,17 war mit einem 95-%-Konfidenzinter­vall von 0,09 bis 0,33 hochsignifikant.

Die Schutzwirkung trat innerhalb weniger Tage ein: In der 1. Woche erkrankten in der Casirivimab/Imde­vimabgruppe 9 Teilnehmer (1,2 %) gegenüber 32 Teilnehmern (4,3 %) in der Placebogruppe: die relative Risikominderung betrug 71,9 %. In den Wochen 2 bis 4 kam es zu 2 (0,3 %) beziehungsweise 27 (3,6 %) Erkrankungen: relative Risikoreduktion 92,6 %.

Die Antikörper verhinderten vor allem Infektionen mit einer hohen Viruslast (um 85,4 %) und sie verkürz­ten die Dauer der symptomatischen Infektionen (17,1 versus 249 Wochen pro 1.000 Teilnehmer)

Die Gesamtzahl aller Infektionen (also einschließlich der asymptomatischen Fälle) wurde um 66,4 % reduziert, ihre Dauer verkürzte sich auf 54,4 gegenüber 307,2 Wochen pro 1.000 Teilnehmer.

Die Verträglichkeit der Behandlung war gut. Einzige Nebenwirkungen waren Reaktionen an der Injek­tions­stelle, die bei 4,2 % der Teilnehmer auftraten. Allergische Zwischenfälle oder andere Unverträg­lichkeiten sind laut O’Brien nicht aufgetreten.

Ein langfristiger Schutz über mindestens 1 Monat nach einer einzigen Injektion erscheint vor dem Hintergrund der Pharmakokinetik plausibel: Die Antikörper waren bereits 1 Tag nach der subkutanen Injektion im Blut nachweisbar. Sie erreichten etwa nach 1 Woche ihre maximale Konzentration. Die Halbwertzeiten betrugen 32,4 Tage für Casirivimab und 27,0 Tage für Imdevimab. Nach 28 Tagen waren die Antikörper noch in einer Konzentration von 30,4 mg/l und 24,6 mg/l nachweisbar, die über der Kon­zen­tration von 20 mg/l lagen, die vermutlich für eine Neutralisierung von SARS-CoV-2 benötigt wird.

In den USA wurde Casirivimab/Imdevimab im November 2020 mit einer Notfallgenehmigung („Emergen­cy Use Authorization“) zur intravenösen Behandlung von infizierten oder exponierten Personen zugelassen, die ein erhöhtes Risiko auf einen schweren Verlauf haben. Eine subkutane Präexpositions­prophylaxe wie in der aktuellen Studie ist bisher nicht erlaubt. In Europa ist das Präparat noch nicht zugelassen. Ein Einsatz ist im Einzelfall jedoch möglich, allerdings nur als intravenöse Infusion für Infi­zierte mit einem hohen Risiko auf einen schweren Verlauf von COVID-19.

Die Kombination von 2 verschiedenen Antikörpern, die an unterschiedlichen Stellen des Spikeproteins von SARS-CoV-2 binden, vermindert das Risiko eines Wirkungsverlusts durch Mutationen. Casirivi­mab/Imdevimab ist laut Hersteller gegen verschiedene Varianten einschließlich Delta (B.1.617.2), Gamma (P.1) und Beta (B.1.351) wirksam. © rme/aerzteblatt.de

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