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Medizin

COVID-19: CPAP-Therapie kann häufig eine Intubation vermeiden

Freitag, 6. August 2021

/Vadim, stock.adobe.com

Belfast – Eine CPAP-Therapie, die die Atemtätigkeit des Patienten durch einen leicht erhöhten Luft­druck unterstützt, hat in einer randomisierten Studie hospitalisierte Patienten mit COVID-19 häufiger vor einer Intubation oder einem Tod bewahrt als eine nasale High-Flow-Therapie oder eine einfache Sauer­stoffgabe über eine Nasensonde. Die Ergebnisse wurden in medRxiv (2021; DOI: 10.1101/2021.08.02.21261379) vorveröffentlicht.

Der Sauerstoffmangel, unter dem viele COVID-19-Patienten infolge ihrer Pneumonie leiden, wird in den Kliniken zunächst nicht-invasiv durch eine Sauerstoffgabe behandelt. Das Ziel ist, eine Intubation nach Möglichkeit zu vermeiden oder wenigstens hinauszuschieben, da die maschinelle Beatmung die Lungen strapaziert und die Patienten dafür sediert werden müssen. Die Sauerstoffgabe kann über eine einfache Nasensonde erfolgen. Alternativ kann eine CPAP-Therapie oder eine nasale High-Flow-Therapie (HFNO) durchgeführt werden.

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Die CPAP-Therapie, die aus der Behandlung des Schlafapnoesyndroms bekannt ist, erfolgt über eine relativ eng anliegende Maske, die Nase und Mund bedeckt. Die Luft, die die Patienten ein- und ausatmen, hat einen leicht erhöhten Druck, was den Luftstrom zu den Lungen verbessern soll. Die CPAP-Therapie kann mit unterschiedlichen Sauerstoffkonzentrationen durchgeführt werden.

Bei der HFNO wird den Patienten über großlumige Nasenkanülen ein erwärmtes und befeuchtetes Luft-Sauerstoff-Gemisch zugeführt. Die Durchflussrate ist höher als bei der konventionellen Sauerstoff­therapie, was zu einem geringen Überdruck in den oberen Atemwegen führt und die Belüftung der Lungen verbessern soll. Bei der HFNO können hohe Sauerstoffmengen verabreicht werden.

Die vom britischen National Institute for Health Research gesponserte „RECOVERY RS"-Studie hat seit April 2020 an 48 Kliniken in Großbritannien 1.272 COVID-19-Patienten mit eingeschränkter Lungen­funktion auf die 3 Strategien randomisiert. Der primäre Endpunkt war die Notwendigkeit einer invasiven maschinellen Beatmung (mit Intubation) oder ein Tod innerhalb von 30 Tagen nach Beginn der Behandlung.

Die CPAP-Therapie erzielte hier im Vergleich zur konventionellen Sauerstofftherapie die besseren Ergebnisse. In der CPAP-Gruppe trat der primäre Endpunkt bei 137 von 377 Teilnehmern (36,3 %) ein gegenüber 158 ​​von 356 Teilnehmern (44,4 %) in der Gruppe mit konventioneller Sauerstofftherapie.

Das Team um Daniel McAuley vom Wellcome-Wolfson Institute for Experimental Medicine an der Universität Belfast ermittelt eine Odds Ratio von 0,72, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,53 bis 0,96 signifikant war. Die CPAP-Therapie hat den primären Endpunkt demnach um 28 % gesenkt. Die „Number Needed to Treat“ betrug 12 (7 bis 105), was auf einen relevanten klinischen Nutzen hinweist.

Die Vorteile waren jedoch in erster Linie auf die Vermeidung einer maschinellen Beatmung zurückzu­führen, die bei 33,4 % (CPAP-Therapie) und 41,3 % (konventionelle Sauerstoffgabe) notwendig wurde (Odds Ratio 0,71; 0,53 bis 0,96). Auch die Mortalität war mit 16,7 % gegenüber 19,2 % niedriger. Der Unterschied war hier jedoch nicht signifikant (Odds Ratio 0,84; 0,58 bis 1,23). Dennoch dürfte die Studie einen Vorteil der CPAP-Therapie belegen.

Die HFNO hat dagegen die Notwendigkeit zur Intubation (41,1 % versus 41,6 %) nur leicht vermindert und die Sterblichkeit nur minimal gesenkt (18,8 % versus 20,0 %). Die Unterschiede waren auch im primären Endpunkt (44,4 % versus 45,1 %) nicht signifikant (Odds Ratio 0,97; 0,73 bis 1,29), so dass diese Form der nicht-invasiven Beatmung, die zudem große Mengen Sauerstoff verbraucht, nach Ansicht von McAuley nicht empfohlen werden kann. Die CPAP-Therapie könnte dagegen helfen, die Intensivstatio­nen zu entlasten.

Die CPAP-Therapie ist nach der Behandlung mit Dexamethason und/oder der Gabe von IL6-Hemmern die 3. Behandlung von COVID-19, deren Nutzen in einer in Großbritannien durchgeführten Studie belegt werden konnten. Die beiden anderen Behandlungen waren in der RECOVERY-Studie untersucht worden. © rme/aerzteblatt.de

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