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Medizin

Diabetes steigert Risiko auf schwere und tödliche Infektionen

Donnerstag, 2. September 2021

/Kwangmoo, stockadobecom

Baltimore – Diabetiker erkranken fast doppelt so häufig wie andere Menschen an schweren und unter Umständen tödlichen Infektionen. Infektionen in Fußbereich mussten nach den Ergebnissen einer prospektiven Beobachtungsstudie in Diabetologia (2021; DOI: 10.1007/s00125-021-05522-3) sogar 6-fach häufiger im Krankenhaus behandelt werden.

Dass ein Diabetes das Infektionsrisiko erhöht, ist seit langem bekannt. Bisher wurde dies von den Leit­linien als untergeordnetes Problem betrachtet. Mikro- und makrovaskuläre Komplikationen, die für die Schäden an Augen, Nieren und dem Gefäßsystem verantwortlich sind, stehen in den Empfehlungen der Fachgesellschaften im Vordergrund.

Dies hat sich in den letzten Jahren geändert, weil die Zahl von schweren Infektionen, die im Kranken­haus behandelt werden müssen, stark angestiegen ist. Immer häufiger werden auch jüngere Diabetiker wegen Pneumonien, Weichteilinfektionen oder Fußinfektionen in den Kliniken behandelt.

Ein Team um Elizabeth Selvin von der Bloomberg School of Public Health in Baltimore hat jetzt die Daten der ARIC-Studie („Atherosclerosis Risk in Communities“) ausgewertet, die seit 1987 Erwachsene aus 4 US-Metropolregionen begleitet. Von 12.379 Teilnehmern im mittleren Alter von 55 Jahren waren damals bereits 1.485 an Diabetes erkrankt.

In dieser Gruppe gab es in bisher 24 Jahren der Nachbeob­achtung 632 Hospitalisierungen wegen einer schweren Infektion. Die Inzidenzrate betrug 25,4 pro 1.000 Personen-Jahre. Unter den 10.894 Nichtdia­betikern hat es 3.597 schwere Infektionen gegeben oder 15,2 pro 1.000 Personenjahre. Selvin ermittelt eine adjustierte Hazard Ratio von 1,67, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,52 bis 1,83 signifi­kant war.

Mit Ausnahme des Gastrointestinaltrakts war das Infektionsrisiko in allen Bereichen erhöht. Überdurch­schnittlich häufig kommt es bei Diabetikern zu postoperativen Infektionen (Hazard Ratio 1,95; 1,20-3,15) und zur Sepsis (Hazard Ratio 1,92; 1,62-2,28), aber auch Harnwegsinfektionen (Hazard Ratio 1,58; 1,26-1,98) und Atemwegsinfektionen (Hazard Ratio 1,49; 1,28-1,74) führen bei Diabetikern häufiger zu einer Klinikbehandlung.

Am stärksten erhöht war mit einer Hazard Ratio von 5,99 (4,83-8,19) das Risiko von Fußinfektionen. Diabetiker haben aufgrund ihrer Mikro- und Makroangiopathie häufig Durchblutungsstörungen, die die Abwehr von Krankheitserregern erschweren. Aufgrund ihrer Neuropathie bemerken sie die Infektionen häufig erst spät. Die Infektionen sind dann häufig ein Anlass für Amputationen.

Insgesamt 61 von 1.485 Diabetikern sind im Verlauf der Studie an einer Infektion gestorben, die Sterbe­rate war doppelt so hoch wie bei den Nichtdiabetikern (Hazard Ratio 2,01; 1,52-2,67). Unter Berück­sichtigung der häufig gleichzeitig bestehenden anderen Risikofaktoren wie Adipositas, Hypertonie, chronische Nierenerkrankung, Koronare Herzkrankheit und hohe Cholesterinwerte verminderte sich die Hazard Ratio auf 1,72, war jedoch mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,28 bis 2,31 weiter signi­fikant.

Angesichts der steigenden Zahl von Klinikbehandlungen und Todesfällen sollten die Leitlinien verstärkt auf das Problem von Infektionen aufmerksam machen und die Notwendigkeit von Präventivmaßnahmen und einer frühzeitigen Behandlung betonen, findet Selvin. © rme/aerzteblatt.de

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