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Medizin

COVID-19: Depressionen und Angststörungen haben bei Jugendlichen deutlich zugenommen

Dienstag, 10. August 2021

/Siam, stock.adobe.com

Calgary/Kanada – Schulschließungen und die mit dem Lockdown verbundene soziale Isolierung haben zu einem Anstieg von psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen geführt. Nach einer Meta­analyse in JAMA Pediatrics (2021; DOI: 10.1001/jamapediatrics.2021.2482) zeigt weltweit jeder 4. Jugend­liche vermehrt Symptome einer Depression und jeder 5. vermehrte Symptome einer Angststörung.

Mentale Störungen waren auch vor COVID-19 bei Heranwachsenden häufig. Frühere Kohortenstudien hatten die Prävalenz von Angststörungen auf 11,6 % und die Häufigkeit von depressiven Symptomen auf 12,9 % geschätzt. Zu den depressiven Symptomen im Jugendalter gehören Traurigkeit, ein Verlust von Interesse und Freude an Aktivitäten sowie Störungen von Schlaf und Appetit. Angstsymptome manifes­tieren sich häufig in einer unkontrollierbaren Sorge, Angst und Übererregbarkeit.

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Da Jugendliche emotional stark auf die Unterstützung durch Peer-Groups und Mitschüler angewiesen sind, war ein Anstieg von mentalen Störungen zu befürchten. In den 29 Studien, die ein Team um Sheri Madigan von der Universität von Calgary in Kanada ausgewertet hat, schwankte die Prävalenz sehr stark von 2,2 % bis 63,8 % für depressive Störungen und von 1,8 % bis 49,5 % für Angstsymptome. Nach ihren gepoolten Schätzungen dürfte die Prävalenz von Depressionen bei 25,2 % (95-%-Konfidenzintervall 21,2 bis 29,7 %) und die Prävalenz von Angststörungen bei 20,5 % (17,2 bis 24,4 %) liegen.

Dies sind sicherlich nur Annäherungswerte, zumal die Prävalenz aus kulturellen Gründen stark schwan­ken kann: 16 Studien wurden in Ostasien, 4 in Europa, 6 in Nordamerika, 2 in Mittel- und Südamerika und 1 im Nahen Osten durchgeführt. Insgesamt haben die Forscherinnen Daten zu 80.879 Kindern und Jugend­lichen ausgewertet, die zwischen Januar 2020 und dem 8. März diesen Jahres befragt worden waren (nur in 3 Studien hatten die Eltern die Symptome eingeschätzt).

Die Häufigkeit der Störungen nahm mit der Dauer der Pandemie zu, ältere Kinder erkrankten häufiger als jüngere, Mädchen öfter als Jungen. Ältere Teenager waren besonders betroffen, weil diese sich ab der Pu­ber­tät langsam von der Familie distanzieren.

Altersgenossen können dann zur wichtigsten Quelle ihrer sozialen Unterstützung werden, berichten die Psychologinnen. Der Rückhalt durch diese Peer-Gruppen war in der Pandemie nur eingeschränkt möglich und im Lockdown ist er oft ganz weggefallen. Ältere Teenager hätten zudem wichtige Lebensereignisse wie Schulabschlüsse, Sportveranstaltungen und verschiedene Erfahrungen des Erwachsenwerdens verpasst.

Madigan geht davon aus, dass die meisten Kinder sich nach dem Ende der Pandemie von den psych­ischen Störungen erholen. Es werde vermutlich aber auch eine Gruppe geben, die langfristig mit den Nachwirkungen von COVID-19 und Lockdown zu kämpfen hat. © rme/aerzteblatt.de

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