NewsVermischtesBarmer: Zu viele Schwangere erhalten kindsschädigende Arzneimittel
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Barmer: Zu viele Schwangere erhalten kindsschädigende Arzneimittel

Donnerstag, 12. August 2021

/NDABCREATIVITY, stock.adobe.com

Berlin – Die Barmer hat an Gynäkologen appelliert, Frauen, die schwanger werden wollen, aktiv auf die Risiken von potenziell kindsschädigenden Arzneimitteln aufmerksam zu machen und sich einen Über­blick über den bestehenden Medikationsplan zu verschaffen.

„Im Jahr 2018 haben 66.500 Versicherte der Barmer entbunden“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Krankenkasse, Christoph Straub, heute in Berlin bei der Vorstellung des Barmer Arzneimittelreports 2021. „663 von ihnen bekamen im ersten Drittel der Schwangerschaft teratogene Arzneimittel verordnet. Das ist viel zu viel.“

Anzeige

Spätestens mit dem Beginn der Schwangerschaft dürfe kein teratogenes Arzneimittel mehr zum Einsatz kommen, forderte Straub. Besonders gefährlich seien diese Arzneimittel im ersten Drittel der Schwanger­schaft, da sich in dieser Zeit die Organe bildeten.

Rechtsanspruch auf Medikationsplan

„Während der Schwangerschaft werden Frauen intensiver durch ihre Gynäkologin oder ihren Gynäko­lo­gen betreut“, sagte der Barmer-Vorsitzende. Ein Medikationsplan, der Arzneimittel aufliste, die den Frauen von anderen Fachärzten verordnet worden seien, liege den Frauenärzten dabei aber nicht vor.

Die Barmer fordere deshalb für Frauen im gebärfähigen Alter mit Dauermedikation einen Rechtsan­spruch auf einen bundeseinheitlichen Medikationsplan schon ab der Einnahme eines Arzneimittels. Bis­lang gilt der Rechtsanspruch erst ab drei oder mehr Medikamenten.

Es sei in allen Fällen nicht vertretbar, in der Schwangerschaft teratogene Arzneimittel weiter zu verord­nen, wenn gleichwertige Alternativen vorlägen, so Straub. Als Beispiel wird im Arzneimittelreport die Epilepsietherapie genannt. „Einige Therapeutika zur Behandlung der Epilepsie sind mit erheblichen Risiken bei Anwendung in der Schwangerschaft verbunden“, heißt es darin.

Antiepileptika mit teratogenem Risiko

Während Lamotrigin und Levetiracetam als die sichersten Antiepileptika in der Schwangerschaft gelten würden, sei „Valproat teratogen und mit neurologischen Entwick­lungs­störungen in 30 bis 40 Prozent der exponierten Kinder assoziiert sowie mit grobstrukturellen Miss­bildungen in bis zu zehn Prozent der exponierten Kinder“.

„Untersuchungen auf Basis des EURAP-Registers (European Registry of Antiepileptic Drugs and Preg­nancy) haben gezeigt, dass Valproat das Antiepileptikum mit der höchsten Missbildungsrate war (10,3 Prozent der exponierten Schwangerschaften). Weitere Antiepileptika mit erhöhtem Risiko waren Pheno­barbital, Phenytoin und Carbamazepin“, heißt es weiter.

Es sei auch gezeigt worden, dass die Ver­ordnungsrate der problematischen Antiepileptika in den 14 Jahren von 2000 bis 2013 zurückgegangen und parallel dazu die Rate grobstruktureller Fehlbildungen um 27 Prozent gesunken sei.

Absetzquoten zwischen 31 und 60 Prozent

„Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte passen die Arzneimitteltherapie an die Schwangerschaft zwar sehr wohl an“, sagte der Autor des Arzneimittelreports, Daniel Grandt, Chefarzt der Inneren Medizin I am Klinikum Saarbrücken.

„Das belegen die zurückgehenden Verordnungszahlen von Teratogenen. Allerdings liegen die Absetzquo­ten bei den besonders kritischen Präparaten lediglich zwischen 31 und 60 Prozent. Das ist viel zu wenig.“ Gerade der Einsatz stark fruchtschädigender Arzneimittel sei in keinem Fall ver­tret­bar, wenn es gleich­wertige und sicherere Alternativen gebe. © fos/aerzteblatt.de

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER