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Medizin

Koloskopie: Unvollständige Entfernung von Darmpolypen erhöht Rezidivrisiko

Mittwoch, 15. September 2021

/tussik, stock.adobe.com

Hanover/New Hampshire – Die inkomplette Entfernung von Darmpolypen, zu der es häufiger bei breit­basigen, aber auch bei großen Polypen kommt, erhöht das Risiko eines erneuten neoplastischen Wachs­tums. Dies zeigen die Ergebnisse von Kontrollkoloskopien in einer US-Studie, deren Ergebnisse in den Annals of Internal Medicine (2021; DOI: 10.7326/M20-6689) veröffentlicht wurden.

Es ist weithin bekannt, dass die Entfernung von Darmpolypen, aus denen sich die meisten Kolonkarzi­nome entwickeln, häufig nicht vollständig gelingt. Bei einer Vorsorgekoloskopie fällt dies häufig nicht auf, da die entfernten Polypen in der Regel nicht in der Pathologie untersucht werden. In der CARE-Studie (“Complete Adenoma Resection“) waren Randschnitte von allen 346 Polypen in einer Größe von 5 bis 20 mm einer intensiven Begutachtung zugeführt worden. Bei insgesamt 35 Polypen (10,1 %) fanden die Pathologen neoplastische Zellen, die auf eine inkomplette Entfernung hinwiesen (Gastroenterology, 2012; DOI: 10.1053/j.gastro.2012.09.043).

Leider haben die koloskopierenden Ärzte den genauen Ort der Polypenentnahmen nicht dokumentiert (was bei einer Koloskopie nur schwer zu bewerkstelligen ist). Heiko Pohl und Mitarbeiter von der Dartmouth Geisel School of Medicine in Hanover/New Hampshire konnten deshalb nicht genau ermit­teln, ob es bei einer Kontrollkoloskopie nach median 17 Monaten an denselben Stellen zu einem erneu­ten Polypenwachstum gekommen war. Die jetzt vorgestellten Ergebnisse zeigen jedoch, dass in den Darm­abschnitten, in denen die Polypen nicht komplett entfernt wurden, häufiger erneut Polypen gewachsen waren.

Konkret wurden bei 52 % der Patienten in den Dickdarmsegmenten mit unvollständigen Resektionen erneut Polypen gefunden. In den Dickdarmsegmenten, in denen die Polypen vollständig entfernt worden waren, waren zu 23 % neue Polypen entstanden. Polypen mit einem erhöhten Krebsrisiko (Größe ab 10 mm, villöse Histologie oder eine hochgradige Dysplasie) wurden zu 18 % in Darmabschnitten mit zuvor unvollständiger und zu 3 % in Regionen mit zuvor vollständiger Entfernung der Polypen gefunden.

Nach den Berechnungen von Pohl verdreifachte sich das Risiko auf ein erneutes Polypenwachstum, wenn es bei der 1. Koloskopie nicht gelungen war, die Polypen komplett zu entfernen (Odds Ratio 3,0; 95-%-Konfidenzintervall 1,12 bis 8,17).

In der Studie wurde zwar bei der Kontrollkoloskopie in keinem Fall eine hochgradige Dysplasie oder ein Darmkrebs gefunden. Bei der regulären Krebsvorsorge findet die nächste Koloskopie jedoch in der Regel erst nach 10 Jahren (und nicht wie in der Studie nach 17 Monaten) statt.

Es ist deshalb möglich, dass viele Darmkrebserkrankungen nach einer Vorsorgekoloskopie auf die inkom­plette Entfernung von verdächtigen Polypen zurückzuführen sind. Experten schätzen den Anteil auf 10 % bis 30 %. Pohl regt an, die Ärzte besser in der Technik der Polypektomie auszubilden und Qualitäts­prüfungen einzuführen. Eine andere allerdings aufwendige Methode wäre eine vermehrte pathologische Aufarbeitung der resezierten Polypen. © rme/aerzteblatt.de

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