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Medizin

Teenager erholen sich rasch von einer Myokarditis nach Impfung oder COVID-19

Mittwoch, 11. August 2021

/Dzmitry, stock.adobe.com

Boston und Cleveland – Bei Teenagern kann es nach einer COVID-19-Impfung zu einer milden Myokar­ditis kommen, von der sich die Patienten nach einer ersten Fallserie in JAMA Cardiology (2021; DOI: 10.1001/jamacardio.2021.3471) in der Regel rasch erholen. Betroffen sind zumeist männliche Jugend­liche, die laut einer Studie in MedRxiv (2021; DOI: 10.1101/2021.07.23.21260998) auch im Rahmen von COVID-19 häufiger als weibliche Teenager vorübergehend kardiale Probleme entwickeln.

Der mRNA-Impfstoff BNT162b2 von Biontech/Pfizer darf in den USA seit dem 10. Mai auch bei Jugend­lichen ab 12 Jahren eingesetzt werden. Da die Myokarditis eine bekannte wenn auch seltene Impfkom­plikation bei jüngeren Erwachsenen ist, musste auch bei geimpften Teenagern damit gerechnet werden.

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Am Boston Children's Hospital wurden bis Mitte Juli insgesamt 15 Teenager im Alter von 12 bis 18 Jahren behandelt, von denen 14 männlich waren, bis auf 1 Fall traten alle Komplikationen nach der 2. Dosis auf.

Die Brustschmerzen begannen bei den 15 Teenagern 1 bis 6 Tage (median 3 Tage) nach der Impfung und hielten 1 bis 9 Tage an. 10 Teenager litten auch unter Fieber, 8 klagten über Muskelschmerzen und 6 über Kopfschmerzen.

Der Troponinwert, der eine mögliche Schädigung des Herzmuskels anzeigt, lag bei der Aufnahme median bei 0,25 ng/ml (Bereich 0,08-3,15 ng/ml) und erreichte 0,1 bis 2,3 Tage nach der Aufnahme in die Klinik seinen Höchststand. Bei 3 Kindern war die linksventrikuläre Ejektionsfraktion, also die Pumpleistung des Herzens, auf 44 %, 49 % und 53 % vermindert. Bei 5 Kindern wurden im Herzecho Kontraktionsstörungen beobachtet. Der Verdacht einer Myokarditis wurde bei 13 Patienten in der kardialen Magnetresonanzto­mografie bestätigt.

Die Kardiologen behandelten 7 Patienten – vermutlich wegen des Verdachts auf ein „Multisystem In­flammatory Syndrome“ (MIS) – mit intravenösen Immunglobulinen und Methylprednisolon. Bei keinem Kind wurden jedoch die bei dieser Komplikation gefürchteten Aneurysmen in den Koronararterien be­obachtet.

Nach Angaben des Teams um Audrey Dionne erholten sich die Kinder rasch. Die Krankenhausaufent­halts­­dauer betrug im Mittel 2 Tage (Spanne: 1 bis 5 Tage), und kein Patient musste auf der Intensiv­station behandelt werden. Bei der Nachuntersuchung 1 bis 13 Tage nach der Entlassung aus dem Krankenhaus hatten sich 11 Patienten vollständig erholt.

Bisher sind dem „Vaccine Adverse Event Reporting System“ (VAERS) von FDA und CDC nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff 1.226 Verdachtsfälle einer Myokarditis gemeldet worden, darunter 687 bei Personen unter 30 Jahren. Die Häufigkeit wird im Alter von 12 bis 17 Jahren auf 62,8 Fälle pro Million Impfungen geschätzt.

Kardiale Probleme können auch im Rahmen einer COVID-19-Erkrankung auftreten. Betroffen sind in der Regel ältere Patienten. Bei jüngeren Patienten ist die Komplikation selten. Nach einer Analyse des „TriNetX Research Networks“, das die elektronischen Krankenakten von 53 US-Krankenkassen verwaltet, wurde bei 6 von 6.846 männlichen und bei 3 von 7.318 weiblichen COVID-19-Patienten im Alter von 12 bis 17 Jahren eine Myokarditis diagnostiziert.

Mendel Singer von der Case Western Reserve University, Cleveland/Ohio, errechnet eine Häufigkeit von 876 Fälle auf 1 Million COVID-19-Erkrankungen bei Jungen und 213 auf 1 Million COVID-19-Erkran­kungen bei Mädchen. Die meisten Teenager erholten sich innerhalb weniger Tage von der Komplikation. Nur 2 Patienten wurden im Krankenhaus behandelt. Todesfälle wurden laut Singer keine gemeldet. © rme/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #853023
L239486522
am Donnerstag, 12. August 2021, 15:02

Science

Spannend. Auch Science schreibt nur wenige mussten mit Corticosteroide versorgt werden. (1) PEI hat seit 19.7. einen Rote-Hand-Brief dazu. (2)

(1) https://www.sciencemag.org/news/2021/06/israel-reports-link-between-rare-cases-heart-inflammation-and-covid-19-vaccination

(2) https://www.pei.de/DE/newsroom/veroffentlichungen-arzneimittel/rote-hand-briefe/rote-hand-briefe-node.html
Avatar #800581
vorwerdi
am Donnerstag, 12. August 2021, 09:07

Interessante Reaktionen

Die Häufigkeit der Komplikation ist mit 6 auf 100000 dreimal so hoch wie das VITT Syndrom nach Astra Zeneca, auch wenn die Folgen harmloser sind. Die bisherigen Leserreaktionen sind aber entlarvend typisch, passt es doch nicht ins Weltbild, dass die Komplikation offenbar blande verläuft. Da muss das Argument der Spätfolgen unbedingt her, denn das bleibt nicht überprüfbar.
Avatar #766766
dortega
am Mittwoch, 11. August 2021, 17:50

Entwarnung

Na dann weiter gesunde Kinder krank machen die nichtmal zur vulnerablen Gruppe gehören. Auch eine überstandene Myokarditis kann Spätfolgen haben! 12-17 jährige gehören nicht zur Hochrisikogruppe für COVID-19!
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