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Charité und Vivantes: Pflege-Azubis unzufrieden mit Arbeitsbedingungen und Ausbildung

Donnerstag, 12. August 2021

/Africa Studio, stock.adobe.com

Berlin – Auszubildende der Pflege sind mit den aktuellen Arbeitsbedingungen bei der Charité – Univer­sitätsmedizin Berlin und Vivantes unzufrieden. Das verdeutlicht eine Befragung der Gewerkschaft Verdi unter 300 Auszubilden­den der beiden Krankenhauskonzerne.

Demnach können sich etwa die Hälfte der Befragten „nicht“ (18 Prozent) oder „eher nicht“ (30 Prozent) vor­stellen, ihren Beruf an der Charité beziehungsweise bei Vivantes unter den aktuellen Arbeitsbedin­gun­gen langfristig auszuüben. 20 Prozent können sich das „vorstellen“ und 30 Prozent können sich das „eher“ vorstellen.

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Eine deutliche Mehrheit sieht negative Auswirkungen der Arbeitsbedingungen auf die Freizeitgestal­tung und die Familienplanung. 33 Prozent sagen, der Beruf sei damit „nicht“, 42 Prozent halten ihn für „eher nicht“ mit dem Privatleben vereinbar. Für vereinbar halten Beruf und Privatleben nur sieben Prozent.

Kritik üben die Auszubildenden auch mit der Ausbildungssituation selbst. So gaben sieben Prozent an, dass sie „immer“ eigenständig Tätigkeiten an Patienten übernehmen müssen, für die sie noch nicht aus­gebildet seien. 40 Prozent gaben an, dass dies häufig vorkommt.

Die Hälfte der Befragten erklärte zudem, dass es an Zeit für die Praxisanleitung mangelt. Sieben Prozent erklärten, es habe „nie“ ausreichend Zeit für die Praxisanleitung gegeben. 39 Prozent betonten, das sei „selten“ der Fall gewesen.

Verdi will „Tarifvertrag Entlastung“

„Die Pflege ist ein wunderbarer Beruf, den ich mir nicht ohne Grund ausgesucht habe“, sagte Lisa, die an der Charité eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin absolviert, laut Mitteilung von Verdi. Doch allzu oft würden Auszubildende nicht richtig angeleitet oder als „Lückenbüßer“ in unterbesetzten Stationen missbraucht, um die Personalnot auszugleichen, sagte sie. So dürfe es nicht weitergehen.

„Es ist ein wirklich mieses Gefühl, in der Ausbildung alleingelassen und überfordert zu werden“, berichtet der angehende Krankenpfleger Philipp von Vivantes. „Wir brauchen die Unterstützung der examinierten Pflegepersonen. Doch für eine strukturierte Anleitung fehlt ihnen oft die Zeit.“ Dabei sei eine gute Aus­bildung so wichtig, um diesen Beruf qualifiziert und zum Wohle der Patienten ausüben zu können, ohne sich selbst zu überfordern.

Meike Jäger, die bei Verdi in Berlin und Brandenburg für das Gesundheitswesen zuständig ist, deutet die Umfrage als „Alarmsignal“. Soll sich der Fachkräftemangel nicht noch weiter verschärfen, brauche es dringend bessere Arbeits- und Ausbildungsbedingungen, sagte sie. Unter anderem setzt sich Verdi für eine bessere Einarbeitung auf Station und Dienstplanung ein. Auch die Praxisanleitung soll verbessert werden.

Konkret fordert Verdi, die gesetzlich vorgegebene Zeit für Praxisanleitungen auf 20 Prozent zu erhöhen. Die Praxisanleiter sollten während der Zeit von der Pa­tientenversorgung befreit werden. Auch sollte eine persliche 1:1-Betreuung der Auszubildenden in der Pflege erfolgen. In Ausnahmesituationen sei eine 1:2-Betreuung akzeptabel.

Mit der Forderung nach einem „Tarifvertrag Entlastung“ habe Verdi bereits die Initiative ergriffen, hieß es. Jetzt seien die Arbeitgeber und der Senat am Zug, verbindlich für bessere Bedingungen in den landesei­ge­nen Kliniken zu sorgen. Davon müssen auch die Auszubildenden und die Ausbildungsqualität profi­tie­ren.

„Die Beschäftigten von Charité und Vivantes haben mit ihrer Gewerkschaft Verdi den Arbeitgebern und dem Berliner Senat das Ultimatum gestellt, bis zum 20. August substanzielle Angebote für einen Tarifver­trag Entlastung vorzulegen. Andernfalls sind sie bereit, in einen Streik zu treten, an dem sich auch viele Auszubildende beteiligen wollen.“

Vor diesem Hintergrund unterstützt eine große Mehrheit der Auszubildenden bei Charité und Vivantes die Entlastungsforderungen von Verdi. 97 Prozent der Befragten fordern einen Belastungsausgleich bei einem Einsatz in unterbesetzten Schichten. Vier Fünftel wollen sich an Aktionen und Streiks zur Durch­setzung der Tarifforderungen beteiligen.

Charité will auf Verdi zugehen

Von der Charité hieß es auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes, man wolle die Bedürfnisse der Aus­zubildenden aufgreifen und Konzepte entwickeln, um einen „noch stärker ausgeprägten Fokus in den Praxisphasen“ zu etablieren. „Das kann im Gespräch mit Verdi gelingen, das sehen wir aber auch in un­serer eigenen Verantwortung“, sagte ein Charité-Sprecher.

Er betonte, an der Charité sollten der Pflegeberuf und die daran angelehnten Rahmenbedingungen für ein lebensphasenorientiertes Arbeiten so attraktiv sein, dass junge Menschen sich für den Beruf und für die Charité als Arbeitgeberin entscheiden.

„Wir haben gerade im Bereich der Ausbildung und des Studiums das Ziel, den Anforderungen der moder­nen Arbeitswelt schon früh zu begegnen, beispielsweise durch interdisziplinäres und digitales Lernen so­wie durch das Übernehmen von Verantwortung in transparent definierten Kompetenzrahmen“, so der Sprecher.

Konkret in Bezug auf die Umfrage erklärte er, der Charité läge keine detaillierte Analyse der Umfrage vor. Aus der Verdi-Mitteilung sei aber „ableitbar“, dass die Charité die richtigen Schwerpunkte setze, indem man lö­sungsorientierte Personalkonzepte entwickele.

Diese sollten sowohl die Stabilität und Verlässlichkeit der Arbeitsbelastung, als auch die Rollen und Kom­petenzprofile der Pflege in multiprofessionellen Teams regeln und dabei die Frage des lebenslan­gen, zufriedenen Arbeitens beantworten. Darüber hinaus biete die Charité schon heute sichere, sinnbe­zogene Arbeitsplätze mit tariflicher Vergütung.

Vivantes äußerte sich auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes nicht zu den Ergebnissen der Umfrage und dazu, ob man daraus Konsequenzen ziehen will. © may/aerzteblatt.de

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