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Politik

Vernichtung von Coronaimpfstoff hält sich in Grenzen

Donnerstag, 12. August 2021

/picture alliance, Fabio Cimaglia, IPA

Berlin – Trotz nachlassender Impfbereitschaft in Deutschland musste die Hälfte der Bundesländer bis­lang keine ungenutzten oder abgelaufenen Impfdosen in nennenswertem Umfang vernichten. Bei einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur gaben sieben der 16 Landesregierungen an, dass eine Entsor­gung von Coronaimpfstoff weitgehend vermieden werden konnte.

„Zu keinem Zeitpunkt musste Impfstoff vernichtet werden, weil er wegen ablaufender Haltbarkeit nicht genutzt werden konnte“, versicherte etwa ein Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde. Länder wie Mecklenburg-Vorpommern und Hessen erklärten dies mit speziellen Maßnahmen wie einer „Impfstoff­börse“.

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Im Gegensatz dazu haben die Impfzentren in Bayern bereits rund 53.000 ungenutzte Impfdosen entsorgt – deutlich mehr als jedes andere Bundesland. Die Hälfte davon entfällt auf den vergangenen Monat. „Die im Sommer angestiegenen Zahlen sind die unmittelbare Folge einer abnehmenden Impfbereitschaft in der Bevölkerung“, hieß es beim bayerischen Gesundheitsministerium.

Einen Teil seiner ungenutzten Coronaimpfdosen will der Freistaat an den Bund zurückgeben, damit dieser sie ans Ausland spenden kann; dafür müssen die Dosen allerdings noch mindestens zwei Monate nutzbar sein.

In einem Schreiben hatte das Bundesgesundheitsministerium den Ländern die Möglichkeit eröffnet, nicht mehr benötigten Impfstoff als Spende für „Drittstaaten“ an das Zentrallager des Bundes zurückzu­geben – vorausgesetzt, der Wirkstoff ist noch lange genug haltbar.

Um zu verhindern, dass Impfstoff abläuft, haben sich einige Länder spezielle Vorgehensweisen ausge­dacht. So schlossen sich die Impfzentren in Hessen zu einer „Impfstoffbörse“ zusammen, über die kurz­fristig nicht benötigter oder überzähliger Impfstoff verteilt werden kann. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es Nachrücklisten, um Dosen, die am Ende des Tages übrig bleiben, per SMS an Impfwillige zu ver­mitteln.

Schleswig-Holstein berechnet den Bedarf der Impfzentren möglichst kurzfristig, um diese dann pass­genau zu beliefern. Der Anteil der Impfdosen, die – etwa wegen defekter Kühlung – vernichtet werden mussten, liege daher „im Promillebereich“, heißt es aus dem Kieler Ministerium. Auch in Niedersachsen, Thüringen und dem Saarland wurde Impfstoff den Angaben zufolge bislang allenfalls in Einzelfällen weggeworfen. Überzählige Dosen sollen an den Bund zurückgehen.

Rheinland-Pfalz hat nach Angaben des Mainzer Gesundheitsministeriums bisher ebenfalls kaum Impf­stoff vernichtet: Wegen Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums wurden lediglich 200 Astrazeneca-Dosen aus dem Verkehr gezogen. Hinzu kommen den Angaben zufolge 490 Impfdosen von Johnson & Johnson, die abgelaufen und verfallen waren. In Nordrhein-Westfalen gehen die Hausärzte für den Landesteil Nordrhein auch nur von einer Zahl im niedrigen dreistelligen Bereich aus.

Die Hansestadt Bremen hat seit Beginn der Impfungen 2.715 Dosen vernichtet, davon 690 Astrazeneca-Dosen allein im vergangenen Monat. Baden-Württemberg hat 4.000 Dosen Astrazeneca entsorgt, weil sie Ende Juli abliefen.

In Brandenburg sind sogar schon rund 5.500 Impfdosen verfallen, was nach Ministeriumsangaben aller­dings auch lediglich 0,27 Prozent der gelieferten Gesamtmenge entspricht. Das Problem könnte aber bald größer werden: Der Hausärzteverband Nordrhein schätzt, dass allein in NRW in den kommenden Wochen etwa 100.000 Impfdosen verfallen werden.

Aus einigen Bundesländer liegen keine aktuellen Zahlen vor: In Sachsen-Anhalt haben weder das Ge­sundheitsministerium noch die Kassenärztliche Vereinigung einen Überblick über die vernichteten Impf­dosen. Aus Berlin und Sachsen gab es auf entsprechende dpa-Anfragen keine Antwort. © dpa/aerzteblatt.de

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