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Diabetesbekämpfung: Politik muss Anstrengungen erhöhen

Donnerstag, 12. August 2021

/Goffkein, stock.adobe.com

Berlin –Eine neue Bundesregierung sollte ein Augenmerk verstärkt auf die Prävention von nicht über­trag­­baren Krankheiten wie Diabetes richten. Das müsse „ebenso aktiv vorangetrieben“ werden, wie die Prävention von COVID-19. Das betonte heute die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG).

Die Fachgesellschaft wies darauf hin, dass derzeit rund neun Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland an Diabetes Typ 2 leiden, Tendenz steigend. Betroffene hätten ein erhöhtes Risiko auch an­dere Krankheiten zu entwickeln. Zu häufigen Folgen gehörten Herzinfarkt, Schlaganfall, Niereninsuffi­zienz oder Erblindung. Das reduziere die Lebensqualität dramatisch und verursache erhebliche Kosten im Gesundheits- und Sozialsystem, so die DDG.

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Sie führt aus, dass selbst bei Menschen mit hohem Diabetesrisiko dieses um die Hälfte reduziert werden kann. Das gelinge aber nur über gesamtgesellschaftliche Maßnahmen (Verhältnisprävention) und geziel­te individuelle Präventionsmaßnahmen (Verhaltensprävention).

„Die Lebenswelten der Bevölkerung – vom Kindergarten, über die Schule, bis hin zur Arbeit sowie im all­täglichen Umfeld wie zum Beispiel im Supermarkt, bei der Stadtplanung oder auch in den täglich konsu­mierten Medien – müssen so gestaltet sein, dass es leichtfällt, sich gesund zu ernähren und mehr zu bewegen“, mahnt die DDG.

Erneut übte die Fachgesellschaft Kritik an den bisherigen Maßnahmen der Politik. So seien alle bishe­rigen Präventionsanstrengungen gescheitert, „weil sie nicht die Menschen erreichen, die sie erreichen sollten“, kritisierte DDG-Geschäftsführerin Barbara Bitzer.

Sie hält unter anderem eine verbindliche Lebensmittelkennzeichnung und eine „gesunde Mehrwert­steuer“ für erforderlich, die gesunde Lebensmittel mit geringem Anteil an Zucker, Fetten und/oder Salz steuerlich entlastet. Darüber hinaus sollte Werbung für ungesunde Lebensmittel, die sich an Kinder richtet, verboten werden.

Auch spezifische Präventionsmaßnahmen, die sich auf den Einzelnen beziehen, müssten besser werden. „Hier können wir mittlerweile diejenigen beispielsweise mit einem Prädiabetes zuverlässig erkennen, die das höchste Risiko haben, einen Diabetes zu entwickeln“, betonte DDG-Vizepräsident Andreas Fritsche. Für diese Hochrisikopatienten bedürfe es individueller Konzepte, wie sie ihren Lebensstil verändern sollten und auch könnten.

Er stellte klar, dass die Wissenschaft genau wisse, wer auf welche Präventionsmaßnahme positiv reagiere und wer nicht. „Heute haben wir eine präventive Unterversorgung bei den Hochrisikogruppen und eine Überversorgung bei jenen, die nie einen Diabetes entwickeln werden“, sagte Fritsche, der am Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen (IDM) des Helmholtz Zentrums München, der die Prädiabetes Lebensstil Intervention Studie (PLIS) an der Universität Tübingen begleitet.

Dieses Präventionsdilemma müsse bei der Weiterentwicklung des Präventionsgesetzes berücksichtigt werden. „One size fits all passt in der Diabetologie nicht“, kritisiert Fritsche und forderte die Politik auf, beim Thema Prävention die Expertise des Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD) und der DDG einzubinden. Außerdem müsse auch die Politik lernen, dass Prävention nicht das Thema eines Ressorts sei, sondern Gesundheits-, Wissenschafts-, Sozial- und Landwirtschaftspolitik gleichermaßen betreffe.

Wichtig ist es Sicht der Fachgesellschaft außerdem, nicht nur die Primärprävention – die Vermeidung von Diabetes – zu verbessern, sondern auch die Sekundärprävention – die Vermeidung der Folgeerkran­kun­gen, die durch eine Diabeteserkrankung auftreten können und die zu einer verkürzten Lebenszeit führen.„Da weiterhin tatenlos zuzusehen, können wir als Gesellschaft nicht akzeptieren“, so Fritsche. © may/EB/aerzteblatt.de

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