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Medizin

Malaria: Monoklonaler Antikörper schützt 9 Monate vor einer Infektion

Freitag, 13. August 2021

Plasmodium falciparum Erreger von Malaria tropica in Blut, Mikroaufnahme. /picture-alliance, OKAPIA KG_ Germany, Gladden W. Willis

Bethesda/Maryland – Die einmalige Infusion eines modifizierten Antikörpers, dessen Vorläufer im Blut eines Teilnehmers einer Impfstudie gefunden wurde, hat in einer Phase-1-Studie gesunde Erwachsene über 9 Monate vor einer Infektion mit Plasmodium falciparum geschützt, dem Erreger der lebensgefähr­lichen Malaria tropica. Die Ergebnisse wurden im New England Journal of Medicine (2021; DOI: 10.1056/NEJMoa2034031) veröffentlicht.

Die Suche nach einem geeigneten Impfstoff gegen die Malaria, an der in tropischen Ländern jährlich 200 bis 400 Millionen Menschen erkranken und 400.000 sterben, ist bislang weitgehend erfolglos geblieben. Auch die 3-malige Gabe von RTS,S, der als Mosquirix auf dem Weg zur Zulassung ist, erzielt nur eine schwache Wirkung, die zudem rasch nachlässt.

Eine Alternative zur aktiven Immunisierung wäre eine passive Immunisierung mit Antikörpern, die in höherer Konzentration den Parasiten auf seinem Weg von der Einstichstelle des Moskitos zur Leber abfangen könnten.

Vor mehr als 50 Jahren hatten britische Forscher gezeigt, dass die intramuskuläre Injektion von Gamma­globulinen aus dem Blut eines von der Malaria genesenen Erwachsenen, die Erkrankung bei Kindern heilen könnte (Nature, 1961; 192: 733-7). Die Idee wurde nicht weiter verfolgt, weil die Herstellung von Gammaglobulinen aufwendig und in den betroffenen Ländern kaum umzusetzen ist.

Die modernen Varianten von Immunglobulinen sind monoklonale Antikörper, die nicht aus dem Blut von Genesenen gefiltert werden müssen, sondern mithilfe von genmodifizierten Bakterien oder Zellkulturen in unbegrenzter Menge hergestellt werden können. Die Schwierigkeit besteht darin, einen geeigneten Antikörper zu finden.

Ein Forscherteam um Robert Seder vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) in Bethesda/Maryland war vor einigen Jahren im Rahmen einer Impfstoffstudie auf einen geeigneten Kandi­daten gestoßen. Im Blut eines Teilnehmers, bei dem die Impfung eine Schutzwirkung erzielte, fan­den sie den Antikörper CIS43, der fest am Circumsporozoiteprotein auf der Oberfläche von P. falci­parum bindet.

Die Forscher konnten das Gen für den Antikörper isolieren. Durch eine Veränderung der Gensequenz an 2 Stellen konnten sie die Halbwertzeit des Antikörpers deutlich verlängern. Nachdem sich der Antikörper in tierexperimentellen Versuchen als sicher und effektiv erwiesen hat, wurde CIS43LS im letzten Jahr in einer Phase-1-Studie in den USA an 29 gesunden Probanden getestet.

Zunächst wurde nur die Reaktion auf die Antikörpergabe untersucht und die Pharmakokinetik von CIS43 überprüft. Es stellte sich heraus, dass der Antikörper auch nach einer intravenösen Infusion gut vertragen wird. Die Halbwertzeit des Antikörpers betrug 56 Tage, was auf eine längere Schutzwirkung hindeutet.

Diese Schutzwirkung wurde bei 9 Probanden durch eine kontrollierte humane Malariainfektion (CHMI) überprüft. Dazu ließen sich die Probanden 5 Mal von einer infizierten Malariamücke stechen. In einer Kontrollgruppe führte dies bei 5 von 6 Probanden zu einer Malariaerkrankung (die erfolgreich mit Medikamenten behandelt wurde). Von den 9 Probanden, die eine intravenöse Infusion mit CIS43LS erhalten hatten, blieben alle gesund.

Bei 2 Teilnehmern war die CHMI erst 9 Monate nach der Infusion durchgeführt worden. Dass auch sie nicht erkrankten, lässt auf eine langfristige Schutzwirkung der Antikörpergabe hoffen. Das NIAID hat bereits mit einer Phase-2-Studie begonnen. In Mali, einem Hochendemieland der Malaria, sollen insge­samt 348 gesunde Erwachsene intravenöse Infusionen mit CIS43LS in verschiedenen Dosierungen oder ein Placebo erhalten.

Das primäre Ziel ist wiederum die Verträglichkeit und Sicherheit der Behandlung. Zu den Endpunkten gehört aber auch die Häufigkeit von Malariainfektionen in den ersten 24 Wochen nach der Infusion der Antikörper. Sollte die Behandlung sich hier als effektiv erweisen, könnte sie zu einer Alternative der derzeitigen Chemoprophylaxe werden, die die tägliche Einnahme von zum Teil schlecht verträglichen Medikamenten erfordert.

Die Abnehmer der Behandlung wären vermutlich Soldaten oder medizinisches Personal, das sich vorü­ber­­gehend in einer Malariaregion aufhält. Für die einheimische Bevölkerung käme eine Antikörper­rophylaxe vermutlich erst infrage, wenn sich auch eine subkutane Gabe als effektiv erweisen sollte (was durchaus denkbar ist) und wenn die Kosten vertretbar wären (was aufgrund der Erfahrungen mit anderen Antikörperpräparaten eher nicht der Fall sein dürfte). © rme/aerzteblatt.de

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