NewsMedizinBarrett-Ösophagus: Alle Adenokarzinome der Speiseröhre entstehen aus Magenzellen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Barrett-Ösophagus: Alle Adenokarzinome der Speiseröhre entstehen aus Magenzellen

Mittwoch, 22. September 2021

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Cambridge/England – Das Adenokarzinom des Ösophagus hat seinen Ursprung vermutlich auch dann in Zellen, die von der Kardia des Magens in den Ösophagus gelangt sind, wenn bei der Operation kein Barrett-Ösophagus nachweisbar ist. Dies belegt jetzt eine ausführliche „Multiomics“-Untersuchung in Science (2021; DOI: 10.1126/science.abd1449), die die Ursache des Krebswachstums in der Aktivierung der Krebsgene c-Myc und HNF4A sieht.

Der Barrett-Ösophagus ist eine Störung der Schleimhaut im unteren Bereich der Speiseröhre am Übergang zum Magen. Sie tritt vor allem bei Menschen mit einem gastroösophagealen Reflux auf. Der Barrett-Ösophagus ist eine wichtige Ursache des Adenokarzinoms in der unteren Speiseröhre, das in den letzen Jahrzehnten deutlich häufiger geworden ist.

Histologisch ist der Barrett-Ösophagus gekennzeichnet von einer „Metaplasie“ der Schleimhaut, die stellenweise das Aussehen der Magenschleimhaut angenommen hat und Inseln in dem Plattenepithel der Speiseröhre bildet. Dies hat zu dem Verdacht geführt, dass mit der Magensäure Zellen aus dem Magen in die Speiseröhre „ausgeschwemmt“ werden, die sich dann dort angesiedeln.

Es könnte allerdings auch sein, dass sich der Barrett-Ösophagus aus den Zellen von kleinen submukösen Drüsen entwickelt, die es auch in der Schleimhaut der gesunden Speiseröhre gibt. Eine zweite unklare Frage ist, ob das Adenokarzinom des Ösophagus sich immer auf dem Boden eines Barrett-Ösophagus bildet. Pathologen finden die „Metaplasie“ nur bei jedem zweiten Operationspräparat. Experimente an Mäusen können die Frage nicht klären, weil die Schleimhaut bei den Nagern anders aufgebaut ist als beim Menschen und es dort keine submukösen Drüsen gibt.

Die unklare Situation hat in den letzten 20 Jahren zu mindestens sechs verschiedenen Hypothesen über die Entstehung des Barrett-Ösophagus geführt, erklärt ein Team um Rebecca Fitzgerald von der Universität Cambridge in England, das jetzt durch eine Reihe von molekulargenetischen Untersuchungen mehr Licht ins Dunkel bringen möchte.

In einer Transkriptomanalyse sequenzierten die Forscher die RNA in 43.000 Zellen aus 43 Gewebepro­ben die gesamte RNA. Die Proben wurden teilweise von gesunden Probanden und teilweise von Patienten an verschiedenen Stellen des Ösophagus und in der Kardia, dem angrenzenden Teil des Magens, entnommen.

Da die RNA vor allem aus der Boten-RNA besteht, lassen die Ergebnisse Rückschlüsse auf die in der Zelle aktivierten Gene und damit auf ihre Funktion zu. Bei den Patienten mit Barrett-Ösophagus fanden sich große Übereinstimmungen zwischen den metaplastisch veränderten Zellen im Ösophagus und normalen Zellen in der Schleimhaut der Kardia. Zu den Zellen der submukösen Drüsen gab es dagegen größere Unterschiede.

Die Ähnlichkeiten mit den Schleimhautzellen der Kardia wurden auch in 3 weiteren Analysen gefunden. In der 1. wurde das Methylierungsprofil untersucht. Die Methylierung der DNA bestimmt, welche Gene in einer Zelle überhaupt aktiviert werden können. Ein ähnliches Ziel verfolgt eine sogenannte ATAC-Sequenzierung. In der 3. Analyse wurde bei 5 Patienten das gesamte Genom in den Barrett-Läsionen und in einer Probe aus der Magenschleimhaut bestimmt. In beiden Proben wurden dieselben Mutationen gefunden. Auch dies deutet darauf hin, dass die Vorläufer der Barrett-Läsion aus der Kardia stammen.

Die Forscher haben bei den molekulargenetischen Untersuchungen möglicherweise auch die Antreiber des Krebswachstums gefunden. In den Zellen der Barrett-Läsionen waren die beiden Onkogene c-Myc und HNF4A vermehrt aktiv. In einem Laborexperiment konnten die Forscher das Krebswachstum durch die Aktivierung der beiden Gene in sogenannten Organoiden nachstellen.

Bei den Krebspatienten wurden die für die Barrett-Läsionen typischen genetischen Veränderungen auch in den Krebszellen gefunden – und zwar unabhängig davon, ob die Pathologen einen Barrett-Ösophagus diagnostiziert hatten oder nicht. Fitzgerald geht deshalb davon aus, dass die versprengten Drüsenzellen aus der Kardia auch dann die Auslöser des Krebswachstums sind, wenn die Pathologen sie nicht sichtbar machen können.

© rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.
LNS
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER