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Politik

IQWiG bewertet weitere Wirkstoffe gegen spinale Muskelatrophie

Dienstag, 17. August 2021

/picture alliance

Köln – Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat den Nutzen von zwei Wirkstoffen gegen eine 5q-assoziierten spinale Muskelatrophie (SMA) untersucht. Es sieht bei Risdi­plam einen Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen für SMA Typ 1, bei Onasemnogen-Abeparvovec sei da­gegen für keinen Typ ein Zusatznutzen belegt, lautet das Fazit.

Ursache der 5q-assoziierten spinalen Muskelatrophie ist das Fehlen eines Signalproteins aufgrund eines Defekts im Gen SMN1 auf dem längeren Arm – dem sogenannten q-Arm – des fünften Chromosoms. In der Folge sterben nach und nach Nervenzellen im Rückenmark ab, die für die Bewegung der Muskulatur zuständig sind.

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Nicht alle Menschen mit diesem Gendefekt erkranken gleich früh und gleich schwer. Denn ein weiteres, sehr ähnliches Gen – SMN2 – produziert als Spleiß-Variante geringe Mengen des erforderlichen Signal­proteins. Menschen haben zwischen einer und sechs Kopien dieses Gens. Je mehr Kopien im individu­el­len Genom vorliegen, desto besser kann SMN2 den Ausfall von SMN1 kompensieren, sodass die Betroffe­nen später und milder erkranken.

Laut dem IQWiG hat Risdiplam einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen bei der infantilen Form (SMA Typ 1), die bereits in den ersten Lebenswochen beginnt und unbehandelt be­sonders schwer verläuft. Für ältere Betroffene (Typen 2 und 3) und für präsymptomatische Säuglinge, deren Gendefekte im Neugeborenenscreening aufgedeckt wurden, ist ein Zusatznutzen dagegen laut den Kölner Wissenschaftlern nicht belegt.

Risdiplam setzt an der mRNA von SMN2 an, um die Bildung von funktionsfähigem SMN-Protein zu erhö­hen. Dieser Spleißmodifikator liegt bei Risdiplam im Gegensatz zu dem bereits vorliegenden Wirkstoff Nusinersen allerdings als lösliches Pulver vor und wird einmal täglich oral eingenommen. Dies soll die Verletzungs- und Infektionsrisiken vermeiden, die mit Injektionen in den Wirbelkanal einhergehen, wie sie bei Nusinersen erforderlich sind.

Der weitere neue Wirkstoff, Onasemnogen-Abeparvovec, verfolgt einen anderen Ansatz: Ein modifiziertes Virus schleust intakte Versionen des SMN1-Gens in die Zellkerne ein. Es handelt sich also um eine Gen­therapie. Der Wirkstoff wird einmalig in die Blutbahn injiziert.

Das IQWiG hat untersucht, ob die Therapie für vier Gruppen von Patienten einen Zusatznutzen gegenüber der jeweiligen zweckmäßigen Vergleichstherapie bietet. Bei SMA Typ 1 oder 2 sowie präsymptomati­schen Neugeborenen war dies der Wirkstoff Nusinersen, bei SMA Typ 3 dagegen eine andere Therapie nach ärztlicher Maßgabe oder aber Best supportive Care. Ein Zusatznutzen ist sich laut IQWiG für keine dieser Patientengruppen belegt. © hil/aerzteblatt.de

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