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Medizin

SARS-CoV-2: mRNA-Impfstoff schützt in Laborstudie nach 6 Monaten auch gegen Varianten

Montag, 16. August 2021

/thodonal, stock.adobe.com

Bethesda/Maryland – Eine 2-fache Impfung mit dem mRNA-Impfstoff mRNA-1273 könnte nach aktuellen in Science (2021; DOI: 10.1126/science.abj4176) veröffentlichten Laborergebnissen mittelfristig auch vor den zirkulierenden Varianten von SARS-CoV-2 schützen. Einzig die in Südafrika zirkulierende Beta-Variante weist vermutlich aufgrund der Mutation E484K Schwächen auf.

Die COVID-19-Zahlen haben sich in den letzten Wochen trotz der Verbreitung der Delta-Variante relativ günstig entwickelt. Die Zahl der Infektionen ist zwar gestiegen, Todesfälle sind jedoch selten geworden. Eine mögliche Erklärung ist eine gute Schutzwirkung der Impfstoffe gegen die Virusvarianten. Die Ergeb­nisse der ausführlichen Tests, die das Vaccine Research Center der US-National Institutes of Health (NIAID) in Bethesda für den mRNA-Impfstoff mRNA-1273 durchführt, bestätigen diese Vermutung.

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Das Team um Nicole Doria-Rose hat Teilnehmern der Phase-1-Studie 6 Monate nach der Impfung Blut­proben entnommen und die Fähigkeit des Serums untersucht, die verschiedenen SARS-CoV-2 Varian­ten zu neutralisieren. Getestet wurden neben dem ursprünglichen Wuhan-Stamm, dessen S-Gen mRNA-1273 enthält, auch der Wildstamm aus dem letzten Sommer, der sich durch die Mutation D614G vom Wuhan-Stamm unterscheidet, sowie die besorgniserregenden Varianten Alpha (B.1.1.7), die sich von England aus innerhalb weniger Wochen weltweit ausgebreitet hat, und Delta (B.1.617.2), die derzeit in den westlichen Ländern das Infektionsgeschehen beherrscht.

Weiter untersucht wurden die Varianten Beta (B.1.351), die in Südafrika dominiert, Gamma (P.1), die in Südamerika verbreitet ist, sowie Epsilon (B.1.429), die zuerst in Kalifornien auftrat, sich aber in Amerika nicht gegen Alpha und Delta durchsetzen konnte, und Iota (B.1.526), die ebenfalls eine US-amerikanische Spezialität geblieben ist.

Die Forscher führten 3 funktionelle Tests durch, in denen untersucht wurde, ob das Serum der Geimpften Pseudoviren von der Infektion von Zellkulturen abhält. In 2 weiteren Tests wurde untersucht, ob die Antikörper aus dem Serum der Patienten am S-Protein binden.

Da die Teilnehmer der Phase-1-Studie bereits Mitte letzten Jahres vollständig geimpft wurden, konnte Doria-Rose untersuchen, ob sich der Antikörperschutz im Verlauf von 6 Monaten verschlechtert hat. Im April hatte das Team bereits die Ergebnisse zum Wildtyp veröffentlicht.

Jetzt liegen auch die Ergebnisse zu den Virusvarianten vor. Sie zeigen einen allmählichen Rückgang der Antikörperwirkung, der sowohl in den Neutralisationstests als auch in den Bindungsstudien nachweisbar war. Der Rückgang war linear und erfolgte in allen Gruppen etwa gleich schnell. Endscheidend für den langfristigen Antikörperschutz könnte der 2 Wochen nach der 2. Dosis erreichte Spitzenwert sein.

Die Variante Beta hatte hier eine relativ niedrige Immunität erzielt. Nach 7 Monaten hatten in einem Neu­tralisationstest nur noch 54 % der Teilnehmer nachweisbare Antikörper, Lebendviren wurden noch zu 88 % von der Infektion der Zellen abgehalten und in einer „ACE2-Competition“ reagierten alle untersuch­ten Seren. Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, dass mRNA-Impfstoffe auch nach 6 Monaten gegen die Problemvariante schützen.

Die derzeit in Deutschland dominierende Delta-Variante wurde von 96 % der Probandenseren nach 6 Monaten erfolgreich abgewehrt. Auch von Gamma (85 %) scheint keine große Gefahr auszugehen. Auch bei älteren Menschen könnte der Impfschutz nach den Ergebnissen von Doria-Rose ausreichen.

Die Forscher haben in den Neutralisationstests auch die Auswirkungen einzelner Mutationen untersucht (allerdings nur 43 Tage nach der Impfung). Die meisten Mutationen hatten keine Folgen. Einzig E484K, das in den Varianten Beta, Gamma 1 und Iota vorhanden ist, hat die Neutralisation deutlich vermindert. Die klinische Relevanz dieser Beobachtung dürfte jedoch gering sein, da eine Impfung (anders als die Behandlung mit monoklonalen Antikörpern) immer zu einer breiten Antikörperantwort führt, die gegen mehrere Stellen des S-Proteins gerichtet ist. Einzelne Mutationen können einen Impfstoff deshalb nicht unwirksam machen. © rme/aerzteblatt.de

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