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Medizin

Studie: miRNAs im Blut könnten eine gezieltere Darmkrebsvorsorge ermöglichen

Dienstag, 17. August 2021

/279photo, stock.adobe.com

Heidelberg – Ein Test auf miRNAs, die von Krebszellen ans Blut abgegeben werden, könnte die Darm­krebsfrüherkennung erleichtern. In einer prospektiven Studie hat ein Panel von 7 miRNAs deutlich häufi­ger auf eine Darmkrebserkrankung hingewiesen als ein genetischer Score oder ein Lebensstil-Score. Die Ergebnisse wurden kürzlich in Nature Communications (2021; DOI: 10.1038/s41467-021-25067-8) veröffentlicht.

Obwohl es mit der Vorsorgekoloskopie eine effektive Früherkennung gibt, die allen Männern ab 50 Jahren und allen Frauen ab 55 Jahren kostenlos angeboten wird, erkranken in Deutschland jedes Jahr fast 60.000 Menschen an Darmkrebs. Eine Darmspiegelung (und vor allem die vorher notwendige Darmreini­gung mit übel schmeckenden Abführmitteln) wird jedoch häufig als so unangenehm empfunden, dass viele Menschen auf die Koloskopie verzichten. Ein Test, der Patienten auf ein erhöhtes Risiko hinweist, könnte die Bereitschaft zur Teilnahme fördern.

Bisherige Versuche stützten sich auf Risiko-Scores. Einige beurteilen das Risiko durch persönliche Fakto­ren wie Alter, Geschlecht, Übergewicht und Rauchen und eine familiäre Belastung durch Erkrankungen bei Geschwistern oder Eltern. Andere bestimmen sogenannte Einzelnukleotidpolymorphismen (SNP), die in Big-Data-Studien (sogenannten genomweiten Assoziationsstudien) mit einem erhöhten Darmkrebs­risiko verbunden waren. Eine erfolgreiche Vorhersage einer Darmkrebserkrankung gelang damit bisher nicht, berichtet Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.

Eine neue Methode zur Risikoabschätzung besteht aus dem Nachweis von Mikro-RNAs, auch miRNAs genannt. Es handelt sich um kurze RNA-Moleküle aus 20 bis 25 Nukleotiden, die im Zellkern die Aktivie­rung von Genen beeinflussen und damit eine Vielzahl an Zellfunktionen steuern, darunter auch viele zelluläre Prozesse, die die Krebsentstehung beeinflussen. Viele miRNAs werden ins Blut abgegeben. Der Nachweis bestimmter miRNAs in einer Blutprobe könnte deshalb anzeigen, ob sich irgendwo im Körper ein Krebs entwickelt.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass bei Menschen mit bekannten Darmkrebserkrankungen bestimmte miRNA im Blut nachweisbar sind. Die Heidelberger Krebsforscher haben jetzt untersucht, ob ein solcher Test auch für die Früherkennung geeignet sein könnte.

In einem 1. Schritt haben die Forscher 7 miRNAs identifiziert, die besonders häufig bei Darmkrebspatien­ten im Blut nachweisbar sind. In einem 2. Schritt wurde geprüft, ob diese miRNAs bereits im Vorfeld einer Erkrankung im Blut vorhanden sind. Dies geschah an den Teilnehmern der ESTHER-Studie.

Die Studie begleitet seit dem Jahr 2000 fast 10.000 Menschen aus dem Saarland, die im Alter von Anfang 60 an einer Vorsorgeuntersuchung beim Hausarzt teilgenommen hatten. Dort waren Blutproben ent­nommen und Fragen zum Darmkrebsrisiko gestellt worden. In den ersten 14 Jahren nach der Blutent­nahme sind 198 Personen an Darmkrebs erkrankt.

Der Score, den die Forscher aus den 7 miRNAs gebildet haben, war bei den Darmkrebspatienten deutlich höher als in einer Vergleichsgruppe ohne Darmkrebs. Die Forscher ermitteln für das oberste 1/5 des Scores ein 7,20-faches Risiko (Odds Ratio 7,20; 3,60 bis 14,39). Für den Risikoscore aus persönlichen Angaben und Lebensstil war die Odds Ratio mit 1,32 (0,67 und 2,61) niedriger und nicht signifikant. Das traf auch auf den genetischen Risikoscore aus 140 SNP zu: Odds Ratio 1,69 (0,90 bis 3,16).

Der Vorteil des miRNA-Scores zeigt sich auch in der ROC-Kurve, die Sensitivität und Spezifität kombiniert. Der 7-miRNA-Score erreichte hier einen AUC-Wert von 0,802 gegenüber nur 0,557 für den persönlichen Risikoscore und 0,622 für den genetischen Risiko-Score. Ein AUC-Wert von 1 wäre eine sichere Diagnose, ein Wert von 0,5 reiner Zufall.

Ein Wert von 0,802 ist zwar noch weit von einer Diagnose entfernt, er könnte jedoch im Vorfeld entschei­den, welchen Personen dringend zu einer Koloskopie geraten werden sollte, und bei wem dies aufgrund eines niedrigen Risikos noch nicht notwendig wäre. Voraussetzung wäre allerdings, dass die Ergebnisse in weiteren Studien bestätigt werden. © rme/aerzteblatt.de

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