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Brandbrief: Unimedizin Rostock kann Versorgung nicht mehr gewährleisten

Mittwoch, 18. August 2021

/dpa

Rostock – Die Universitätsmedizin Rostock (UMR) kann ihren Aufgaben in der Krankenversorgung für die Region Rostock und als überregionaler Maximalversorger nicht mehr vollständig nachkommen.

Da­rauf weisen 41 teils leitende Ärzte der UMR in einem Anfang August versandten Brief an Minister­präsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) und den Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) hin. Das Schreiben liegt dem Deutschen Ärzte­blatt vor.

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Gründe für die Probleme seien „die akuten Auswirkungen eines ausschließlich auf kurzfristige Einsparun­gen ausgerichteten Sanierungsprozesses, der sich paart mit den zum Teil massiven infrastrukturellen Defiziten an allen Standorten der UMR und dem gleichzeitigen strategischen Ziel der ‚schwarzen Null‘“, heißt es in dem Brief.

Die infrastrukturellen und organisatorischen Defizite hätten sich in den beiden vergangenen Jahrzehnten aufgrund des Fehlens einer nachhaltigen medizinischen und investiven Strategie für die Universitätsme­dizin Rostock aufgebaut.

Die unterzeichnenden Ärztinnen und Ärzte stellen dabei vor allem die Situation in der Pädiatrie heraus. So könne die Kinderklinik der UMR seit dem 1. August 2021 die Akutversorgung von Kindern und Ju­gend­lichen im Großraum Rostock nicht mehr voll aufrechterhalten. Derzeit übernehme die Kinderklinik circa 90 Prozent der kindermedizinischen Versorgung der Region.

„Neben Spezialambulanzen kann ein wesentlicher Kernbereich – die Kinderintensivstation – nicht mehr kontinuierlich betrieben werden“, heißt es in dem Brief. „Aufgrund von Organisationsverschulden patien­tenferner Entscheider ist die notwendige Personalentwicklung nachhaltig verhindert worden.“

Dadurch sei die intensivmedizinische Versorgung komplex erkrankter Kinder nicht mehr kontinuierlich zu gewährleisten. „In der Konsequenz werden komplexe Operationen (unter anderem die komplexe chirurgische Versorgung von Neugeborenen) oder die Versorgung von schwerstverunfallten Kindern nicht mehr vollumfänglich durchgeführt“, schreiben die Ärztinnen und Ärzte.

Organisationsverschulden auf mehreren Ebenen

Neben der Versorgung der Kinder sei auch die Versorgung der übrigen Patienten der UMR in hohem Maße gefährdet, heißt es weiter. So werde eine vierte Welle der COVID-19-Pandemie medizinisch nicht mehr beherrscht werden können.

„Seit 2019 haben wir den Vorstand und den Aufsichtsrat mehrfach auf diese Entwicklung hingewiesen und unsere aktive Mitarbeit zur Lösung der Probleme angeboten“, heißt es in dem Brief. Man bedauere „zutiefst“, dass bis heute keine adäquaten Maß­nah­men ergriffen worden seien, die Missstände zu verhin­dern. Ebenso seien alle Appelle und Argu­mente nicht derart gehört worden, dass Initiativen zur Abhilfe unternommen worden wären.

„Wir können daher die Verantwortung für einen der Regeln der medizinischen Heilkunde eines Maximal­versorgers entsprechenden Versorgungsstandard für unsere Patientinnen und Patienten nicht mehr voll­umfänglich übernehmen“, heißt es in dem Brief. „Hier liegt ein übergeordnetes Organisationsverschulden auf mehreren Ebenen vor.“

Die Unterzeichner des Briefes fordern, eine nachhaltige Sicherstellung des Versorgungsauftrags in Ver­waltung, Infrastruktur und Finanzierung sowie eine Revision des derzeit alleinig herrschenden strategi­schen Ziels der „schwarzen Null“. Dies sei unter den herrschenden desaströsen infrastrukturellen Bedin­gungen unmöglich. Schließlich fordern sie einen Zukunftspakt des Landes mit der Universitätsmedizin Rostock. © fos/aerzteblatt.de

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