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Baden-Württemberg: Psychisch belastete Kinder und Jugendliche im Fokus

Donnerstag, 19. August 2021

/altanaka, stock.adobe.com

Stuttgart – Weil Fachleute zum Beginn des neuen Schuljahres mit einer großen Zahl an psychisch be­lasteten Kindern rechnen, sollen junge Menschen mehr Möglichkeiten für eine Behandlung erhalten. Darauf haben sich in Baden-Württemberg rund 50 Teilnehmer eines digitalen Fachgipfels zur psychi­schen Situation von Kindern und Jugendlichen in Folge der Coronapandemie geeinigt.

Der zusätzliche Bedarf an ambulanter und an stationärer Behandlung könne durch die aktuellen Ver­sorgungskapazitäten nicht überall abgedeckt werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der Gipfelteilnehmer.

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Nach Angaben von Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha, der die Experten, Jugendhilfe, Jugendsozialarbeit und Betroffenenverbände eingeladen hatte, soll eine Arbeitsgruppe Vorschläge für einen Ausbau zusammenstellen. Genaue Zielvorgaben nannte Lucha nicht.

„Die psychische Situation vieler Kinder und Jugendlicher hat sich durch die Pandemie erheblich ver­schlec­htert“, sagte der Grünen-Minister. „Kinder und Jugendliche leiden besonders unter der Krise.“ Er rechnet mit einem deutlichen Anstieg der Zahl der Betroffenen: „Es steht zu befürchten, dass wir heute erst die Spitze des Eisbergs sehen“, sagte er.

Nach Angaben des Sozialministeriums sind die Kapazitäten im voll- und teilstationären Bereich stetig aufgebaut worden. Die Zahl der vollstationären Plätze in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sei zwischen 2015 und 2021 um 16 Prozent gestiegen, im teilstationären Bereich gar um 40 Prozent. Der Städtetag Baden-Württemberg kritisiert allerdings, es gebe schon jetzt nicht genügend Plätze.

Er gehe davon aus, „dass die Zahlen deutlich ansteigen werden, wenn die Kinder und Jugendlichen wieder in ein Umfeld kommen, in dem sie gehört und gesehen werden“, sagte auch Jörg Fegert, der Ärztliche Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Uniklinikum Ulm, der Südwestpresse.

Diese Erfahrung habe man bereits nach dem ersten Lockdown gemacht. „Wir wissen, dass häufig die Schulen es zuerst wahrnehmen, wenn Kinder und Jugendliche psychische Probleme haben.“ Durch die Pandemie hätten vor allem Angst- und Essstörungen stark zugenommen.

Familienforscher hatten zuletzt Ende Juli davor gewarnt, die psychischen Belastungen durch die Pande­mie zu unterschätzen. „Die Auswirkungen von Schulschließungen auf die psychische Gesundheit der Kin­der und Jugendlichen sind offensichtlich gravierender als bisher angenommen“, hatte der stellvertre­tende Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB), Martin Bujard, erklärt. Vor allem jugendliche Mädchen und junge Menschen mit Migrationshintergrund seien betroffen.

Nach einer vor einem Jahr veröffentlichten Mannheimer Studie waren während der ersten Phase der Coronakrise 57 Prozent von 666 befragten 16- bis 25-Jährigen belastet, 38 Prozent mittel bis schwer.
Der Umgang mit der Isolation von Freunden und Verwandten sei ausschlaggebend für den Grad der Belastung, so das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) im August vergangenen Jahres. Mit zu­nehmendem Grad der sozialen Isolation wachse das Risiko einer psychischen Belastung. Laut ZI ist die Online-Befragung (7. bis 16. Mai 2020) für Deutschland repräsentativ.

„Die Coronapandemie wird leider gerade für Kinder und Jugendliche mittel- bis langfristige Folgen haben, sowohl gesundheitlich als auch psychosozial“, sagte auch Wolfgang Miller, Präsident der Landes­ärztekammer Baden-Württemberg. Wo immer nötig und möglich würden die Ärzte in Baden-Württemberg ihren aktiven Beitrag leisten, um das entstandene Leiden zu lindern.

Vizepräsidentin Agnes Trasselli wies auf die Chancen der Impfung gegen Corona hin. „Es ist und bleibt ein Glücksfall, dass wir hochwirksame Vakzine gegen COVID-19 zur Verfügung haben, die nun endlich allen über zwölf Jahren zur Verfügung stehen“, sagte sie. Kammerpräsident Miller betont daher: „Impfen ist nach wie vor unsere stärkste Waffe im Kampf gegen die Pandemie.“

Nach Überzeugung der Landesärztekammer Baden-Württemberg sollten Eltern, Kinder und die behan­delnden Kinder- und Jugendärzte nach entsprechender Aufklärung und Abwägung aller Argumente ge­meinsam ihre Entscheidung treffen.

Wichtig seien dabei die Kriterien Selbstbestimmtheit, Betrachtung des Einzelfalls und enge Einbindung der Ärzteschaft. So sei es möglich, sich faktenbasiert und guten Gewissens gegebenenfalls für eine Imp­fung zu entscheiden. „Die Ärztinnen und Ärzte im Land stehen Eltern und jungen Menschen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite“, so Miller. © dpa/aerzteblatt.de

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