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Medizin

Studie: Adipositas in der Schwangerschaft könnte kognitive Entwicklung des Kindes stören

Mittwoch, 29. September 2021

/stanislav_uvarov, stock.adobe.com

Boston – Die Kinder von Frauen, die in der Spätschwangerschaft einen erhöhten Body-Mass-Index (BMI) hatten, was auf eine Adipositas hinweist, hatten in einer Kohortenstudie aus Belarus in JAMA Network Open (2021; DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.21429) im Schulalter einen niedrigeren IQ und am Ende der Schulzeit oft schlechtere Ergebnisse in einer Abschlussuntersuchung.

Die Adipositas ist in den letzten Jahren auch bei jüngeren Menschen häufiger geworden, und Frauenärzte beobachten, dass immer mehr schwangere Frauen Gewichtsprobleme haben. Eine Adipositas erhöht das Risiko von Schwangerschaftskomplikationen wie Gestationsdiabetes, Präeklampsie und Frühgeburt, und bei der Geburt kommt es infolge einer Makrosomie des Kindes häufiger zu Komplikationen. Welche Lang­zeitfolgen dies für das Kind haben könnte, haben Emily Olken von der Harvard Medical School in Boston und Mitarbeiter jetzt an den Daten der PROBIT-Studie („Promotion of Breastfeeding Intervention Trial“) untersucht.

Die PROBIT-Studie hatte zwischen 1996 und 1998 in Belarus mehr als 10.000 Frauen auf ein Programm zur Förderung des Stillens oder eine Kontrollgruppe randomisiert. Die Studienergebnisse hatten seiner­zeit für Aufsehen gesorgt, da die gestillten Kinder im Alter von 6,5 Jahren einen deutlich höheren IQ hatten als die nicht gestillten Kinder. Im „Wechsler Abbreviated Scale of Intelligence" waren die Ergeb­nisse um 7,5 Punkte besser (Archives of General Psychiatry, 2008; DOI: 10.1001/archpsyc.65.5.578). Auch bei einer Untersuchung im Alter von 16 Jahren waren noch Vorteile des gestillten Kinder in Sprachfähig­keiten und Gedächtnistests nachweisbar (PLoS Medicine, 2018; DOI: 10.1371/journal.pmed.1002554).

Bei der Eingangsuntersuchung im Krankenhaus waren auch Körpergröße und Gewicht notiert worden. Die US-Forscher haben untersucht, wie sich dies auf die späteren Ergebnisse in den Intelligenztests auswirkt. Da die Kinder inzwischen erwachsen sind, konnte sie auch die Ergebnisse der in Belarus üblichen Schulabschlussuntersuchung berücksichtigen, die den Entwicklungsstand der Kinder mit 0 bis 10 Punkten bewertet.

Ergebnis: Im Intelligenztest erreichten die Kinder im Alter von 6,5 Jahren mit 106 insgesamt ein durch­schnittliches Ergebnis. Die Kinder, deren Mütter bei der Schwangerschaft adipös waren, lagen im Durch­schnitt darunter. Für den Gesamt-IQ und die sprachlichen IQ waren die Unterschiede nicht signifikant.

Im „Performance“-IQ (er umfasst alle nicht verbalen Tests) war jede Zunahme des BMI der Mutter um 5 Einheiten mit einer Verschlechterung des IQ um 0,52 Punkte (95-%-Konfidenzintervall 0,17 bis 0,87) ver­b­un­den. Auch in 5 von 7 Subskalen des „NeuroTrax“-Tests, mit dem die kognitiven Fähigkeiten im Alter von 16 Jahren bewertet wurden, schnitten die Kinder adipöser Schwangerer schlechter ab. Im Gesamt­score betrug der Rückstand 0,67 Punkte (0,29 bis 1,06 Punkte) pro 5 Einheiten auf dem mütterlichen BMI. Auch die Ergebnisse der Schulabschlussuntersuchung nach der gymnasialen 11. Klasse (nicht aber nach der 9. Klasse der Volksschüler) waren schlechter, wenn der BMI der Mutter im obersten 1/4 gelegen hatte.

Der negative Einfluss des BMI war damit deutlich geringer als ein Verzicht auf das Stillen. Er wäre nach Ansicht von Oken jedoch medizinisch plausibel. Der höhere BMI könne einmal durch die häufigeren Schwan­gerschaftskomplikationen die kognitive Entwicklung der Kinder behindert haben. Die Fettleibig­keit könnte jedoch auch über systemische Entzündungen oder hormonelle Veränderungen (Kortikostero­ide, Leptin und Insulin) oder über Störungen der Schilddrüsenfunktion dem Feten geschadet haben.

Wie immer in epidemiologischen Studien lässt sich der Zusammenhang nicht zweifelsfrei belegen. Es bleibt abzuwarten, ob andere Studien zu ähnlichen Ergebnissen kommen würden. © rme/aerzteblatt.de

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